Lingenfeld / Schwegenheim
Wo sich ein Wärmenetz lohnt
Die Gebiete, die sich in Lingenfeld für Wärmenetze technisch grundsätzlich eignen würden, konzentrieren sich rund um das Rathaus, entlang der Germersheimer Straße und rund um die Goldberghalle. Insgesamt zirka 20 Prozent des Wärmebedarfs in der Gemeinde entstehen in ihnen. Doch selbst dort wären solche Netze kein Selbstläufer. „Es sind von der Größe keine Gebiete, die ein klassisches Ausbaugebiet für Wärmenetzbetreiber wären“, sagte Projektleiter Thomas Wagner vom Büro Muth Engineering in der jüngsten Sitzung des Lingenfelder Gemeinderats. Umgesetzt werden müssten solche Wärmenetze deshalb voraussichtlich durch eine Bürgerenergiegenossenschaft beziehungsweise mit Unterstützung der Kommune.
Woher kommt die Energie?
Im Kerngebiet, das die Experten als geeignet identifiziert haben, stehen 203 Gebäude, die im Schnitt knapp 70 Jahre alt sind und die zusammen einen (Heiz-)Energiebedarf von 6 Gigawattstunden jährlich haben. Hier wären die Kosten für die Bewohner vergleichbar mit einer normalen Heizung, wenn sich 40 Prozent an das Wärmenetz anschließen würden. In den etwas weniger gut geeigneten Gebieten stehen 290 Gebäude, die zirka 60 Jahre alt sind, und einen Energiebedarf von rund 7,2 Gigawattstunden haben. Hier müssten sich 60 Prozent der Bewohner anschließen, damit sich das Wärmenetz für sie rechnet.
Größere Ankerkunden, beispielsweise Gewerbebetriebe, liegen nicht in den potenziellen Ausbaugebieten, was es zusätzlich erschwere, auf die nötigen Anschlussquoten zu kommen. In beiden Gebieten wäre aufgrund des Alters der Gebäude eine hohe Vorlauftemperatur von 70 bis 90 Grad nötig. Durch Sanierungen könnte der Wärmebedarf in den Gebieten künftig sinken.
Als Energiequelle für ein Wärmenetz wäre in Lingenfeld beispielsweise Solarthermie durch Solarmodule auf Freiflächen denkbar, was aber verschiedene Probleme mit sich bringt, zum Beispiel den Wegfall wertvoller Ackerflächen. Grundsätzlich gut würden große Wärmepumpen funktionieren, die beispielsweise Erdwärme, aber auch Flusswasser nutzten, sagte Wagner. Das sei in Lingenfeld grundsätzlich möglich. Flusswasser-Wärmepumpen seien allerdings genehmigungsrechtlich aufwendig und es müssten lange Leitungen gebaut werden.
Erster Schritt für die Schaffung eines Wärmenetzes wäre die Abfrage, ob das Interesse der Lingenfelder in den betreffenden Gebieten überhaupt groß genug ist. Als nächstes würde eine Machbarkeitsstudie folgen, dann die Fachplanung, die Ausschreibung und schließlich die Umsetzung. Wagner rechnet mit mindestens fünf, eher zehn Jahren, bis ein Wärmenetz geschaffen sei.
Im größten Teil Lingenfelds wären laut Wagner Wärmenetze nicht geeignet für den Umstieg auf klimafreundliches Heizen. „Es zeichnet sich ab, dass vor allem dezentrale Lösungen dominieren werden“, sagte er. Darunter versteht er Wärmepumpen, Gasheizungen mit grünen Brennstoffen oder Heizungen, die mit Biomasse wie Holzpellets betrieben werden.
Wärmepumpen seien dabei vor allem für neuere oder bereits sanierte Gebäude geeignet. Für den älteren Baubestand böten sich eher andere Lösungen an. In möglicherweise noch entstehenden Neubaugebieten seien außerdem kalte Nahwärmenetze eine Möglichkeit. Um zu erkennen, welche Maßnahmen sinnvoll sind, ist laut dem Experten in Bezug auf die kommunalen Gebäude ein Energiemanagementsystem sinnvoll. Bürger sollte die Gemeinde über Möglichkeiten informieren und sie unterstützen.
Größeres Wärmenetz-Gebiet
Auch für Schwegenheim hat das Ingenieurbüro Muth eine Planung entwickelt und kürzlich vorgestellt. Die grundsätzlichen Befunde sind ähnlich. Im Vergleich zu Lingenfeld ist der Bereich, der sich für Wärmenetze eignet, in Schwegenheim aber deutlich größer. In ihm enstehen 55 Prozent des Wärmebedarfs in der Ortsgemeinde. Das Gebiet, in dem sich ein Netz bei 40 Prozent Anschlussquote für die Kunden rechnen würde, zieht sich vor allem entlang der Hauptstraße und des südlichen Teils der Bahnhofstraße. Es umfasst hier 221 Gebäude.
In dem anderen Gebiet mit einer erforderlichen Quote von 60 Prozent – es liegt vor allem im Norden und Westen des Dorfs – stehen 265 Gebäude. Als Energiequellen für Wärmenetze wären hier laut den Experten ebenfalls Solarthermie auf Ackerflächen sowie Geothermie-, Grundwasser- oder Abwasserwärmepumpen geeignet.
Ende April soll der kommunale Wärmeplan im Verbandsgemeinderat beschlossen werden. Dann müssen die Gemeinden entscheiden, was sie davon vorantreiben und umsetzen wollen.