Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Brüder werden Priester: Alles nur Zufall in der heutigen Zeit?

Zwei Brüder im Priesterseminar: Matthias (links) und Markus Breuer.
Zwei Brüder im Priesterseminar: Matthias (links) und Markus Breuer.

Die Anzahl der katholischen Priester geht zurück. Dass mit Markus und Matthias Breuer zwei Brüder aus Speyer kurz vor der Priesterweihe stehen, ist eine doppelte Besonderheit.

„Seit ich mich erinnern kann, habe ich den Wunsch, Priester zu werden“, sagt Markus Breuer. Der 27-Jährige ist der Ältere im Geschwisterpaar, das sich im Speyerer Priester- und Pastoralseminar auf die Weihe im Dom vorbereitet. Im Fall von Markus Breuer findet sie am 20. Juni statt. Er ist damit ein Jahr vor seinem 25-jährigen Bruder Matthias an der Reihe, für den zunächst am 12. September 2026 die Vorstufe der Diakonenweihe ansteht. Die beiden Theologen aus Speyer befinden sich in unterschiedlichen Phasen des Pastoralkurses, der sie auf ihre Zeit als Seelsorger vor Ort vorbereitet. Markus ist in der Pfarrei Maria Schutz in Kaiserslautern eingesetzt, Matthias in Blieskastel-Lautzkirchen in der Saarpfalz.

Wie war es bei dem Jüngeren mit dem Wunsch für den besonderen Beruf, der mehr als andere auch Berufung sein sollte? Er sei später dran gewesen als sein Bruder, sagt er und lächelt. „Bei mir kam der Wunsch erst im Erstkommunionalter auf.“ Er gesteht, dass es ein „Kindergedanke“ gewesen sei, der sich immer weiter verfestigt habe. Von diesem Gefühl berichtet auch Markus Breuer: „Für mich hat sich das alles ganz natürlich angefühlt. Bei jeder meiner Stationen in all den Jahren wurde ich bestärkt.“ Bevor die beiden jungen Männer unterschiedlichen Pfarreien zugeteilt wurden, hatten sie die identischen Studienorte Bamberg, München, Eichstätt und Erfurt.

Gerne im Institut St. Dominikus

Auch in den Jahren davor weisen ihre Lebenswege viele Parallelen auf – was angesichts der Kindheit und Jugend in derselben Familie in der Natur der Sache liegt. Sie stammen aus einem religiösen Elternhaus aus dem Bereich von St. Hedwig in Speyer-West, sehen ihre geistliche Heimat aber eher im Institut St. Dominikus, wo sie beide Messdiener waren. Sie besuchten das Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium, wobei Matthias Breuer für die Oberstufenjahre an das Nikolaus-von-Weis-Gymnasium wechselte. In der Freizeit spielen sie ihre musischen Talente aus: Matthias mit viel Begeisterung an der Kirchenorgel („gut um den Kopf freizubekommen“), Markus als Fan theologischer Literatur, etwa von den Kirchenvätern. Beide sind auch sprachbegabt und verfeinern gerade das Polnische, das ihnen ihre Mutter in die Wiege gelegt hat.

Welche Rolle wollen sie spielen als katholische Priester in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft, in der Kirche im öffentlichen Leben auf dem Rückzug scheint? „Wer an Jesus glaubt, wird leben“, zitiert Markus Breuer den Bibelvers aus dem Johannesevangelium, der nach der Priesterweihe sein Primizspruch sein wird. „Für mich ist entscheidend, wie ich mit den Menschen in Kontakt bin“, betont er. Zum Beispiel mit den Gläubigen in seiner Kaiserslauterer Pfarrei fühle er sich „sehr verbunden“. Dort wird er auch seine Primiz feiern. Er versuche, allen mit Offenheit und Herzlichkeit zu begegnen, das schaffe auch Verständnis dafür, dass es vielfältige Zugänge zu Gott gibt. Auch aus seiner Schulzeit am „Schwerd“ erinnert er sich an „sehr tiefe, sehr bewegende Gespräche“ mit Gleichaltrigen zu dem Thema.

Matthias Breuer sagt, er möchte als Priester moderierend wirken. „Dass alle eins seien“, stehe in Latein am Speyerer Domportal („Ut unum sind“) – das passe dazu, dass ein Geweihter gerade in der heutigen Zeit mit viel gesellschaftlichem Spaltungspotenzial ein objektiver Ansprechpartner für alle Seiten sein könne. Außerdem wolle er in sozialen Angelegenheiten helfen.

Wertvolle Erfahrungen

Markus Breuer ist schon Diakon, sein Bruder wird diese Weihestufe im September erreichen. Beide betonen, wie gerne sie die damit verbundenen Aufgaben wahrnehmen. Zur Vorbereitungszeit gehört etwa, Religionsunterricht in der Schule zu geben, in Kitas oder in Behindertenwerkstätten als Seelsorger tätig zu sein. Die dabei gemachten Erfahrungen seien sehr wertvoll, betont Markus Breuer, der sich etwa an seine Studienzeit in der Großstadt München erinnert und die dort im Vergleich zu ländlichen Regionen oft nochmals anderen Anforderungen an die Kirche. Auch vor diesem Hintergrund werden beide Breuers Bischof Karl-Heinz Wiesemann Gehorsam schwören, wenn sie geweiht werden. Das gelte auch in Bezug auf die Stationen im Anschluss, an die sie der Speyerer Oberhirte zunächst als Kaplane einmal aussenden wird.

Vor Wandrelief mit Darstellung des Heiligen German: Markus (links) und Matthias Breuer.
Vor Wandrelief mit Darstellung des Heiligen German: Markus (links) und Matthias Breuer.
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