Speyer
Wie moderne Technik Radfahrern bei der Tourenplanung hilft
Wo im alten Jahrtausend zur Planung einer Fahrradtour noch Autokarten herhalten mussten und Kilometer mühsam addiert wurden, wo Orte in einer Reihenfolge auf den Vorbau des Rades geklebt wurden, da sind inzwischen digitale Lösungen die deutlich bessere Wahl. Die einfachste Variante, die die alte Zeit und die Moderne verbindet, ist die Nutzung von Anwendungen wie beispielsweise Google Maps auf dem Handy.
Das Handy befestigt man sich mit einem Halter fürs Fahrrad am Lenker und nutzt danach die vorgegebene Strecke inklusive Sprachsteuerung wie ein Navigationsgerät im Auto. Problem: Diese Anwendung ist eben auch auf eben jene Zielgruppe ausgelegt und für die speziellen Anforderungen von Radfahrern nur bedingt tauglich. Außerdem sind moderne Handys zu groß, die Halterungen sperrig und oft nicht stabil. Löst sich das Handy, ist es nur noch Schrott. Und wer fährt schon gerne auf einer vielbefahrenen Bundesstraße, wenn es parallel dazu im Wald einen tollen Radweg gibt?
Spezielle Fahrradcomputer
Genau aus diesem Grund empfiehlt es sich gerade für sportliche Radler, einen speziellen Fahrradcomputer anzuschaffen, der auch umfangreiche Navigationsfunktionen hat. Die sind klein und dennoch übersichtlich. Geräte der großen Marken wie Garmin, Wahoo oder auch Sigma sind kompatibel mit den besten und am weitesten verbreiteten Routenplanern, die von Radsportlern genutzt werden.
Es gibt drei gängige Routenplaner beziehungsweise Plattformen, mit denen Radsportler ihre Strecken planen können: Strava, das eigentlich eher ein soziales Sportlernetzwerk ist, der Brouter, den beispielsweise auch der ADFC empfiehlt und der gut für die kleine Wochenendradtour geeignet ist, und Komoot, der die umfassendsten Funktionen bietet und an Detailreichtum allen anderen überlegen ist. Ist die Route fertig, wird sie auf den kleinen Fahrrad-PC hochgeladen, und der lotst seinen Pedaleur dann sicher über die Strecke. Und selbstverständlich zeigt der Tacho je nach Modell mehr oder weniger umfangreich die Fahrdaten an und speichert diese.
Nicht immer sinnvoll
Der Brouter (brouter.de/brouter-web/) ist das einzig komplett kostenlos nutzbare Programm der drei. Die Karten sind detailliert, es gibt Optionen zur Auswahl des Verkehrsmittels, so dass Rennräder nicht über Schotterwege geführt werden. Die Bedienung ist einfach. Man setzt Wegpunkt nach Wegpunkt und bekommt dann die sinnvollste Route dazwischen geplant. Nach ein paar Versuchen hat man den Dreh raus und kann vorgeschlagene Routen immer besser selbst optimieren. Neben der Strecke werden auch Höhenmeter berechnet und das Profil angezeigt, auf das man sich im Wesentlichen verlassen kann. Hochgeladen auf den Fahrrad-PC wird dann eine .gpx-Datei, der Standard in Sachen Routenplanung, den die anderen Programme ebenso nutzen.
Strava ist grundsätzlich nur mit einem eigenen Konto nutzbar. Heatmaps, also Karten, auf denen erkennbar ist, welche Strecken besonders beliebt (und daher wohl auch gut zu fahren sind) können eine Orientierung bieten. Für Routenplanung ist ein Abo (bis zu 79,99 Euro im Jahr) notwendig. Die Routenplanung ist dann denkbar leicht. Man kann sich mit einfachen Vorgaben wie Rundenlänge und gewünschtem Anspruch rund um seinen ausgewählten Standort eine Route vorschlagen lassen und diese dann hochladen und abfahren.
Doch nicht immer sind die Ergebnisse auch wirklich sinnvoll. Eine bergige Runde ab Speyer kann dann auch dreimal über die Kalmit führen und die schönen Anstiege daneben (Lolosruhe, Hambacher Schloss) komplett außen vor lassen. Nicht nur deshalb liegt die Stärke von Strava nicht unbedingt hier. Allerdings: Wer viele Bekannte in einer Region hat und sieht, welche Routen diese gefahren sind, kann sich deren Strecken einfach bequem speichern und dann nachfahren. Gut: Die angegebenen Fahrzeiten orientieren sich an der eigenen Fitness, die man beim Hochladen seiner Trainingsdaten in dieses Netzwerk quasi automatisiert hinterlegt.
Kaum Grenzen gesetzt
Komoot hingegen ist ein klassischer Routenplaner, der sich genau darauf konzentriert. Kennt man sich in einer Gegend nicht aus, kann man über eine Suchmaschine nach den schönsten Radtouren der Gegend suchen – und findet schnell Vorschläge, die in Komoot gespeichert sind. Im Routenplaner selbst stehen sämtliche Funktionen des Brouters auch zur Verfügung. Will man mehr, benötigt man Kartenpakete, die für das Welt-Paket einmalig 29,99 Euro kosten, oder das Premium-Abo, das mit 6,99 Euro im Monat zu Buche schlägt. Ein Tipp: Über manche Krankenkassen bekommt man Kartenpakete kostenlos.
Wer alles hat, dem sind kaum Grenzen gesetzt: Wegbeschaffenheit, Sehenswürdigkeiten, Trinkwasserversorgung, Schwierigkeiten, an fast alles wurde gedacht. Es gibt 3D-Karten, man kann sogar eine Wetterkarte über die Strecke legen, Live-Tracking ist auch eine Option. Und bei der Planung von Mehrtagestouren ist Komoot ebenfalls unschlagbar. Großer Vorteil: Anhand von Bildern, die Nutzer von fast allen noch so kleinen Wegen eingestellt haben, kann man auch deren Beschaffenheit gut erkennen und gegebenenfalls so unbefestigten Wegen mit dem Rennrad ausweichen. Wer beispielsweise eine Route mit dem Gravelrad plant, sollte bei Komoot Vorsicht walten lassen, denn nicht selten schickt einen das Programm dann über echte Mountainbike-Strecken, also harte Trails. Nachteil: Man muss seine Fitness selbst einschätzen und hinterlegen. Und da Komoot kürzlich von einem Investor übernommen wurde, ist damit zu rechnen, dass weitere Funktionen hinter die Bezahlschranke rutschen oder Abos teurer werden.
Alle drei Programme sind aber nie gänzlich frei von Fehlern. Ärgerliche Kommentare findet etwa im Netz, nachdem jemand in einer für ihn fremden Region plötzlich mit seinem Rennrad vor einem unbefestigten Weg stand. Daher empfiehlt es sich, wenn man ganz sicher gehen will, im Zweifel die Wegbeschaffenheit von zwei Programmen parallel überprüfen zu lassen.
Für Vollprofis gibt es noch die Deluxe-Version Veloviewer Pro, ebenfalls vom US-Unternehmen Strava, mit der die Rennställe der Tour-de-France-Teams auch die Rennstrecken vorbereiten. Dort ist jede Verkehrsinsel und vieles mehr zu entdecken – aber auch das selbstverständlich nicht ohne Abogebühr.
Der Autor
Mathias Meyer ist RHEINPFALZ-Mitarbeiter und Ex-Amateurradrennfahrer.
Die Serie
Im Frühling starten die Speyerer Fahrradfans durch. In dieser Serie gibt es Tipps, damit dabei alles rund läuft.
