Speyer „Zum ersten Mal Jesus gemalt“
«DUDENHOFEN.»Einige Staffeleien bleiben leer. Vier der sieben Kunstsommer-Teilnehmer arbeiten weiter in der Festhalle, wo sie schon die beiden Tage zuvor ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Das Quartett in der katholischen Kirche genießt dafür die besondere Arbeitsatmosphäre. Manuel Alayo Riera saugt die Atmosphäre der Kirche förmlich in sich ein. Immer wieder verlässt er sein Bild, zieht sich zurück, lässt den Raum auf sich wirken. „Es ist eine spezielle Erfahrung, hier zu malen“, flüstert er. Der amerikanisch-spanische Künstler bearbeitet seine quadratische Leinwand mit farbigem Sand und Spachtel. Der Hintergrund ist rot. „Die Farbe der Leidenschaft“, sagt Alayo Riera. Die Leidenschaft ist zwar die Grundlage, wird aber bedeckt: Ein Kreuz teilt das Bild in vier Bereiche, in die er wiederum schwarze Kreuze setzt. Elisabeth Dali Paris hat direkt am Altar Position bezogen, den Blick auf Jesus und die feinen Holzarbeiten gerichtet, die das Kruzifix umgeben. Mit Ölkreide und schnellen Strichen will sie die Wirkung des Altarbildes aufs Papier bringen. „Ich glaube, ich habe zum ersten Mal Jesus gemalt“, überlegt die Schweizerin. „Es ist interessant, sich mit alten Dingen zu beschäftigen.“ Kirchen besucht sie gewöhnlich zum Anschauen, aber nicht, um dort zu malen. Der Kunstsommer in Dudenhofen bietet für Elisabeth Dali Paris viele Gelegenheiten, Bekanntes auf andere Weise zu entdecken – was sie sehr bereichere, wie sie sagt. Kultursommer-Organisator Martin Eckrich aus Schifferstadt stellt eine treibende Kraft in die Mitte seines Bildes und zeigt, wie Menschen von ihr berührt werden. Die Farben leuchten wie die bunten Glasfenster, die den Schifferstadter inspirierten. „Hier in der Kirche male ich anders“, sagt er und empfindet den Raum und die Arbeit als Ausgleich zu den vorherigen „wilden“ Tagen in der Festhalle. In St. Gangolf kann er in sich gehen. Während Eckrich über seine Arbeit spricht, bewegt Youlin Miao einen langen, dicken Pinsel über das Papier. Der Chinese nutzt Kalligrafie-Pinsel und -Farben, um ein Gotteshaus zu zeichnen. In seiner Heimat setzt ihm das Regime Grenzen, was er malen darf. In Dudenhofen ist er ganz frei, bringt seine Eindrücke und Gefühle aufs Papier. Der gläubige Katholik aus Fernost hat verschiedene Kirchen rund um Dudenhofen besucht. Sie haben es ihm angetan und ihn inspiriert. Für Dudenhofen hat er zum Dank ein besonderes Geschenk: ein Bild, das er der Kirche überlassen will. Besucher sind beim Kunstsommer ausdrücklich willkommen, um den Künstlern zuzuschauen und mit ihnen zu sprechen. Erst kommen Einzelne, eine halbe Stunde vor dem offiziellen Ende ein ganzer Schwung. Die meisten nähern sich nur vorsichtig. So schauen auch Robert Schneider und Hans Sona aus Römerberg zunächst im Stehen zu und betrachten dann von der ersten Sitzreihe aus das Geschehen. Beide sind selbst kreativ tätig, Schneider hat das Altartuch für St. Gangolf mitgestaltet. Jetzt will er sehen, wie sich andere vom Thema Kirche inspirieren lassen. „Wir sind sehr angetan, was hier entsteht“, sind sich die Römerberger einig. Auch wenn die Besucher in der Kirche nicht ganz nah herankommen – in der Festhalle hätten sich bereits interessante Gespräche entwickelt, berichtet Elisabeth Dali Paris. Termine Heute, Donnerstag, laden Martin Eckrich und Saxofonist Lömsch Lehmann von 14 bis 17 Uhr zu einer Musik-Mal-Performance in die Festhalle ein. Am morgigen Freitag ist die Festhalle für Besucher von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Von 14 bis 16 Uhr gestalten die Künstler ein Gemeinschaftsbild. Um 19.30 Uhr findet die Finissage statt. Dabei werden die entstandenen Arbeiten präsentiert. Auch am Samstag sind die Bilder noch einmal von 10 bis 12 Uhr in der Festhalle zu sehen.