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Donnerstag, 05. April 2018 Drucken

Zweibrücken Land

Alte Rassen vor dem Aussterben schützen

Biedershausen: Für sein Engagement in Sachen Artenschutz darf sich der Avalonorden „Nutztier-Arche“ nennen – Tag der offenen Tür am 24. Juni

Von Thomas Brunner

Ein Esel soll laut der Vorsitzenden Janine Lorenz auch eine Kutsche und einen Schneeschieber ziehen.

Ein Esel soll laut der Vorsitzenden Janine Lorenz auch eine Kutsche und einen Schneeschieber ziehen. ( Foto: Moschel)

Am 24. Juni will der Avalonorden des Roten Drachen auf seinem Gelände in der Winterbacher Straße in Biedershausen ein Fest veranstalten, eine Art Tag der offenen Tür. Es steht zu erwarten, dass dabei vier zottige Langohren im Mittelpunkt des Interesses stehen werden. Der Verein hat sich auf die Fahne geschrieben, zum Erhalt der gefährdeten Poitou-Esel-Rasse beizutragen, zwei Tiere aus der kleinen Herde stammen aus eigener Zucht. Für sein Engagement in Sachen Artenschutz darf sich der Avalonorden nun „Nutztier-Arche“ nennen.

„Vielfältige Initiative zum Erhalt gefährdeter Haustierrassen“, kurz Vieh, heißt die private Initiative, die das Ziel hat, alte Haus- und Nutztierrassen vor dem Aussterben zu schützen. Diese Initiative gibt es seit 2004, seitdem hat sie bundesweit 80 Nutztier-Archen begründet. Der Biedershauser Verein verspricht sich von seinem Zertifikat mehr Bekanntheit in der Region. „Und was das Marketing angeht, ist es auch hilfreich“, meint Janine Lorenz, die erste Vorsitzende.

Denn die vier Esel hat der Avalonorden nicht nur auf der Wiese hinterm Gebäude rumstehen, damit man sich an ihrem putzigen Äußeren erfreuen kann. „Wir wollen hier keine Teddybären finanzieren“, so die Vorsitzende. Der Verein gewöhnt gerade eines der Tiere an ein Kummet, in absehbarer Zeit soll es eine Kutsche ziehen. Wenn der Esel soweit ist, wird ein Vereinsmitglied den Kutschenführerschein machen. Angedacht ist außerdem das Ziehen eines Schneeschiebers. Zum Beweiden verschiedener Flächen in der Umgebung werden die Esel auch eingesetzt, und die Zucht mit den drei Stuten ist ohnehin ein eigener Bereich für sich.

Ein weiteres Stichwort im Zusammenhang mit den Poitous sei Tourismus. Soupline, Altesse, Dana und Fionn sind sich ihres Seltenheitswerts nicht bewusst, die Vereinsvorsitzende Lorenz verdeutlicht aber, wie sehr diese tolle Großeselrasse auf der Kippe steht. „In Deutschland gibt es 220 von ihnen, dazu kommt eine Dunkelziffer aus Mischlingen“, sagt sie. Die Zahl der nach dem westfranzösischen Gebiet Poitou benannten Esel liege bei 1200 bis 1300 weltweit. „In den 70er Jahren waren die runter auf ungefähr 50“, erklärt Janine Lorenz.

Herwig zum Berge aus Suderbruch (Lüneburger Heide) ist der Initiator von Vieh, laut Janine Lorenz werden die Lebensumstände der vier Avalon-Esel von ihm einmal im Jahr kontrolliert. Der Archen-Status sei natürlich an eine artgerechte Haltung geknüpft. Lorenz hofft, dass sich künftig Sponsoren und Paten leichter finden lassen, die Eselhaltung und Zucht bringe den Verein doch an die Grenze des finanziell Machbaren. Lorenz nennt eine Summe von 200 Euro im Monat, die im Winter fürs Futter fällig werden. Für die ab April laufende Decksaison brauche man einen Grundstock von 2000 Euro. Das „Nutztier-Arche“-Schild am Haus des Avalonordens ist für die Vorsitzende wegen seiner Außenwirkung wichtig. Es zeige deutlich, dass in Biedershausen keine Hobbyhaltung betrieben werde – „sondern echter Artenschutz.“

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