Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Siegfried der Drachentöter ins Strandbad kommt

Die Sandsteinstatue von Siegfried dem Drachentöter im Strandbad, erschaffen von Bildhauer Georg Schubert-Blümling.
Die Sandsteinstatue von Siegfried dem Drachentöter im Strandbad, erschaffen von Bildhauer Georg Schubert-Blümling.

Südlich von Frankenthal führte einst ein alter Weg durch Wiesen und Wälder, der später zur Grundlage für spannende Geschichten wurde.

Schon seit urdenklichen Zeiten führte südlich der Stadt von der alten Römerstraße der „Alte Kiesweg“ – die heutige Frankenstraße – über das Hochgestade nach Osten in die Wiesen, Weiden und Wäldchen der Rheinauen. Nach dem Durchqueren der Gewannen „Hinterm Kloster“ und „Neugärten“ und Überqueren des Feldgrabens und des Stachelgrabens – heute Trasse der B9 –, ging der alte Kiesweg in den „Weg im kleinen Wald“ über und führte über die „alte Bach“ (heute wieder Lauf der Isenach) und den Oggersheimer Altrheingraben zu den Nachbargemeinden Edigheim, Oppau, Oggersheim und Friesenheim.

Zwischen dem Stachelgraben und dem Weg im kleinen Wald hatte Ende des 19. Jahrhunderts der Wormser Bauunternehmer Paul Schmidt, der in Frankenthal aufgrund der rasanten Stadtentwicklung beim Bau von Straßen und der städtischen Kanalisation gut im Geschäft war, eine Kies- und Sandgrube sowie eine Backsteinbrennerei betrieben. Auf Vorschlag des Heimatforschers und Mitbegründers des Frankenthaler Altertumsvereins Friedrich Johann Hildenbrand nannte Paul Schmidt seinen Betrieb „Ziegelei Siegfriedbrunn“. In den Stadtplänen der folgenden Jahre erhielt der Abschnitt des West-Ost-Weges vom Meergartenweg bis zum Weg im kleinen Wald nun die Bezeichnung „Am Siegfriedsbrunnen“.

Quelle im Kleinen Wald

Wie war Hildenbrand auf diesen Namen gekommen? Er hat dem Ziegeleibesitzer erzählt, dass es „Im Kleinen Wald“, unter Schatten spendenden Bäumen, eine Quelle, genannt „Siegfriedsbrunnen“, gäbe. In der Rheinniederung gab es tatsächlich an Stellen, an denen oberflächennahes Grundwasser über undurchlässigen Sperrschichten (Lehm und Ton) an die Oberfläche austrat, solche Quellen oder „Brunnen“. Bei Studernheim war zum Beispiel östlich des Mühlberges ein „Sauerbrunnen“ zu finden und am Rand der Mörschwörth kommt der Irrwassergraben aus einem „Errwasser“, also „Erdwasser“.

Warum aber „Siegfried(s)-Brunnen“? Im Nibelungenlied, dem Heldenepos über Siegfried den Drachentöter, heißt es, dass bei der Quelle, an der der eigentlich unverwundbare Held beim Durstlöschen von Hagen von Tronje ermordet wurde, „ein Dorf lit, Otenheim, da vliezet noch der Brunne“. Etliche alte Siedlungen – mit Jagdrevieren über dem Rhein – in der Umgebung von Worms, der Hauptstadt des Burgunderreichs, wetteifern bis heute um den Ruhm, diese sagenhafte Quelle zu besitzen.

Name ist geblieben

Im Ludwigshafener Stadtteil Edigheim, im Lorscher Codex als „Otdincheim“ erwähnt und damals noch rechtsrheinisch im (Wormser) „lobodengowe“ gelegen, wurden zwei Quellen als mögliche „Siegfriedsbrunnen“ ausgemacht: einmal unmittelbar am Rhein in der Mörscher Gewanne „Hansenbusch“ (bei der Theodor-Heuss-Brücke) und dann in der Frankenthaler Gewanne „Im kleinen Wald“.

Da der Rhein jedoch in spätrömischer Zeit in mehreren Rinnen (im Stachelgraben/Weihergewann, im Almen- oder Scheidgraben und im Altrheingraben) zwischen Frankenthal/Mörsch und Edigheim/Oppau floss, war eine Quelle „Im kleinen Wald“ eigentlich auszuschließen. Die Quelle gibt es heute auch nicht mehr, der Name Siegfriedsbrunnen aber ist geblieben.

Höchster Punkt: Monte Scherbelino

Als das erste Frankenthaler Schwimmbad, 1891 am Standort der ehemaligen „Postmühlen“ oberhalb der „Postbrücke“ (Mahlastraße/Isenach) errichtet, nicht mehr den gestiegenen hygienischen und hydrologischen Anforderungen genügte, wurden von 1929 bis 1933 im Rahmen von Notstandsarbeiten die Paul Schmidt’schen Weiher zum neuen „Städtischen Strandbad am Siegfriedsbrunnen“ umgestaltet. Die große Freizeit- und Sportanlage bestand aus dem Badeweiher, dem Schwanenweiher, einem Fischweiher sowie den Spiel- und Liegewiesen. Über die Einschnürung zwischen dem Bad- und dem Schwanenweiher war eine weiße Holzbrücke geschlagen.

Der Fischweiher und der außerhalb der Anlage verbliebene letzte Paul-Schmidt-Weiher wurden nach dem Krieg mit Trümmerschutt verfüllt und als Hausmüll- und Bauschutt-Deponie genutzt.

Der so entstandene Monte Scherbelino erreicht mit seinen 117 Metern über Normalnull zwar nicht die 125 Meter des Maudacher Müllberges „Michaelsberg“, ist aber der höchste Punkt der Stadt Frankenthal. Dem Namen des „Strandbades am Siegfriedsbrunnen“ wurde noch ein Denkmal gesetzt durch die Aufstellung eines Sandstein-Standbildes des Drachen tötenden Siegfrieds, geschaffen von dem Frankenthaler Bildhauer Georg Schubert. Dieser hatte die Skulptur zunächst als Kriegerdenkmal für Kleinniedesheim konzipiert, dann aber für Frankenthal als Siegfried umgearbeitet.

„Kauernde“ fristet Schattendasein

Eine weitere Skulptur eines bekannten Bildhauers, die „Kauernde“ von Professor Bernhard Bleeker (Schöpfer der Johannes-Klein-Stele auf dem Hauptfriedhof), hat der Kommerzienrat Jakob Klein im Jahr 1941 der Stadt Frankenthal geschenkt. Sie wurde zunächst provisorisch aufgestellt, sollte aber auf Wunsch des Stifters nach dem Krieg als Teil eines Brunnens die neu gestaltete Strandbadanlage zieren. Diese Figur fristet heute ein Schattendasein in den Hecken am Nichtschwimmerbecken des Strandbades.

Die Skulptur die „Kauernde“ von Professor Bernhard Bleeker ist im Strandbad zu finden.
Die Skulptur die »Kauernde« von Professor Bernhard Bleeker ist im Strandbad zu finden.
Nibelungenlied"-Handschrift "C" aus dem 13. Jahrhundert.
Nibelungenlied"-Handschrift "C" aus dem 13. Jahrhundert.
Das Frankenthaler Strandbad aus der Luft.
Das Frankenthaler Strandbad aus der Luft.
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