Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Zweibrücken Land

Als Barbarossa gegen den Saarbrücker Territorialstaat kämpfte

Rodalben: Morgen beginnt eine Ausstellung über die Ruine Steinenschloss bei der Verbandsgemeinde – Land engagiert sich mit Expertise und Funden

Von Hans Heinen

Der Bergfried der Burgruine Steinenschloss ist eine besondere Sehenswürdigkeit. Er gilt mit seinen 13,5 Metern Außendurchmesser als einer der größten in Rheinland-Pfalz.

Der Bergfried der Burgruine Steinenschloss ist eine besondere Sehenswürdigkeit. Er gilt mit seinen 13,5 Metern Außendurchmesser als einer der größten in Rheinland-Pfalz. ( Foto: Hans Heinen)

Die Burgruine Steinenschloss, auf einer Anhöhe der Biebermühle gelegen, weshalb sie im Volksmund auch „Biebermühler Schloss“ genannt wird, soll stärker ins Bewusstsein der Bürger rücken. Diesem Zweck dient die Ausstellung mit Informationen und Fundstücken, die am morgigen Samstag um 11 Uhr in der Verbandsgemeinde-Verwaltung Rodalben eröffnet wird.

„Viele geschichtlich Interessierte fahren zur Besichtigung solcher Anlagen durch die Pfalz und in die Nachbarländer, kennen aber die erhaltenen Bauwerke zuhause nicht“, sagte Verbandsbürgermeister Wolfgang Denzer. Er unterstützt das Anliegen, die Burgruine Steinenschloss in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Die Ausstellung verstehe er auch als Wertschätzung der Arbeit des Vereins, der sich um das alte Gemäuer kümmert. Denzer: Das „Biebermühler Schloss“ steht zwischen den Verbandsgemeinden Rodalben und Thaleischweiler-Wallhalben. Man würde heute von einem „interkommunalen Projekt“ sprechen, das ins 11. Jahrhundert zurückreicht.

Damals erlangte die Burg markante Bedeutung, wie aus den wenigen Schriften zum Steinenschloss hervorgeht. Der Standort beruhte auf seiner strategisch wichtigen Lage. Wie Ausgrabungen zeigen, stand hier am Zusammenfluss von Rodalb und Schwarzbach schon in römischer Zeit eine Befestigung. Sprudelnde Quellen in der Umgebung begünstigten den Bau. Von dieser Warte aus ließ sich Ausschau halten über die Täler am Fuße der 295 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Anhöhe, nämlich das Steinbachtal, das Schwarzbachtal und das Rodalbtal.

Zur Zeit der Franken um das Jahr 1100 grenzten hier drei Gaue aneinander, womit eine Art Verkehrsknotenpunkt entstand. Die Burg gehörte zum Speyergau, einem der zentralen Besitzungen der Salier (1024 bis 1125), der das Gebiet der heutigen Vorderpfalz umfasste. An der Grenze von Wormsgau, Bliesgau und Speyergau ließen wohl die Grafen von Saarbrücken die Burg zwischen 1050 und 1100 errichten. Rund 100 Jahre blieb die Burg stehen, ehe sie niederbrannte.

Es gibt Quellen, die davon ausgehen, dass das Steinenschloss zu den „vier Saarbrücker Burgen“ gehörte, die Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) im Jahr 1168 zerstören ließ, um einen Saarbrücker Territorialstaat zwischen Saar und Rhein zu verhindern. Die Saarbrücker Burgkette setzte sich zusammen aus der Burg Saarbrücken, der Burg bei St. Ingbert (Großer Stiefel), dem Steinenschloss und dem Schlössel bei Landeck. Nach der Jahrhundertwende wurde die Burg noch einmal zerstört, eventuell im Zuge des staufisch-welfischen Thronstreits.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1237 heißt es, die Burg sei nach der Zerstörung nicht wieder aufgebaut worden. Wie Keramikfunde zeigen, war die Burg bis dahin bewohnt, zum Beispiel von den Grafen von Blieskastel, die den Bergfried errichten ließen.

Bei der Vernissage wird Bettina Hünerfauth als Gastrednerin in einem Vortrag über die Geschichte der Burg informieren. Hünerfauth ist stellvertretende Leiterin der Landesarchäologie Speyer, die sich laut Emil Schumacher, Vorsitzender des Burgvereins, mit viel Einsatz in die Gestaltung der Ausstellung eingebracht habe. Dies sei umso anerkennenswerter, weil erste Versuche einer Zusammenarbeit in der Vergangenheit an mangelnder Unterstützung gescheitert seien. Jetzt bekundete Schumacher: „Über den engagierten Einstieg von Speyer kann ich mich nur freuen.“

Bei mehreren Besuchen in der Landesarchäologie seien die historischen Funde gesichtet und ausgewählt worden. „Es ist enorm, über wie viele Materialien die Landesarchäologie verfügt“, sagte Schumacher. Da seien Scherben und Tongefäße zu finden, Ofenkacheln und Krüge, Pfeilspitzen, Beschläge und Knochen. Weil die Vorbereitungen viel Zeit beansprucht hätten, habe die Ausstellung vom Herbst 2018 auf Anfang 2019 verschoben werden müssen.

Die Ausstellung zeigt vier Themen in vier Vitrinen. Es geht um Keramik und Alltagsgegenstände, Knochen (umgearbeitet als Werkzeuge) und Waffen. Hinzu kommen Fotos von Ausgrabungen und über den Burgverein.

Info

Die Ausstellung bleibt bis zum 24. Februar im Rathaus. Geöffnet ist sie während der Dienstzeit der Verwaltung: montags und dienstags 8.30-12 Uhr und 14-16 Uhr, mittwochs und freitags bis 12 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr.

Zweibrücken-Ticker