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Mittwoch, 16. Januar 2019 Drucken

Zweibrücken: Kultur Regional

Der Buchstabe wird zur Figur

Die Pirmasenserin Ingrid Gollong präsentiert sich in der Kreisgalerie als Kalligrafie-Künstlerin

Von Klaus Kadel-Magin

Die Frage „Wer bist Du?“ von Nelson Mandela hat Ingrid Gollong hier zum Grundtext gemacht.

Die Frage „Wer bist Du?“ von Nelson Mandela hat Ingrid Gollong hier zum Grundtext gemacht. ( Foto: Kadel-Magin)

Über die Schrift lässt sich dem Geschriebenen eine Bedeutungsebene mehr verpassen. Das funktioniert natürlich nicht mit den üblichen Helvetica-, Times-, New-Roman- oder Arial-Schriftzeichen, die heute jedermann mit seinem Computer verwendet. Die eigene Handschrift und erst recht die Kalligrafie sagen da oft weit mehr, als das Geschriebene selbst. Ingrid Gollong, eine Meisterin der Kalligrafie, zeigt derzeit in der Kreisgalerie ihr Können.

Die reine Kalligrafie hat die aus Pirmasens stammende Ingrid Gollong schon längst verlassen, wie die Ausstellung in Dahn zeigt. Expressive Bildflächen legt sie über Textfragmente. Schrift wird zum eigentlichen Bildelement. Der Buchstabe wird Figur auf vielen Bildern. Die Pirmasenserin hat aber die ursprüngliche Kalligrafie gelernt, wie einige auch in Dahn zu sehende Blätter zeigen. Texte von Erich Kästner, Novalis oder Jean Tardieu wurden von Ingrid Gollong fein säuberlich Zeile für Zeile zu Papier gebracht. Die Kalligrafie besteht auf diesen Blättern in der Anordnung der Textzeilen, also eher einer typografischen Disziplin. Die meisten dieser Blätter sind unverkäuflich.

Kalligrafie ist für die Künstlerin die Art Zeichen zu setzen, wie sie auf einem ihrer Bilder verrät. Beruflich hatte sie 23 Jahre lang auf Autos der Marke Opel als Chefdesignerin mit dieser Art Zeichen gesetzt. Die Chromschriften auf den Opel-Modellen stammten von Ingrid Gollong, womit ein wesentliches und prägendes Element des Autodesigns von ihr entworfen wurde.

In ihrer kalligrafischen Kunst hat sie sich da mehr Freiheiten gegönnt. Auf vielen Leinwänden wurden Textblöcke ineinander laufen gelassen. Die Wörter erscheinen nur noch als Fragment. Kleingeschriebene Texte laufen über riesige Schriftzeichen und in manchen Bildern hat sie alles wild durcheinander laufen lassen, wie beispielsweise in der Arbeit „Häuser unserer Seelen“, bei der vom Text nicht mehr viel übrig blieb.

In der Dahner Ausstellung präsentiert sich die Pirmasenserin als experimentierfreudige Künstlerin, die ausgehend von einem Text und frei gemalten Schriftzeichen ganz neue Bildinhalte anstrebt. „Carpe diem“ ist beispielsweise der Titel eines anderen Gemäldes, bei dem die Texte munter über das ganz Blatt verteilt wurden und den Eindruck eines fröhlichen Vogelgezwittschers an einem Frühlingstag erwecken. Dann überwiegt wieder der Wunsch nach der klaren Form. Gerade auf kleinen Arbeiten wie „Es ist wie es ist“ konzentriert sie sich auf wenige Worte, die in energiegeladenem Preußischblau auf einem kleinen Papier dominieren. Gleich daneben ist die freie Künstlerin wieder mit ihr durchgegangen und die Leinwand wurde über und über collagiert, mit dickem Pinsel die Schriftzeichen aufgetragen und stellenweise wieder akkurat mit Retouchierpinsel ein Textfragment in die Farblandschaft eingeschrieben. Von weitem ist nur das „Wer bist Du?“ von Nelson Mandela zu erkennen. Der weitere Inhalt erschließt sich nur aus der Nähe.

Ingrid Gollong hat Bildende Kunst in Mainz studiert und wollte zuerst Lehrerin werden. Nach einer Zeit als Lehrbeauftragte der Fachhochschule und Universität Mainz arbeitete Gollong seit 1991 als stellvertretende Chefdesignerin bei der Adam Opel AG. An die Kalligrafie kam sie über Wochenend-Workshops und Seminare. Heute lebt sie in Hochheim am Main.

In Dahn zeigt sie neben den zweidimensionalen Schriftbildern noch Skulpturen aus Gips und Pappmaché, die natürlich auch mit Text kombiniert wurden.

Ausstellung

Ingrid Gollong: „Schrift-Liches“, Gemälde, Kreisgalerie, Dahn, Schulstraße 14, bis 3. Februar, Öffnungszeiten: täglich 15 bis 18 Uhr. Infos: Telefon 06391/3222.

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