Speyer Weltweite Verbundenheit

„Religion und Essen verbindet“, sagte Jesus Pereira am Sonntag nach dem Gottesdienst im Dom. Wie rund 800 weitere Mitglieder der muttersprachlichen katholischen Gemeinden aus dem Bistum hatte die Speyererin mit portugiesischen Wurzeln zuvor ein von Weihbischof Otto Georgens geleitetes mehrsprachiges Pontifikalamt im Dom gefeiert.

Slowenen, Polen, Kroaten, Portugiesen und Italiener waren mit ihren Pfarrern und Seelsorgern zum jährlichen Treffen nach Speyer gepilgert. „Ich gehe jeden Tag in den Dom. Aber im Wallfahrts-Gottesdienst kann ich in meiner Sprache singen und beten“, erklärte Pereira den großen Anklang, den das Angebot bei Katholiken aus aller Welt finde. Afrikanische Trommeln, Gläubige in den Trachten ihrer Heimat, ein slowenischer Chor, Gebete und Lieder in verschiedenen Sprachen: Ganz unterschiedlich drückten die Besucher ih-ren gemeinsamen Glauben aus. An der Orgel unterstützten Domkantor Alexander Lauer und Organist Christoph Keggenhoff den außergewöhnlichen Gottesdienst. „Die weltweite Verbundenheit der Kirche ist spürbar“, fasste Georgens die Wirkung der gemeinsamen Feier zusammen. Vor dem Hauptportal hatten slowenische Frauen ein imposantes Buffet mit typischen Speisen und Getränken ihrer Heimat aufgebaut. Um 2.30 Uhr sei sie aufgestanden, berichtete Maria Golob vom Kuchenbacken am frühen Morgen im Hochschwarzwald. Zusammen mit vielen Mitgliedern der slowenischen Gemeinde Mannheim, Kindern und Enkeln hatte sie den kulinarischen und kulturellen Teil der Wallfahrt vorbereitet. „Der Chor ist aus Augsburg angereist“, erzählte Gemeindepfarrer Johannes Modic von Bistum-übergreifenden Stimmen im und vor dem Dom. „In Speyer gibt es keine Slowenen“, sagte er. Eine andere slowenische Gruppe tanzte zu Musik von Akkordeon und Waschbrett. „Schafgarbe, Ringelblume, Brennnessel, Frauenschuh, Spitzwegerich“, zählte Golob die Zutaten für den leckeren Kräuterquark auf, den sie Besuchern auf frisch gebackenem Brot servierte. „Tradition zu zeigen ist wichtig“, betonte sie. „Ein großer Beitrag zur Völkerverständigung“, bestätigte auch Henry Asamenye, Mitglied der nigerianischen Gemeinde Waldmohr. Mit Glaubensschwestern sowie -brüdern war Asamenye in afrikanischer Tracht gekommen, um Kultur und religiöse Musik seiner Heimat in die Speyerer Kathedrale zu tragen. „Um 14 Uhr will ich im Kloster sein“, wies er auf das internationale Rosenkranzgebet in St. Magdalena zum Abschluss der Wallfahrt hin. „Danke für alles“, verabschiedete sich auch Pereira zum Gebet auf portugiesisch. „Es stimmt wirklich. Religion und Essen verbindet die ganze Menschheit“, sagte sie nochmals und schämte sich ihrer Tränen nicht. (kya)

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