Speyer Wie trainiert man die Trainer?

Otterstadt. Sportmannschaften haben ihn, große Firmen und Privatpersonen in schwierigen Lebensphasen manchmal auch: einen Mentor, auf Neudeutsch Coach genannt. Wieso also nicht auch ein Verein? Die TuRa Otterstadt probiert’s gerade aus. Erste Erfolge gibt es bereits. Und vor allem: Die Motivation ist neu entflammt.

Seit September 2015 ist die TuRa dabei. 116 Bewerbungen waren eingegangen bei der Initiative „Sportverein 2020“, die von der BASF ins Leben gerufen wurde und vom Ludwigshafener Chemiekonzern, der Dietmar-Hopp-Stiftung, SAP, Südzucker und Sportverbänden unterstützt wird. Ein Anschreiben mit Vereinsvorstellung und 78 Antworten auf Fragen brauchte es, um in die Auswahl zu kommen. 28 Vereine haben letztendlich den Zuschlag bekommen. Der TuRa-Vorsitzende Rolf Zentgraf ist dankbar, dass die Otterstadter dabei sind. „Wir müssen mit der Ist-Situation arbeiten“, stellt er heraus. Und das soll so gut wie möglich funktionieren, um die TuRa zukunftsfest zu machen. Viele Plus-Punkte konnte der Verein bei der Aufstellung eines Stärke-Schwächen-Profils durch die Verantwortlichen der Initiative sammeln: eigene Anlage, vernünftige Finanzen und einiges mehr. Minus-Punkte gab’s auch, vor allem beim Thema Überalterung. „Wir haben schlichtweg zu wenige Leute, die etwas tun und die werden älter“, bringt es Zentgraf auf den Punkt. Ehrenamtliche im Alter zwischen 20 und 50 Jahren fehlten. „Keiner möchte sich neben Familie und Beruf langfristig in die Pflicht nehmen lassen“, weiß Zentgraf. Das nicht einfach so hinzunehmen und zu beklagen, sondern andere Strukturen für ehrenamtliche Einsätze zu finden, ist durch das Vereinscoaching angetrieben worden. „Beispielsweise haben wir uns überlegt, Tätigkeiten projektbezogen anzubieten, sodass das Engagement zeitlich begrenzt ist“, nennt Zentgraf ein Ergebnis der kreativen Kopfarbeit. Die war nicht immer so leicht zu stemmen, wie sich herausstellte. „Wenn die Aufgabe lautet: ,Wie will die TuRa von außen gesehen werden?’, muss man sich erst mal zurücklehnen und überlegen“, denkt Zentgraf an eine Maßgabe im Coaching-Prozess zurück. Ein Marketingkonzept sollte angestoßen werden. „Das gibt es überall – warum also nicht in Vereinen?“, sagt der Vorsitzende. Wesentlicher Punkt des Coachings ist nicht zuletzt der Umgang mit der demografischen Entwicklung. „Das mündet in ein verändertes Sportangebot“, sagt Zentgraf. Etliche Grafiken seien im Laufe der Monate bereits entworfen worden. Ein konkretes Ergebnis des Vereinscoachings ist der Ältestenrat, der installiert werden soll. „Die erfahrenen TuRaner sollen Beratungskompetenz erhalten, nachdem sie nicht mehr im Hauptgeschäft aktiv sind“, erklärt Zentgraf. Wichtig ist ihm die Einbindung der verdienten Mitglieder. Auch die neue Abteilung Showtanz ist dem Coaching entsprungen. Nachwuchs soll die bringen. Dass schon Gespräche bezüglich Unterstützung der Leiterin laufen, lässt Zentgraf hoffen. Nicht der Renner geworden sind bislang die Vorstandssprechstunden, die er seit Beginn des Coachingprozesses im TuRa-Heim an den Donnerstagen eingeführt hat. „Nur dreimal wurde ich aufgesucht“, erklärt er. Dennoch will er das Angebot beibehalten; steter Tropfen höhlt den Stein. Auf das positive Ende hofft er auch in Bezug auf die Einrichtung eines Sportparks Otterstadt, das die TuRa als Idee mit auf den Weg gebracht hat, um das gesunde und sportliche Miteinander von Jung und Alt zu fördern. Was den Erfolg des Vereinscoachings angeht, profitiert Zentgraf von seinem generellen Optimismus: „Bei mir ist das Glas immer halb voll, nie halb leer.“ Bis November wird noch gecoacht, dann erfolgt eine Ergebnispräsentation in Heidelberg. Eines kann Zentgraf jetzt schon sagen: „Das Wesentliche ist erreicht worden. Wir wurden zum Nachdenken animiert und wissen auf jeden Fall: Wenn wir nichts tun, geraten wir in einen Abwärtsstrudel.“ (xsm) Die Rubrik Unter dem Titel „Dienstagsfrage“ beantworten wir einmal die Woche Fragen, die im Alltag im Speyerer Umland auftauchen.

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