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Zweibrücken Land

Bechhofen: Zettel mit Hakenkreuz an türkisches Bistro geklebt

Von Andreas Danner

Dieser Zettel hing an der Tür des Bistros. (Repro: Danner)

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben bislang Unbekannte ein Din-A4-Blatt mit der Aufschrift „Letzte Warnung verpiss dich! Drecksau“ und einem Hakenkreuz an der Tür des Dorfbistros angebracht. Nachdem im Februar eine Serie von Hakenkreuz-Schmierereien an öffentlichen Gebäude für Aufsehen sorgte, richtet sich die neue Aktion erstmals gegen eine Person: den Bistrobetreiber.

Bistrowirt Mehmet Keskin kann sich nicht erklären, warum jemand so einen Zettel an die Tür hängt. „Ich halte das für einen Dummejungenstreich“, sagt er und misst dem Zettel keine große Bedeutung zu. „Natürlich ist das nicht schön. Aber ich habe deswegen keine Angst“, bemerkt er. „Wenn uns jemand hier nicht mehr haben will, dann soll er das offen sagen“, ergänzt Keskin. Er ist Türke mit kurdischen Wurzeln, lebt seit etwa zehn Jahren in Deutschland und betreibt das Bistro in Bechhofen seit mehr als drei Jahren, nachdem er zuvor eine Gaststätte in Waldmohr betrieben hatte, wie Bürgermeister Paul Sefrin weiß.

 

Für Sefrin wurden mit der Zettelaktion Grenzen überschritten. „Das ist keine Kinderschrift, so langsam ist das ernst zu nehmen“, sagt er. Dass nach den Hakenkreuz-Schmierereien jetzt Drohungen ausgesprochen und mit dem Nazi-Symbol versehen werden, bringt den Bürgermeister auf. „Bechhofen ist vielfältig, ist ein toleranter Ort. Das ist eine zu verurteilende Tat“, betont er.

Bistrowirt im Dorf integriert

 

„Mir fehlen die Worte“, sagt die Vorsitzende der Bechhofer CDU, Angelika Küttner. Am Samstag beim Weihnachtsmarkt hat sie einige Gespräche mit Bechhofern geführt. „Die Leute wissen von nichts“, erzählt sie sie. Der Bistrowirt sei im Dorf integriert, das Lokal sei gut angenommen, „ich verstehe es nicht, warum er jetzt angegriffen wird“, fügt sie an. „Die Bechhofer sind umgänglich und freundlich, ich verstehe es nicht“, sagt sie: „Die CDU verurteilt das.“

 

Achim Scherer, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bechhofen-Rosenkopf, spricht von einer neuen Qualität der Nazi-Schmierereien. „Das ist nicht zu akzeptieren“, sagt er und hofft, dass der Täter ermittelt werden kann. „Wir müssen hier Aufklärungsarbeit leisten, den Leuten vermitteln, dass sie die Augen offenhalten sollen. So jemand muss mal auf frischer Tat ertappt werden“, ergänzt er. Scherer regt an, dass sich der Gemeinderat mit dem Thema befasst.

 

Das Dorfzentrum wurde in der Vergangenheit immer wieder von Einbrechern und Vandalen heimgesucht. In der vergangenen Woche war zum fünften Mal das Türschloss zum Bistro mit Sekundenkleber unbrauchbar gemacht worden war. „Das sind jedes Mal 250 Euro, die die Gemeinde bezahlen muss“, sagt Sefrin. Während er die Türschlossaktion eher Jugendlichen zuordnen würde, vermutet er hinter der Zettelattacke einen Erwachsenen.

  Zeugen gesucht

 

Hinweise nimmt die Polizei Zweibrücken entgegen: Telefon 06332/9760, E-Mail an pizweibruecken@polizei.rlp.de

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