Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Welche Kleidung angehende Maßschneider für den Frühling und Sommer empfehlen

Maßschneiderinnen und Maßschneider präsentierten eigene Kreationen im Stil der 1980er-Jahre und aktuelle Mode.
Maßschneiderinnen und Maßschneider präsentierten eigene Kreationen im Stil der 1980er-Jahre und aktuelle Mode.

Eine Modenschau fand als Teil des Tags der offenen Tür in der berufsbildenden Johann-Joachim-Becher-Schule statt. Schüler berichten von den Vorbereitungen und ihren Zielen.

„Denver Clan“ gegen „Dallas“, grelle Farben gegen schwarze Linie, Schweißbänder und Nieten: Die 1980er Jahre hatten es nicht nur musikalisch, sondern auch modisch in sich. Erinnerungen weckten am Samstag junge Menschen, die sich für den Ausbildungsgang Maßschneiderei an der berufsbildenden Johann-Joachim-Becher-Schule entschieden haben.

Finn fand seinen Berufswunsch per Zufall. Während eines Corona-Lockdowns fing seine Mutter an zu nähen. Der junge Mann half ihr, schnitt Stoffe zu, fand Gefallen am Umgang mit den Materialien und an der Kreativität. „Es sind relativ wenige Männer in dem Ausbildungsgang, aber viele queere Menschen. Das gefällt mir“, sagt Finn in einer Verschnaufpause.

Musik von David Bowie bis Queen

Gerade ist die erste Modenschau im wahren Wortsinn über die Bühne gegangen. Mit großem Erfolg: Lange haben die Zuschauer – meist Eltern und viele Interessenten für die Ausbildung – als Anerkennung für die gezeigten Kreationen applaudiert. Um diese so perfekt wie möglich zu machen, haben die Berufsschüler viel recherchiert und überlegt.

40 Jahre Maßschneider: Viel Applaus gab es bei der Modenschau.
40 Jahre Maßschneider: Viel Applaus gab es bei der Modenschau.

„Die 1980er sind sehr experimentell, laut und bunt“, sagt Finn. Seine Schulkollegin Melissa sieht in den 1980ern oft viel Übertriebenes. „Manchmal ist das schon theatralisch“, meint sie. Genau so ist die Modenschau aufgebaut. Musik von David Bowie bis Queen begleitet die Darbietung von fantasievoll geschneiderten Unikaten.

Erst Schnitt festlegen, dann Stoffsuche

„Am Anfang steht immer die Frage: Was möchte ich machen?“, zeigt Melissa auf. Dann geht’s ins Detail: Rüschen? Falten? Knöpfe? Und schließlich die Überlegung: Geht alles überhaupt wie angedacht? „Durch die Unterstützung der Lehrer können wir uns Ziele setzen und diese auch durchziehen“, freut sich Melissa.

Die Modenschau fand als Teil eines Tags der offenen Tür statt.
Die Modenschau fand als Teil eines Tags der offenen Tür statt.

Sobald ein Schnitt festgelegt ist, geht es zur Stoffsuche. „Es ist ein erfüllendes Gefühl zu sehen, wie ein Kleidungsstück sich entwickelt“, sagt Finn. Wie Melissa ist er im ersten Lehrjahr. Zwei Jahre haben sie noch vor sich. „Es besteht auch die Möglichkeit einer dualen Ausbildung“, erklärt er. Nur ein Schüler aus dem Jahrgang habe den Weg gewählt.

Tipps für Frühling und Sommer

Zur Lehre gehören auch Praktika. Melissa möchte gerne Einblicke bei einem Herrenschneider bekommen – und am Theater. Ihr Wunsch geht nämlich in diese Richtung. „Ich habe meine Liebe für die Bühnenarbeit entdeckt und möchte gerne Kostüm- und Maßschneiderin werden.“

Zur Modenschau war Musik von David Bowie bis Queen zu hören.
Zur Modenschau war Musik von David Bowie bis Queen zu hören.

Designer-Qualitäten haben die beiden Berufsschüler bereits, was Tipps für Frühling und Sommer angeht. Im Unterricht wurden diese bereits recherchiert. „Viel Beige, warme Farben wie Orange und Rot, viele fließende, weiche und transparente Stoffe, weite Schnitte, darunter engere Sachen“, beschreibt Finn den Trend.

Ihre Traumkleidung können die angehenden Maßschneider irgendwann selbst herstellen. Jetzt schon ist das Shoppen schwieriger geworden. „Es ist ein anderes Gefühl, weil man einen anderen Blick hat“, erklärt Melissa, die mittlerweile oft in Second-Hand-Läden geht. „Ich schaue mir die Verarbeitung immer genau an“, sagt Finn. Die Wertschätzung für Kleidung ist bei beiden schon nach kurzer Zeit gewachsen.

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