Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Pflegestützpunkte Betroffene auf schwieriger werdenden Wegen begleiten

Mal mehr, mal weniger Hilfe im häuslichen Umfeld: Pflegestützpunkte können dabei helfen, das richtige Maß zu finden.
Mal mehr, mal weniger Hilfe im häuslichen Umfeld: Pflegestützpunkte können dabei helfen, das richtige Maß zu finden.

Manchmal kommt es aus heiterem Himmel, oft ist es ein schleichender Prozess, wenn jemand pflegebedürftig wird. Bei den Speyerer Pflegestützpunkten bekommen Betroffene Hilfe.

Schicksale wie das einer Speyerer Familie, die anonym bleiben möchte, werden Bettina Schimmele und ihren Kollegen von den beiden Pflegestützpunkten Speyer immer wieder geschildert: Das betagte Ehepaar ist zusammen alt geworden. Er ist Anfang 80, sie ein paar Jahre älter, beide leben noch in ihrem Haus. Die Leiden des Alters aber erschweren den Alltag zunehmend.

Solange der Ehemann nur körperlich abgebaut hat, konnte seine Frau ihn gut versorgen. Doch dann stellten sich bei ihm auch demenzielle Veränderungen ein, inzwischen braucht er rund um die Uhr Betreuung. Einkäufe und andere Erledigungen werden für die Frau immer schwieriger und anstrengender, nicht nur körperlich. Sie weiß nie, ob der Mann bei ihrer Rückkehr wieder ohne Schlüssel vor der verschlossenen Wohnungstür steht oder was sonst passiert sein könnte. Die Frau gibt alles, versucht, den Alltag aufrechtzuerhalten, und merkt kaum, wie sie dabei längst über ihre eigenen Grenzen hinausgegangen ist. Doch wenn sie nicht mehr kann, bricht alles zusammen.

Besuch bei dem Ehepaar

Bekannte gaben dem Sohn des Paares schließlich den Tipp, sich an einen Pflegestützpunkt zu wenden. Die sind ein kostenfreies und trägerneutrales Beratungsangebot für gesetzlich Versicherte.

Wenige Tage später besuchte Bettina Schimmele das Ehepaar und den Sohn zu Hause. „Die Ehefrau hatte Angst, dass ich komme, ihnen einen Pflegedienst vor die Tür setze oder den Mann ins Heim stecke“, sagt Schimmele. „Das ist unbegründet. Meine Aufgabe ist es, die Situation in der häuslichen Umgebung zu stabilisieren mit den möglichen Hilfsangeboten, die es für den jeweiligen Pflegegrad gibt.“

Zunächst müsse ein Pflegegrad beantragt oder überprüft werden, ob ein bestehender erhöht werden sollte. Schimmele erklärt der Familie das Verfahren und hilft auf Wunsch beim Ausfüllen des Fragebogens für den medizinischen Dienst. Sie holt eine Liste hervor, greift zu einem grünen Leuchtstift und markiert: „Hier zeige ich den Angehörigen, welche Hilfen ihnen zustehen.“ Sie geht von einem möglichen Pflegegrad 3 aus. 131 Euro stehen für Alltagshilfen wie Betreuungs- und Entlastungsleistungen zur Verfügung, etwa für Haushalt oder Einkäufe.

Geld- und Sachleistungen

Wenn die Ehefrau die Pflege weiterhin allein übernimmt, erhält sie monatlich 599 Euro Pflegegeld. Stattdessen kann sie für bis zu 1497 Euro Sachleistungen wählen, zum Beispiel einen Pflegedienst. Zusätzlich stehen monatlich 1356 Euro für den Besuch einer Tagespflegeeinrichtung zur Verfügung. Außerdem kann die Familie jährlich 3539 Euro für Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege nutzen – etwa für eine Ersatzpflege, die bis zu acht Stunden täglich entlastet.

Schimmele informiert auch über mögliche Leistungen für Umbaumaßnahmen, Hilfsmittel oder einen Hausnotruf. Wichtig für die Familie: Die Frau vom Pflegestützpunkt hat ein großes Netzwerk. Sie sagt der Familie, welche Hilfe ihr zusteht und wo sie sie bekommt.

Viele Informationen prasseln auf die Familie ein. Schimmele nimmt sich Zeit, will niemanden überfordern und keine Lösung überstülpen. „Ich empfehle, am Anfang nicht zu viel auf einmal zu verändern“, sagt sie. Auch das Speyerer Ehepaar wächst langsam in die neue Situation hinein. Das erste Gespräch liegt zwei Wochen zurück. Inzwischen kommt zweimal pro Woche ein Pflegedienst und hilft dem Ehemann beim Aufstehen und in den Tag zu kommen. „Die Ehefrau hat mir erzählt, dass das für sie eine große Entlastung ist. Vor allem aber spürt sie, dass sie nicht mehr allein ist, nicht mehr alles selbst stemmen muss“, sagt Schimmele.

Gedanke muss reifen

Später soll der Pflegedienst an allen Werktagen kommen, am Wochenende hilft der Sohn. Alle zwei Wochen soll eine Haushaltshilfe kommen. Die Ehefrau hat auch schon Kontakt mit einer Tagespflegeeinrichtung aufgenommen. Sie könnte sich vorstellen, dass ihr Mann dort einen oder später auch mehrere Tage verbringt und sie an diesen Tagen frei hat.

Doch der Gedanke muss noch ein wenig reifen. Im Sommer würde sie gerne ihre ebenfalls hochbetagte Schwester eine Woche lang besuchen. Mit dem Geld für die Verhinderungspflege könnte Sie einen Bekannten bezahlen, der sich tagsüber um den Ehemann kümmert.

Kontakt

Pflegestützpunkt Speyer I, Gabi Ewald und Bettina Schimmele, Paul-Egell-Straße 24, Telefon: 06232 8541215
Pflegestützpunkt Speyer II, Klaus Lorenz, Bahnhofstraße 39, Telefon: 06232 8500179

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