Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wie verändert KI den Fremdsprachenunterricht, Frau Schönbach?

Kann eine wichtige Rolle einnehmen: KI im Unterricht.
Kann eine wichtige Rolle einnehmen: KI im Unterricht.

Anna Schönbach vom Pädagogischen Landesinstitut in Speyer hat mit Timo Konrad über die Möglichkeiten und Grenzen der KI beim Fremdsprachenlernen gesprochen.

Frau Schönbach, haben Vokabelheft, Karteikarten und Co ausgedient oder sind sie immer noch wichtig?
Alle Medien, auch die analogen, haben einen berechtigten Platz in der Methodik des Fremdsprachenunterrichts. Allerdings geht es bei der künstlichen Intelligenz um mehr als nur ein Medium. Es ist eine Stütze und auch eine Quelle von Chancen und Herausforderungen, die die Wege der Kommunikation beeinflusst. Darum geht es im Fremdsprachenunterricht.

Wie verändert sich das Lernen von Fremdsprachen durch Künstliche Intelligenz?
Ein souveräner Umgang mit der künstlichen Intelligenz öffnet viele Möglichkeiten für das autonome und mediengestützte Lernen der Fremdsprachen. Solange das Prinzip der Offenheit für neue Möglichkeiten und die Prämisse der Autonomie für Nutzerinnen und Nutzer eingehalten wird.

Wie gut übersetzt KI? Ist das noch mit Tools von vor zehn Jahren vergleichbar?
Eines der Tools von vor zehn Jahren hat tatsächlich seit zehn Jahren sehr gut übersetzt. Jetzt sind viele „Large Language Models“ (LLM) verfügbar, die unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Das Übersetzen allein ist allerdings nicht der alleinige Zweck des Fremdsprachenunterrichts. In der Kommunikation hat die menschliche Intelligenz weiterhin ihre Stärken und kann schnell und gut durch KI unterstützt, dennoch nicht ersetzt werden.

Welche Tools gibt es?
Für den Fremdsprachenunterricht sind LLMs und Bildgeneratoren wichtig. Das Land Rheinland-Pfalz hat ein sich ständig weiterentwickelndes Paket von DSGVO-konformen (Datenschutzgrundverordnung) Tools in einer DSGVO-konformen Version über eine Schnittstelle bereitgestellt. Es ist nicht nur ChatGPT, sondern es sind auch andere Modelle wie Mistral verfügbar. Für die Lehrkräfte ist es wichtig, bei der Vielfalt und Vielzahl von Tools einen Überblick zu behalten, deshalb vermitteln wir in unseren Veranstaltungen vor allem Prinzipien und Strategien, eigene Workflows zu entwerfen und weiterzuentwickeln.

Wie intensiv wird das heute schon im Unterricht eingesetzt?
Die Erfahrungen unserer zahlreichen Netzwerke zeigen, dass der Einsatz von KI sehr verbreitet ist. Die Bereiche aus der Sicht der Lehrkräfte sind Unterrichtsvorbereitung, Durchführung und Nachbereitung.

Anna Schönbach
Anna Schönbach

Kann die KI dank Sprachmodellen auch ein „Gesprächspartner“ in einer anderen Sprache sein?
Ich würde vielmehr von „Kommunikationsassistenz“ sprechen. Das bedeutet, dass ein Sprachmodell die Rolle eines Gesprächspartners in einer durch geschicktes Prompting (Anweisungen an die KI, Anm. d. Red.) gesteuerten Situation einnehmen kann. Einen Menschen und die Notwendigkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation wird KI nicht ersetzen können.

Wo liegen die Grenzen?
Die Grenzen liegen in verschiedenen Dimensionen: in der rechtlichen, inhaltlichen und emotionalen. Rechtlich ist es uns wichtig, Lehrkräfte vor allem so zu orientieren, dass sie souverän ein Tool auswählen können, um Schülerinnen und Schülern eine passgenaue Hilfe zu bieten. Inhaltlich sollte man auf die Trainingsdaten schauen. Expertinnen und Experten merken schon seit über einem Jahr an, dass die authentischen Texte als Trainingsdaten weitreichend aufgebraucht sind, so dass die Sprachmodelle mit KI-generierten Texten trainiert werden.

Das könnte dazu führen, dass die KI-Ergebnisse nicht immer zuverlässig und realitätsnah sind. Das zu beurteilen, ist eine wichtige Fähigkeit, die durch einen guten Fremdsprachenunterricht gestützt wird. Die meisten Inhalte, mit denen KI-Modelle gefüttert wurden, sind in Sprachen wie Englisch oder Französisch, den beiden ersten Fremdsprachen in Rheinland-Pfalz verfasst. Das begründet die Verantwortung der Lehrkräfte, diese Problematik im Fremdsprachenunterricht immer alters- und niveaugemäß zu beleuchten. Bei Emotionen ist es so, dass eine Maschine diese nur auf Grund ihrer Trainingsdaten und -Algorithmen simulieren kann. Dies zu verstehen und in Fremdsprachen authentisch auf der zwischenmenschlichen Ebene zu kommunizieren wird eine Herausforderung bleiben. Alle diese drei Dimensionen werden in unseren Veranstaltungen am Pädagogischen Landesinstitut beleuchtet.

Wie wird sich der Einsatz von KI im Fremdsprachenunterricht in Zukunft entwickeln?
Ich bin zuversichtlich, dass KI als Tool und auch als Kommunikationsassistenz einen wichtigen Platz im Fremdsprachenunterricht einnehmen wird. Das wird Überschneidungen mit der informatischen Bildung und vor allem mit dem kritischen Denken geben. KI ist auch eine Chance, unsere Unterrichtsentwicklung in eine vielversprechende Richtung zu steuern und als mündige Nutzerinnen und Nutzer in der Rolle als Lehrkraft unseren Schülerinnen und Schülern wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten auf den Weg mitzugeben. Wir freuen uns auf den Austausch mit Lehrkräften in unseren Netzwerken in Online- und Präsenzformaten.

Zur Person

Anna Schönbach arbeitet im Referat Fremdsprachen am Pädagogischen Landesinstitut (PL) Rheinland-Pfalz mit Sitz in der Butenschönstraße. Das PL berät bei der Unterrichtsentwicklung.

Information

Von Montag, 2. Juni, bis Sonntag, 8. Juni, findet die Woche der Medienkompetenz statt. Sie steht unter dem Motto „Keine Likes für Lügen“ und will laut Ankündigung landesweit Antworten geben, wie Desinformation im Netz entlarvt werden kann. In Speyer stehen Aktionen etwa in der Stadtbibliothek oder dem Media-Tor an. Alle Informationen unter www.wmk-rlp.de

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