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Mittwoch, 30. März 2016 Drucken

Zweibrücken Land

„Das hat mit Respekt zu tun“

Leute aus der Nähe: Swen Aumüller aus Lambsborn arbeitet als Bestatter in seinem Traumberuf

Von Klaudia Gilcher

 

Der 22-jährige Swen Aumüller aus Lambsborn arbeitet als Bestatter. Das wollte er schon als Teenager. ( Foto: View)

Wenn Swen Aumüller neue Bekanntschaften schließt, hört er oft den Satz: „Das könnte ich nicht.“ Meist schließt sich bald Respekt für seine Tätigkeit an. Der 22 Jahre alte gebürtige Lambsborner ist Bestatter, der Umgang mit dem Tod sein täglich Brot.

Die weißen Hemden bügelt Swen Aumüller selbst, ebenso wie er seine schwarzen Schuhe eigenhändig poliert. Der schwarze Anzug sitzt tadellos, der Binder auch, eine zweite Garnitur hängt stets parat. Gepflegtes Auftreten gehöre zum Beruf dazu, betont der junge Mann mit der bedächtigen Art, dessen Traumberuf Bestatter heißt. „Das hat mit Respekt zu tun“, sagt er. Und: „Meine Eltern haben mir eine gute Kinderstube mitgegeben.“ Beides, die rücksichtsvolle Besinnung auf die Situation anderer und die sicheren Umgangsformen, helfen in den Gesprächen mit trauernden Angehörigen. In der Ausbildung hat Aumüller zwar einen Leitfaden für den Umgang mit Hinterbliebenen an die Hand bekommen, doch: „Jeder Verstorbene ist anders, jeder Hinterbliebene ist anders, jedes Gespräch ist anders.“

Zu besprechen gibt es viel im Trauerfall. Seebestattungen und solche im Ruheforst, Feuer- und Erdbestattungen werden gewünscht, Abholungen und Überführungen müssen organisiert werden. Wie soll die Bestattung ablaufen, welcher Blumenschmuck ist gewünscht, welcher Sarg, wie sollen die Traueranzeigen formuliert sein? Sein recht jugendliches Alter sei kein Hindernis für ein kompetentes Gespräch, sagt Aumüller. „Die Hinterbliebenen nehmen meine Vorschläge und meinen Rat gern an.“

Schon mit 13 habe er gewusst, was er beruflich wolle, erinnert sich der groß gewachsene Lambsborner. Was die Faszination für das Bestattungswesen genau ausgemacht hat, kann er auch acht Jahre später nicht sagen. „Im Innern gewusst“ habe er es. „Meine Familie und meine Freunde haben zuerst gemischt reagiert. Dass man im Beruf dauernd mit Toten zu tun hat, ist ja eher selten.“ Inzwischen werde seine Tätigkeit als ein Beruf wie jeder andere wahrgenommen. „Ich möchte sowieso nichts anderes mehr machen.“ Auch einen Sterbefall in der Familie würde Aumüller persönlich betreuen. So wie er auch „weiß, was ich will, wenn es soweit wäre“.

Dauernd präsent ist der Tod dennoch nicht im Leben des jungen Bestatters, der seit kurzem in Queidersbach lebt. „Wenn ich raus gehe am Feierabend, dann schalte ich ab. Das muss man können in dem Beruf.“ Aumüller arbeitet in dem Landstuhler Bestattungsunternehmen Marhöfer und Ulrich, in dem er über ein Praktikum vor der Ausbildung auch die endgültige Bestätigung dafür gefunden hat, dass seine Zukunft im Bestattungssektor liegt.

Drei Jahre hat die überbetriebliche Ausbildung mit Stationen in Bad Kissingen und Münnerstadt in Bayern gedauert. 2015 schloss Aumüller ab, mit Gesamtnote gut. Seither betreut er Bestattungen komplett. Bereitschaftswochen mit ständiger Handy-Erreichbarkeit und Sonn- und Feiertagsarbeit gehören zum Arbeitsalltag. Dazwischen: Freizeit in Jeans und T-Shirt, gerne Touren mit Freunden, in der Saison oft auf der Suzuki Bandit 1200. In der Clique ist Aumüllers Beruf längst kein Thema mehr. Bei Neubekanntschaften schon. Die Reaktionen ähneln sich dann. Die einen, erzählt Aumüller, würden erst ein bisschen zurückschrecken und sagen: „Das könnte ich nicht.“ Die anderen bekunden Respekt.

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