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Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Zweibrücken: Kultur Regional

Ein silbriger Fluss

Die Zweibrücker Flötistin Tatiana Flickinger legt eine Barock-CD vor – Konzert am 17. März

Von Konstanze Führlbeck

Die Flötistin Tatiana Flickinger kommt am 17. März mit ihrer Cembalo-Partnerin Margit Kovács zum Konzert in den Wintergarten der Zweibrücker Festhalle, um die CD mit Barockmusik vorzustellen.

Die Flötistin Tatiana Flickinger kommt am 17. März mit ihrer Cembalo-Partnerin Margit Kovács zum Konzert in den Wintergarten der Zweibrücker Festhalle, um die CD mit Barockmusik vorzustellen. ( Foto: Franz Kimmel)

Auf der CD spielt Tatiana Flickinger nicht allein sondern im Quintett.

Auf der CD spielt Tatiana Flickinger nicht allein sondern im Quintett. ( Foto: KNF)

„Colori del barocco“, Farben des Barock, heißt die erste CD von Tatiana Flickinger mit ihrem gleichnamigen Kammermusik-Ensemble. Die Zweibrücker Flötistin, die inzwischen in München lebt, hat Raritäten von Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi, Joseph Bodin de Boismortier und Pierre Prowo eingespielt.

Die Welt der europäischen Barockhöfe mit ihrer erlesenen Kammermusik wird in diesen Werken lebendig. Luftig schweben die Klänge, in nahezu unirdischer Leichtigkeit und Klarheit. Der Geist der Aufklärung wird hier hörbar. Die Besinnung auf das Wesentliche prägt die Themen, die Virtuosität ist unaufdringlich, fast beiläufig. Ausdrucksnuancen und nicht Effekte stehen im Vordergrund, in einem breit gefächerten, doch stets dezenten Gefühls- und Klangfarbenspektrum. Barocke Opulenz sucht man hier vergeblich, vermisst sie allerdings auch nicht.

Diesen stilistischen Besonderheiten spürt das Ensemble Colori del barocco mit musikalischem Fingerspitzengefühl nach. Außer Tatiana Flickinger an der Blockflöte und Margit Kovacs am Cembalo spielen alle Mitglieder originale Barockinstrumente. Leonhard Hauske (Barockfagott), Yuna Lee (Barockvioline) und Claire Sirjacobs (Barockoboe) tragen so entscheidend zu einem authentischen Klangbild bei.

In Norddeutschland prägte Georg Philipp Telemann (1681-1767) maßgeblich die Musikkultur dieser Zeit, seine Werke eröffnen und beschließen die musikalische Reise in die Vergangenheit.

Lebendig und farbenreich, in klaren plastischen Konturen und mühelosem melodischen Fluss gestaltet das Ensemble Colori del barocco das temperamentvolle Vivace aus Telemanns Quartett in G-Dur für Blockflöte, Oboe, Violine und Basso continuo TWV 43. Einzelne Motive erinnern an Vogelrufe, ihre Echos erzeugen fast unmerklich eine Raumwirkung. Als gleichberechtigte Partner ergänzen sich die Musiker in den weichen Melodiebögen des Grave, sie unterhalten sich in einem Dialog ohne Worte. Die sprühende Vitalität und farbenreich ausschattierte Klangtransparenz des schnellen Schlusssatzes bringt das Ensemble gut zur Geltung.

Ebenfalls in Hamburg wirkte der Organist und Komponist Pierre Browo (1697-1757), ein Schüler Telemanns. Schnelle Themen in flirrenden Umspielungen verbinden sich mit Cembalo-Akkorden zu einem silbrigen Fluss in einem immer dichter werdenden Klangbild im Allegro. Ganz im Gegensatz dazu ist das Largo als ruhiges Wechselspiel gleichberechtigter Stimmen ausgestaltet, die sich in hellen, transparenten Klängen immer wieder ergänzen, aber auch kommentieren. Markante Akzente zu den weichen Melodiebögen setzen punktierte Rhythmen. Sie wirbeln den melodischen Fluss durcheinander und lassen bisweilen slawische Einflüsse erkennen.

Mit malerischen Farben begeistert Tatiana Flickingers Flötenthema in dem elegischen Adagio der Sonata IV in a-Moll für Blockflöte, Violine, Oboe und Basso continuo Op.34/6 des lothringischen Komponisten Joseph Bodin de Boismortier (1689-1755). Ein farbenreiches, inniges Lied ohne Worte, in ausdrucksvollen Nuancen von Colori del barocco ausgeleuchtet, ist das Largo dieses Werkes. Der feierliche Charakter wird vor allem durch die schleppenden, verschobenen Rhythmen betont, die an einen höfischen Schreittanz erinnern. Der Schlusssatz ist dagegen ganz ungezwungen, ein fröhliches Treiben in munteren Farbtupfen.

Auch Italien kommt hier zu Wort mit zwei Werken von Antonio Vivaldi (1678-1744). Volltönend und doch sehr schlank und beweglich präsentiert das Ensemble das Allegro des Concerto in g-Moll für Blockflöte, Violine, Oboe, Fagott und Basso continuo RV 107. Feine Echoeffekte strukturieren das kunstvolle Klangbild. Volkstümlich interpretiert Flickinger das liedhafte Thema des Largo mit ihrer volltönenden Blockflöte. Die Flöte scheint sich dabei mit den anderen Instrumenten zu unterhalten in einer dezenten kammermusikalischen Miniatur.

CD & Konzert

—CD: „Colori del barocco – Virtuose Kammermusik“, fünf Tracks, 70 Minuten, Eigenverlag, 15 Euro, erhältlich bei tatianaflickinger.de und bei den Konzerten.

—Konzert: Sonntag, 17. März, 18 Uhr

Zweibrücken, Festhalle

Tatiana Flickinger (Flöten) und Margit Kovács (Cembalo) spielen unter dem Titel „Damenwahl“ Barockmusiken. Karten für 13 und 18 Euro gibt es im Zweibrücker Kulturamt, Maxstraße 1, und bei ticket-regional.de (mit Aufschlag).

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