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Donnerstag, 10. Januar 2019 Drucken

Zweibrücken: Kultur Regional

Es faucht aus dem Nebel

Effektvolles „Rumpelstilzchen“ mit dem Allgäuer Märchentheater im Hofenfels-Gymnasium

Von Patrick Göbel

Das Rumpelstilzchen (links), gespielt von Jane Sperlich, macht Gretel, gespielt von Dajana Sperlich, ein verlockendes Angebot.

Das Rumpelstilzchen (links), gespielt von Jane Sperlich, macht Gretel, gespielt von Dajana Sperlich, ein verlockendes Angebot. ( Foto: thof)

Das Böse ist ein Meister der Verführung, das wurde den etwa 90 Zuschauern am Montag in der Aula des Zweibrücker Hofenfels-Gymnasiums bewusst. Szenisch dargestellt, schimmerten Witz, Boshaftigkeit und einfallsreiche Dialoge bei der Theatervorführung vom „Rumpelstilzchen“ durch.

Als das Rumpelstilzchen (Jane Sperlich), grausig durch Maske und Stimme entstellt, mit einem gewaltigen Donnern auf die Bühne tritt, kommt die Geschichte richtig in Fahrt. Das Allgäuer Märchentheater hat bei seiner Inszenierung des Märchens des bösen Wesens alle Register gezogen: Nicht nur visuell, auch akustisch macht das Rumpelstilzchen viel her.

Das verzweifelte Gretchen (Dajana Sperlich), die Müllerstochter, überlegt hin und her, wie sie es schaffen soll, einzig durch ihre Spule Stroh in Gold zu verwandeln. Zuvor hat ihr Vater (Stefan Sperlich) mit Aussprüchen wie „Ach du lieber Strohsack“ nicht gerade für eine Lösung der verfahrenen Situation gesorgt. Darin liegt die eigentliche Bitterkeit der Geschichte: Der Vater hat seine eigene Tochter in diese Situation gebracht. Mit stolz geschwellter Brust hat er dem König gesagt: „Meine Tochter kann aus Stroh Gold spinnen!“

Plötzlich ist der König (Henry Sperlich) für den Müller und seine Tochter Feuer und Flamme. War der Mann für ihn die ganze Zeit bloß ein gewöhnlicher Arbeiter, scheint er durch diese Enthüllung plötzlich viel interessanter. Statt den Irrtum aufzuklären, beteuert der Müller seine Lüge. Und der König zaudert nicht mit einem Versprechen: „Wenn es dir nicht gelingt, Gretel, werfe ich deinen Vater in den Kerker. Wenn du es aber schaffst, mache ich dich zur Königin und nehme dich mit auf mein Schloss.“

Als aber Rumpelstilzchen mit Knallen und Fauchen aus dem Nebel auftaucht und seine Hilfe anbietet, ist die Müllerstochter überglücklich. Dabei ist die vermeintliche Hilfe Teil eines sehr viel finsteren Plans des unansehnlichen Wesens. Als es das Stroh aber wahrhaftig in Gold verwandelt hat, ist der König, der zum Bestaunen des Edelmetalls herbeigerufen wurde, sprachlos. „Da sperrst du Mund und Nase auf!“, kann sich Gretels Vater nicht verkneifen.

Obgleich das Grimm’sche Märchen jedem bekannt sein dürfte, hat die Theatergruppe es geschafft, eine neue Inszenierung zu schaffen. Durch Licht- und Knalleffekte, etwa wenn das Rumpelstilzchen auftaucht, ist es außergewöhnlich und reißt auch noch Sieben- und Achtjährige mit. „Ich finde das Theater ganz toll!“, bekundet ein junger Zuschauer in der ersten Pause das eben Gesehene. Auch in den Kostümen und Dialogen steckt viel Detailarbeit: Das Stück birgt Wortwitz und humoristische Momente, die einen Kontrapunkt zum bitterbösen Wesen setzen. Denn das will schließlich das Erstgeborene Gretchens, der neugekrönten Königin, als Preis für seine Künste.

Den Kindern wird während der rund 80-minütigen Vorstellung nicht langweilig – im Gegenteil. Immer für eine Wendung gut, schlängelt sich das Theaterstück kurzweilig dahin, den Lügen aus dem Mund des Vaters gleich, die sich wie Schlangen ringeln. Sind Grimms Märchen an sich schon belehrend, so hat die Theatergruppe die Botschaft in ihrem aufgeführten Märchen elegant verschleiert. Der kaltherzige Vater, der zwar seiner Tochter nichts Böses will, aber doch unbedingt im Ansehen des Königs steigen will, scheitert daran, seine eigens verursachte Lüge auf seine Kappe zu nehmen. Diese Bitterkeit wird durch viel Humor und der Leichtigkeit, die die Darsteller an den Tag legen, ein wenig übertüncht.

Am Ende bleibt eine spritzig-leichte Vorführung zurück, die an den erforderlichen Stellen aber immer mit der notwendigen Ernsthaftigkeit aufwartet.

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