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Samstag, 19. August 2017 Drucken

Zweibrücken Land

Auf Blackout nicht vorbereitet

Interview: Rolf Behnke von der Hornbacher Kat-Gruppe warnt vor Stromausfall

Und plötzlich gehen (nicht nur) die Lichter aus! Ein paar Kerzen, wie sie hier Rolf Behnke in Händen hält, leisten im Notfall gute Dienste.

Und plötzlich gehen (nicht nur) die Lichter aus! Ein paar Kerzen, wie sie hier Rolf Behnke in Händen hält, leisten im Notfall gute Dienste. ( Foto: Steinmetz)

«HORNBACH.» Zum Thema Blackout (großflächiger Stromausfall) will die Kat-Gruppe Hornbach in ihrer Bürgerversammlung am kommenden Dienstag ab 19.30 Uhr in der Pirminiushalle informieren. Kat (von Katastrophe) ist ein Zusammenschluss ehrenamtlicher Helfer in Hornbach. Der Hintergrund: Durch technische und organisatorische Veränderungen im europäischen Stromversorgungssystem ist die Gefahr eines totalen Stromausfalls deutlich gestiegen, so die Kat-Gruppe. Allerdings sei sich kaum jemand dieser Gefahr bewusst. Auch Behörden nicht. Wie zerbrechlich diese Sicherheit, immer Strom zu haben, letztendlich ist, und welche Vorbereitungen man für die Gemeinde und sich selbst treffen kann, erklärt Rolf Behnke aus Hornbach, Initiator der Kat-Gruppe.

Herr Behnke, was genau versteht man unter einem Blackout?

Das ist ein nicht vorhersehbarer, sofortiger, flächendeckender Stromausfall.

 

Wie wahrscheinlich ist ein flächendeckender Stromausfall in Deutschland?

Die Wahrscheinlichkeit wird leider immer größer, weil wir eine dezentralisierte Energieversorgung haben, etwa 1000 Anbieter. Die Stromnetze sind anfälliger geworden, weil sie schwerer kontrollierbar und zusammenschaltbar sind. Die größte Gefahr geht von Hacker-Angriffen über das Internet aus, wo wir nicht wissen, wer wann und wo zuschlägt. Die Anfälligkeit für Sabotage ist extrem gestiegen. Auch natürliche Einflüsse wie Eislast auf Hochspannungsleitungen, Windstille in Kombination mit bedecktem Himmel können einen Blackout auslösen.

 

Welche unmittelbaren Folgen hätte ein Blackout für die Bevölkerung?

Bei einem mehrtägigen oder gar mehrwöchigen Stromausfall wäre das absolut katastrophal! Es wäre mit vielen Toten zu rechnen.

 

Stand uns ein Blackout schon einmal unmittelbar bevor?

Anfang des Jahres gab es eine Phase, da war es windstill und der Himmel bedeckt. Es gab also keinen Windstrom und keinen Solarstrom. In Frankreich waren zudem diverse Kraftwerke abgeschaltet. Mit letzter Mühe hatte man damals alle Energiereserven zusammengekratzt, um nicht einen Blackout zu provozieren.

 

Wird diese Gefahr unterschätzt?

Vom größten Teil der Bevölkerung ja. Man kann sich das einfach nicht vorstellen, denn der Strom kommt ja aus der Steckdose. Die Katastrophenschutzbehörden wissen darum.

 

Tun die Behörden in Sachen Vorsorge genug?

Das Ministerium für den Katastrophenschutz tut einiges. Es gibt Broschüren und Informationen, die allerdings bei den Menschen nicht ankommen, da diese Gefahren nicht ernst genommen werden.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt, Notvorräte anzulegen. Sind das erste Anzeichen für einen bevorstehenden Stromausfall?

Im Prinzip ja, aber es gibt auch andere Gefahren, beispielsweise in Hochwasser gefährdeten Gebieten. Tendenziell sollte man sich jedoch Vorräte anschaffen.

 

Sind die Bürger auf einen Blackout vorbereitet?

Ein klares Nein!

 

Wie wären die Bürger darauf vorzubereiten?

Indem sich in den Gemeinden von unten nach oben Gruppen bilden, die dieses Thema aufgreifen, Workshops durchführen, aufklären und die kostenlosen Broschüren des Bundes verteilen. Jede Gemeinde müsste eine Anlaufstelle für derartige Notfälle einrichten. |Interview: Joachim Steinmetz

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