Lingenfeld
Wohnen statt Gewerbe: Was auf türkischen Supermarkt folgt
Hintergrund der Schließung, zu der sich der langjährige Geschäftsinhaber Turhan Akyildiz aktuell nicht äußern möchte, ist offenbar, dass die Eigentümer des Grundstücks andere Vorstellungen für die künftige Nutzung des Geländes haben. In der jüngsten Sitzung des Lingenfelder Ortsgemeinderats stand eine Teiländerung des Bebauungsplans „Heidenäcker“ auf der Tagesordnung. Der Bebauungsplan weist im Carré zwischen Lehrer-Ackermann-Straße, In den Bellen, Am Hirschgraben und Germersheimer Straße, in dem der ehemalige Akyildiz-Markt liegt, ein Mischgebiet aus. Wie aus der Beschlussvorlage der Verwaltung hervorgeht, wollten „die Eigentümer des Grundstücks den bestehenden Einkaufsmarkt mit einer reinen Wohnbaunutzung bebauen“. In einem Mischgebiet müsse es aber eine Durchmischung von Wohnen und Gewerbe geben, die so nicht mehr vorhanden sei. Die VR-Bank als einzig verbliebenes Gewerbe reicht nicht aus, um die nötige Quote zu erfüllen.
„Wenn wir darauf beharren, dass es ein Mischgebiet bleibt, wird sich wahrscheinlich dort nichts verändern und wir hätten – ähnlich wie beim ehemaligen Penny-Markt – eine Ruine im Ort“, warb Ortsbürgermeister Markus Kropfreiter (SPD) dafür, einer Änderung des Bebauungsplans zuzustimmen. Er habe mit der Verwaltung besprochen, dass das Quartier in ein allgemeines Wohngebiet umgewandelt werden könnte. Die Eigentümerin des Grundstücks, auf dem bisher der Akyildiz-Markt ansässig war, würde die Kosten für die Änderung des Bebauungsplans übernehmen. Der interessierte Investor sei ihm persönlich bekannt und seriös, sagte Kropfreiter.
Seniorengerechte Wohnungen
Zweiter Grund für eine Änderung des Bebauungsplans: Auf einem Grundstück in der Straße In den Bellen ist ein Wohnbauprojekt für altersgerechtes Wohnen vorgesehen. Der Ortsgemeinderat hat im vergangenen Jahr bereits einen Grundsatzbeschluss dazu gefasst. Die dort vorhandene Bebauung ist schon im Jahr 2023 abgerissen worden. Der Investor plant seniorengerechte Wohnungen in einem dreigeschossigen Gebäude mit einer Höhe von gut zehn Metern und einem Flachdach. Das entspricht nicht den Vorgaben des aktuellen Bebauungsplans. Laut Kropfreiter soll deshalb der Bebauungsplan dahingehend geändert werden, dass künftig auch Flachdächer erlaubt sind.
Und noch eine dritte Änderung im Bebauungsplan stand zur Abstimmung: Die Baugrenze verläuft aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen derzeit mitten durch Gebäude. Für diese gilt zwar Bestandsschutz, aber laut Verwaltung liegt eine Anfrage vor, eines der Gebäude als Friseursalon umzunutzen. Der Bestandsschutz würde damit entfallen und ein Rückbau wäre nötig. Der Rat sollte deshalb darüber entscheiden, die Baugrenze zu verschieben und an die tatsächliche Bebauung anzupassen.
Der Rat entschied einstimmig, die Planungen für eine Teiländerung des Bebauungsplans „Heidenäcker“ aufzunehmen und die Verwaltung zu beauftragen, diese zu konkretisieren. Es wird mit Kosten zwischen 7000 und 10.000 Euro gerechnet, die aber von den Bauherren übernommen werden sollen. Einen Einkaufsmarkt wird es also in diesem Teil Lingenfelds künftig nicht mehr geben. Aber vielleicht anderswo im Ort: Bürgermeister Kropfreiter deutete an, dass der Akyildiz-Markt an anderer Stelle wiedereröffnen könnte. Auch dazu hüllt sich der Marktbetreiber auf RHEINPFALZ-Anfrage derzeit allerdings noch in Schweigen.