Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Mittwoch, 16. Januar 2019 Drucken

Zweibrücken

Kittel für (fast) immer im Schrank

Horst Sehnert will sich nach 47 Jahren als Apotheker im Ruhestand mehr Zeit zum Golfen nehmen

Von Sigrid Sebald

Derzeit noch zwei Mal pro Woche in der Pfalzgrafen-Apotheke: der 76-jährige Horts Sehnert.

Derzeit noch zwei Mal pro Woche in der Pfalzgrafen-Apotheke: der 76-jährige Horts Sehnert. ( Foto: Moschel)

Als Berufsanfänger hat Horst Sehnert noch Migränepulver mit der Handwaage abgefüllt, Pillen gedreht, also Tabletten selbst hergestellt und Salben eigenhändig angerührt. Letzteres hat er bis zuletzt fast täglich gemacht – Hautärzte verschreiben nach wie vor individuelle Salben, die es nicht fertig zu kaufen gibt. Sehnert ist jetzt 76 Jahre alt und seit Ende Dezember im Ruhestand – nach fast 47 Jahren als Apotheker hat er seine weißen Kittel für immer in den Schrank gehängt. Fast für immer.

Wer die Pfalzgrafen-Apotheke in der Rosengartenstraße betritt, hört Vogelgezwitscher als Türglocke. Und kann Horst Sehnert immer noch antreffen, wenn auch seit Januar nur noch an zwei Tagen in der Woche. „Ich mache hier noch so lange weiter, bis mein Nachfolger eingearbeitet ist“, sagt der große schlanke Mann, der seine Arbeit immer gerne gemacht hat, wie er sagt. Einige Stammkunden seien ihm wirklich ans Herz gewachsen, die Lebensgeschichten vieler Zweibrücker habe er über die Jahre hinweg mitverfolgt. „Ich habe mir immer Zeit für eine kleine Plauderei genommen, das war mir wichtig.“ Seine Kunden werde Sehnert vermissen, wenn er gar nicht mehr in die Apotheke geht.

Dafür wird er künftig mehr Menschen auf dem Golfplatz in Bitsch treffen. Sein Hobby Golfen sei in den letzten Jahren doch etwas kurz gekommen, jetzt will sich der Ruheständler mehr Zeit dafür nehmen. Dass er in Bitsch spielt, habe nichts mit einer Frankreich-Affinität zu tun. „Ich habe 1997 die Platzreife auf dem Websweilerhof im Saarland erlangt und dort einige Golfer kennengelernt. Die sind dann nach Bitsch gewechselt, und da bin ich mit.“ Ins Fitnessstudio werde er auch öfter gehen, wenn die Apotheke ihn nicht mehr in Anspruch nimmt. Und Wanderurlaube peilt er an, „irgendwas Aktives, hier in der Gegend“.

Sehnert hatte zuerst die Adler-Apotheke, von März 1972 bis Ende Januar 1977. Dann wurde das Ärztehaus in der Rosengartenstraße gebaut, und Sehnert eröffnete darin die Pfalzgrafen-Apotheke. Mit den Ärzten im Haus habe er immer gut zusammengearbeitet. Mit dem inzwischen verstorbenen Kardiologen Gerhard Stopp habe ihn auch eine Freundschaft verbunden, „wir waren ja die beiden Dinosaurier im Haus“. In seiner Apotheke habe er fast ausschließlich Gutes erlebt, versichert der 76-Jährige.

Einmal sei ihm etwas mulmig geworden, als ein Drogensüchtiger ihn im Nachdienst bedrohte, sagt Sehnert. „Ich weiß genau, wo Ihr Auto steht“, habe der Mann durch die Nachtklappe gerufen. Passiert sei aber nichts.

Dennoch seien es die Nachtdienste, die ihn vor vielen Jahren einmal an seinem Beruf zweifeln ließen. In seiner Anfangszeit habe es in Zweibrücken viel weniger Apotheken gegeben als jetzt, etwa vier oder fünf. „Da war man dauernd zusätzlich zu den normalen Öffnungszeiten mit Nacht- und Wochenenddiensten dran, und die waren sehr lang“, erinnert sich Sehnert. Eine 130-Stunden-Woche habe ihm fast mal den Rest gegeben. Aber eben nur fast. Er blieb Apotheker, „und später wurde es dann auch besser“. Mehr Apotheken und ein anderes System, das auch die Apotheken in Hornbach und Contwig einbezieht, hätten Erleichterung gebracht.

24-Stunden-Dienste habe er zuletzt alle 13 Tage gehabt, dabei jeweils in einem hinteren Raum der Apotheke auf einer Couch geruht – „dienstbereit, versteht sich“. Manchmal habe er durchschlafen können, meist aber nicht. In den letzten Jahren sei es häufiger vorgekommen, dass Kunden nachts anriefen und etwas zu einem bestimmten Medikament wissen wollten, etwa den Preis. Sehnert: „Dafür ist der Apotheken-Notdienst nicht gedacht.“

Er selbst, der an der Quelle sitzt, nimmt nicht viele Medikamente. Bei harmloseren Sachen wie Erkältung setze er auf Tee trinken und auskurieren. Von den 5000 bis 6000 Einzelartikeln, die die Pfalzgrafen-Apotheke immer auf Lager hat, hat er die allerwenigsten selbst getestet. Auch nicht das Pferdewasser, das er vor Jahren im Angebot hatte – zum Einreiben bei Muskelschmerzen, obwohl eigentlich, wie der Name vermuten lässt, für Pferde gedacht. Er selbst nimmt lediglich Vitamin D3, „das ist wichtig fürs Immunsystem und den Knochenaufbau“. Wer viel Golf spielen und Fitness machen will, achtet auf so was.

Zweibrücken-Ticker