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Samstag, 23. Februar 2019 Drucken

Zweibrücken Land

Ein Stück Zukunft in Richtung Oberauerbach

Oberhalb von Contwig will die Diakonie Pirmasens ein kleines Viertel für ältere Leute bauen: Einfamilienhäuser, die man mieten oder kaufen kann, kleine Wohnungen und betreute Wohngemeinschaften. Was gebaut wird und wie es aussehen soll, das sollen die Contwiger mitentscheiden. Denn die Planer wollen kein Ufo am Rand des Dorfes.

Von MArco Hey

Am Ortsausgang von Contwig will die Diakonie auf einem 10 000 Quadratmeter großen Gelände ein Quartier mit unterschiedlichen Wohnformen errichten. Das Gebiet liegt nördlich der Schachenstraße, etwas oberhalb der IGS und gegenüber dem Neubaugebiet.

Am Ortsausgang von Contwig will die Diakonie auf einem 10 000 Quadratmeter großen Gelände ein Quartier mit unterschiedlichen Wohnformen errichten. Das Gebiet liegt nördlich der Schachenstraße, etwas oberhalb der IGS und gegenüber dem Neubaugebiet. ( Foto: Moschel)

«Contwig.»Selbstbestimmt in der gewohnten Umgebung wohnen – auch wenn man auf pflegerische Hilfe angewiesen ist. Das will die Diakonie Pirmasens mit ihrem Projekt für betreute Wohnformen auf dem Schachen in Contwig erreichen. Wie das Ganze letztendlich aussieht und umgesetzt wird, liegt auch an den Contwigern, die bei der Sache Ideen einbringen und mitreden dürfen. Am Donnerstag stellte die Diakonie ihre Pläne in der Sitzung des Gemeinderates vor.

Die Diakonie will mit ihrem Vorhaben die stationäre Pflege, die sie in Contwig bereits im Haus Sarepta anbietet, mit ambulanten Angeboten verknüpfen. Das Konzept sieht vor, dass sich jeder die Dienstleistungen aus dem Angebot heraussuchen kann, die gerade zur persönlichen Situation passen, erläuterte Carsten Steuer, kaufmännischer Vorstand der Diakonie, die Idee hinter dem Projekt. Denn nicht jeder, der auf pflegerische Hilfe angewiesen ist, braucht sofort das volle stationäre Programm, so Steuer. Im Idealfall „durchlaufen die Leute unsere Angebote und nicht verschiedene Wohnungen“. Das heißt, jemand zieht nicht von zu Hause in ein betreutes Wohnen und von dort ins Pflegeheim, sondern bekommt das, was er braucht dort wo er wohnt. „Umzüge wollen wir vermeiden“, erklärt Steuer.

Dafür will die Diakonie auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Areal ein Quartier mit unterschiedlichen Wohnformen errichten. Die Palette umfasst unter anderem etwa 90 Quadratmeter große Einfamilienhäuser, die man mieten oder kaufen kann, kleine Wohnungen oder betreute Wohngemeinschaften. Dienstleistungen, die die Diakonie anbieten will, könnten palliative Pflege sein, Tagespflege, ambulante Pflege, Quartiers-Schwestern, ehrenamtliche Hilfe, Betreuung oder punktuelles Unterstützen. Bei Menschen die bettlägerig sind oder an Demenz leiden, kommt das Angebot allerdings an seine Grenzen, erklärt Steuer. Dafür seien Pflegeheime wie das Haus Sarepta geeigneter.

Doch die vollstationäre Pflege, wie sie oft mangels Alternativen angeboten und angenommen wird, ist ein Konzept, dass „wir uns künftig nicht weiter leisten können“. Dafür seien angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft weder Geld, Platz noch qualifiziertes Pflegepersonal in ausreichender Menge vorhanden. Diese deutlichen Worte fand am Donnerstag Silvia Bach, die bei der Diakonie den Geschäftsbereich Wohnen und Pflege leitet und ebenfalls für das Quartier auf dem Schachen zuständig sein wird. In Contwig will die Diakonie deshalb ein Modell für die Zukunft entwickeln.

Tatkräftig mithelfen sollen dabei die Bürger. Diese sollen am Ende maßgeblich entscheiden, was gebaut und angeboten wird. „Die Bürger als Experten wollen und müssen wir einbinden. Sonst planen wir am Bedarf vorbei“, sagte Marco Müller vom Büro Fries aus Speyer, das sich auf Stadtplanung spezialisiert hat. Das Büro betreut das Projekt für die Diakonie inhaltlich und kommunikativ. „Die Bürger kennen ihre Gemeinde am besten und wissen, was fehlt, wo Probleme sind“, so Müller weiter. Außerdem wolle niemand, dass das Quartier wie ein Ufo am Rande des Ortes liegt und es keinen Kontakt zu den Einwohnern gibt. Denn der sei für das Vorhaben unerlässlich. Sei es für Nachbarschaftshilfe, ehrenamtliche Mitarbeit oder dass einfach jemand da ist, der dem anderen zuhört. Ein guter Ort dazu soll mit dem geplanten Quartiers-Café entstehen. Aktiv einbringen können sich die Bürger in den beiden Bürgerwerkstätten, die für April und Mai vorgesehen sind. Bei einer weiteren Veranstaltung am 5. April will die Diakonie zuvor nochmals über das Projekt informieren.

Die Fragen der Ratsmitglieder drehten sich am Donnerstag unter anderem darum, ob Haus und Angebot im Quartier für Normalbürger bezahlbar sind, wie es mit ärztlicher Versorgung aussieht und ob gekaufte Häuser vererbt werden können. Steuer versicherte, dass das Ganze bezahlbar sein wird, „und beim Verkaufen der Häuser muss man im Kaufvertrag gewisse Rahmenbedingungen setzen, was den Weiterverkauf oder Rückkauf betrifft“, antwortete Steuer. Er geht aber davon aus, dass die meisten Häuser gemietet werden. Wie viele davon gebaut werden, hängt vom Bedarf ab. Die Ergebnisse der Bürgerwerkstätten und der Fragebögen, die an die Haushalte verteilt werden, sollen unter anderem darüber Aufschluss geben. Sie will die Diakonie im Herbst bei einer Abschlussveranstaltung präsentieren. Steuer geht davon aus, dass bereits im kommenden Jahr einige Gebäude gebaut werden – von jeder Wohnform. Was die medizinische Versorgung betrifft, berichtete Bach, dass ein Arzt zum jetzigen Zeitpunkt nicht für das Projekt eingestellt werden kann.

Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker bezeichnete das Konzept als sehr gelungen und „dem Wandel der Zeit geschuldet“. Das Quartier könne Modellcharakter für das ganze Land entwickeln, so Gundacker. Contwigs Bürgermeister Karlheinz Bärmann sprach begeistert „von einem Meilenstein was die Zukunft der Gemeinde betrifft“.

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