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Montag, 08. April 2019 Drucken

Zweibrücken Land

Eine Studenten-WG ist nicht Sinn der Sache

Es war kein Oktoberfest, aber die Turnhalle war trotzdem voll: Über 200 Zuhörer wollten am Freitag wissen, was die Diakonie am Ortsrand von Contwig bauen möchte. Im Grunde geht es darum, dass ältere Menschen genau die Hilfe bekommen, die sie brauchen, ohne in ein Pflegeheim zu müssen.

Von Marco Hey

Das Viertel, das die Diakonie plant, entsteht am Contwiger Ortsausgang, rechts der Straße nach Oberauerbach und oberhalb der Schachenstraße. Wie es tatsächlich einmal aussieht, hängt auch von den Wünschen der Interessenten ab.

Das Viertel, das die Diakonie plant, entsteht am Contwiger Ortsausgang, rechts der Straße nach Oberauerbach und oberhalb der Schachenstraße. Wie es tatsächlich einmal aussieht, hängt auch von den Wünschen der Interessenten ab. ( Foto: Diakoniezentrum Pirmasens )

«Contwig.»Die Pläne der Diakonie, am Contwiger Schachen ein kleines Viertel zu bauen, das speziell auf die Bedürfnisse von Senioren ausgerichtet ist, interessiert die Bevölkerung ungemein. Über 200 meist ältere Zuhörer kamen am Freitagnachmittag in die Turnhalle der VT, in der Diakonie und Politik über das Vorhaben informierten und Fragen der Bürger beantworteten. Mit Sozialdezernent Peter Spitzer äußerte sich erstmals ein Vertreter der Kreisverwaltung öffentlich zu dem Projekt, und zwar ausschließlich positiv.

Dass die Diakonie mit ihren Plänen anscheinend genau den Nerv der Bürger trifft, war schon vor der Halle zu sehen: Alle Parkplätze waren belegt, in den Seitenstraßen standen die Autos dicht an dicht. Drinnen, an den üppig mit Kaffee und Kuchen gedeckten Tischen, drängten sich die Zuhörer, die aufmerksam den Vorträgen folgten. Wie zuletzt am 30. März berichtet, plant die Diakonie auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Gelände am Ortsausgang Richtung Oberauerbach ein Viertel mit 60 bis 70 Wohnungen für ältere Menschen. Ziel ist, den Senioren ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Haus und gewohnter Umgebung zu ermöglichen und bei Bedarf auf Angebote und Dienste der Diakonie und zurückzugreifen. Ein ganz wichtiger Teil dabei ist die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe. Ein stationärer Aufenthalt in einem Heim soll mit diesem Konzept im besten Fall ganz verhindert werden.

Und genau das ist der Aspekt, der Peter Spitzer (SPD) an dem Projekt so begeistert. Aus der Erfahrung seiner Behörde wisse er, dass die Menschen im Alter in den eigenen vier Wänden und in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und nicht in ein Pflegeheim umziehen wollen. Zudem ist sich Spitzer sicher, dass der Kreis künftig viel Geld durch das Projekt der Diakonie sparen kann. „Im Moment haben wir nur vollstationäre und teure Einrichtungen. Das belastet unser Budget sehr“, sagte Spitzer, der zu dem Schluss kommt: „Wir können das Projekt nur unterstützen. Der Landkreis steht voll dahinter.“ Und Contwig sei aufgrund der guten Infrastruktur genau der richtige Ort dafür. Silvia Bach, Leiterin des Bereichs Wohnen und Pflege der Diakonie, betonte am Freitag nochmals, dass die stationäre Pflege nicht unendlich ausgebaut werden könne. Dafür fehlten Geld und Leute. „Nicht jeder, der Gesellschaft und Unterstützung braucht, muss in ein Heim. Das ist übertrieben, teuer und macht die Menschen nicht glücklich“, sagte Bach.

Was konkret gebaut und angeboten wird, liegt in den Händen der Bürger. Diese können ihre Ideen in den beiden Bürgerwerkstätten einbringen, die für den 5. Juni und 28. August geplant sind. Wer Interesse an einem Haus oder Wohnung auf dem Schachen hat, kann dort auch seinen Bedarf anmelden. Darauf wies Planer Marco Müller vom Beratungsbüro Dr. Sven Fries aus Speyer, der die Werkstätten moderieren wird, ausdrücklich hin. Wer teilnehmen will, sollte sich in Listen eintragen, die im Haus Sarepta und im Rathaus ausliegen werden. Bei der ersten Werkstatt wird es darum gehen, wie sich Nachbarschaft stärken lässt und wie man sich gegenseitig helfen kann. Beim zweiten Termin soll erarbeitet werden, was Senioren brauchen, um möglichst lange selbstbestimmt zu leben.

Ende März hatte die Diakonie das Projekt auch im Verbandsgemeinderat vorgestellt. Die Diakonie baue in Contwig keine Räume, sie schaffe Inhalte. Das betonte Carsten Steuer, kaufmännischer Vorstand des Diakoniezentrums Pirmasens, damals sehr. „Wir wollen Gemeinschaft entwickeln, nicht nur Pflegeleistungen verkaufen“ oder „Wir schaffen keine Pflegeplätze“, sagte er beispielsweise. Das neue Viertel liegt am Ortsausgang von Contwig in Richtung Oberauerbach, oberhalb der IGS und gegenüber dem Neubaugebiet.

Bereits am Freitag nutzten viele Bürger die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Unter anderem:

Wann beginnt der Bau und wann wird alles fertig sein?

Carsten Steuer, kaufmännischer Vorstand, geht davon aus, dass im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen wird. Zum Bauende konnte er keine Angaben machen.

 

Wie viele Häuser werden gebaut?

Geplant sind laut Carsten Steuer 60 bis 70 Wohneinheiten. Wie viele davon Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser oder Wohngemeinschaften sein werden, sei abhängig von der Nachfrage.

 

Was wird es kosten?

„Dazu kann ich jetzt keine verlässlichen Zahlen nennen“, antwortete Steuer und versprach, zum Jahreswechsel Genaueres sagten zu können. Neben dem Kaufpreis oder der Miete hängen die Kosten auch davon ab, welche Dienstleistungen jemand in Anspruch nimmt. „Es wird billiger als stationäre Pflege“, versicherte Bach.

 

Zahlt die Pflegeversicherung etwas dazu?

Für die klassischen Dinge sicher, so Bach. Alles andere sei Verhandlungssache mit den Kassen. Aber alles werde garantiert nicht übernommen.

 

Kann man ein Haus vererben oder verkaufen?

Hier geht die Tendenz laut Steuer Richtung Vorkaufsrecht der Diakonie. Damit sichergestellt werde, dass an die Leute verkauft werde, für die das Quartier gedacht ist. Eine Studenten-WG sei beispielsweise nicht im Sinne der Sache.

 

Bestimmt die Diakonie beim Preis mit, wenn ich mein Haus wieder verkaufe?

„Das kann ich erst beantworten, wenn wir mit den Plänen weiter sind“, sagte Steuer.

 

Wird es Garagen geben?

Vermutlich ja, so Steuer. Ob neben den Gebäuden oder darunter, das stehe noch nicht fest.

 

Gibt es weitere Investoren?

Laut Steuer beteiligt sich unter anderem die Herzog-Wolfgang-Stiftung aus Zweibrücken an dem Projekt, die beim Grundstückskauf geholfen habe. „Wir haben weitere seriöse Partner, die hinter dem Projekt stehen und das Ganze nicht ausschließlich als Investition sehen“, erklärte Steuer.

 

Wie groß werden die Häuser?

Hier kann die Diakonie zwischen 40 und 100 Quadratmetern variieren. Große Häuser mit 90 oder 100 Quadratmetern werden aber Ausnahmen sein.

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