Speyer
Weltlage und Konkurrenz: VR Bank in „Hab-Acht-Stellung“
„Wir bauen das digitale Angebot aus, aber wir wollen auch die Präsenz vor Ort stärken.“ Thomas Sold betont das, bei seinem Vorstandskollegen Achim Seiler klingt es ganz ähnlich. Till Meßmer, Vorstandssprecher der zweitgrößten VR-Bank in Rheinland-Pfalz, liefert die Hintergründe: Aktuell laufe ein Transformationsprozess, mit dem viel Projektarbeit verbunden sei. Auch deshalb sei die Mitarbeiteranzahl 2025 von 723 auf 753 gewachsen. „Wir brauchen an der einen oder anderen Stelle mehr Kapazität“, so Meßmer. Ein Beispiel: die neue Offensive im Markenauftritt bei Facebook, Instagram und LinkedIn.
Das Institut hat am Dienstag gute Geschäftszahlen für das Vorjahr vorgestellt. Beim Kreditvolumen (5,61 Milliarden) gab es mit 5,5 Prozent ein Plus deutlich über der Erwartung von 3 Prozent. Auch die Einlagen von 5,42 Milliarden lagen mit einem Zuwachs von 4,6 Prozent über dem Planwert von 2 Prozent. Die Bilanzsumme ist um 3,9 Prozent gewachsen und durchbricht mit 7,13 Milliarden Euro erstmals die Sieben-Milliarden-Schallmauer. Bilanzgewinn: knapp über 10 Millionen Euro.
Baufinanzierung zieht an
Die Planungen für das neue Jahr sind laut Meßmer „vorsichtig optimistisch“. Im Kreditgeschäft werde mit 3,5 Prozent Wachstum, bei den Einlagen mit 2,5 Prozent gerechnet. Die Speyerer Verantwortlichen sind laut Meßmer vor allem wegen der geopolitischen Unsicherheiten in „Hab-Acht-Stellung“. Wichtiger Wachstumstreiber sei zuletzt die Nachfrage nach Wohnbaufinanzierungen gewesen. Anders als früher dominiere bei der Kreditnachfrage die Privatkundenseite; das gewerbliche Segment sei 2025 verhalten geblieben, ohne dass es eine problematische Anzahl an Insolvenzen gegeben habe.
Auf die Risiken reagiert das Haus seinen Vorständen zufolge mit einer Stärkung seiner wirtschaftlichen Basis. Dazu gehöre auch eine verstärkte Werbung um Genossen und Kunden. Bei den Anteilseignern (71.365) wurde demnach eine über Jahre rückläufige Tendenz gestoppt. Bei den Kunden sei man mit 177.257 (davon 24.305) noch im angestrebten 180.000er-Bereich, wolle aber ebenfalls mehr tun.
Konkurrenz im Blick
Zu Problemen könnten einerseits demografiebedingte Abgänge werden, andererseits die zunehmende Konkurrenz von Direktbanken, so Meßmer. „Wir haben das Thema sehr wohl im Auge.“ Dabei gehe es in der Regel nicht um den kompletten Verlust von Kunden, sondern um Geld, das über andere Anbieter angelegt werde. Die VR Bank wolle unter anderem ihre Nähe zum Kunden dagegensetzen, aber auch positive Nutzungserlebnisse bei den digitalen Kanälen. Im Filialnetz schaue man sich die Auslastungen „sehr genau an“ und schließe Änderungen nicht aus.
Die Kundennähe werde auch mit Großinvestitionen in neue Regionaldirektionen in Frankenthal (11 Millionen) und Grünstadt (7 Millionen Euro) belegt. In Frankenthal beginne nach dem Rohbau neben der entkernten Kopp’schen Villa nun der Innenausbau. Derzeit liegt die Bank laut Sold im Kosten- und auch im Zeitplan für einen Bezug im ersten Quartal 2027. Für Grünstadt stehe der Bauantrag unmittelbar bevor. Hoffnung hier: eine Genehmigung bis Jahresende, dann vier Monate Rückbau und in der Folge Neuerrichtung mit Unterstützung eines Bauträgers für Bank-Zwecke, Wohnen und Tagespflege.