Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Was soll mit Leerstand passieren? Speyerer Bürger haben kreative Ideen

Wie schwierig ist es, in Speyer Wohnraum zu finden? Inspeyered möchte beim Stadtspaziergang für die Probleme sensibilisieren .
Wie schwierig ist es, in Speyer Wohnraum zu finden? Inspeyered möchte beim Stadtspaziergang für die Probleme sensibilisieren .

Wohnraum in Speyer zu finden ist schwierig. Für einige Bürger bedeutet das: Wohnen muss sich verändern. Die Initiative Inspeyered regt zu neuen Ideen an.

Speyer braucht kreativere Wohnkonzepte. Das stellten die Initiative Inspeyered und Bürgerinnen und Bürger bei einem öffentlichen Stadtspaziergang fest. Wohnraum zu finden ist schwierig, zudem stehen viele Gebäude leer. Das müsse nicht so sein, waren sich viele Teilnehmer einig. Ein Beispiel war eine aus Harthausen nach Speyer gekommene Frau. Auf eine klassische Wohngemeinschaft wie im Studium hat sie keine Lust. Aber auf neue Wohnprojekte schon, erzählte sie, während die Gruppe die Große Greifengasse entlanglief.

Die 60-Jährige ist in Schifferstadt aufgewachsen und zog in den 1980er-Jahren nach Speyer: in ihre erste eigene Einzimmerwohnung. Damals sei es noch einfach gewesen, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Den hätte sie heute gerne wieder, denn in Speyer fühle sie sich wohl. Gemeinsames Wohnen mit einem privaten Bereich für sich, das könnte sie sich gut vorstellen. Ist das ein Wohnkonzept der Zukunft? Die Nachfrage nach Wohnraum in der Domstadt ist groß. Leerstand und Zweckentfremdung von Wohnungen sind daher ein Problem. Dem will die Stadt mit einer Zweckentfremdungssatzung entgegengehen. Ziel ist es, möglichst viele Wohnungen auf dem Markt zu halten.

Auch in der Rheintorstraße entdecken die Teilnehmer leerstehende Gebäude.
Auch in der Rheintorstraße entdecken die Teilnehmer leerstehende Gebäude.

Die Mischung macht’s

Ein Thema beim Stadtspaziergang war auch das Projekt des Vereins „Schöner Wohnsinn“. Die Gruppe möchte gemeinsam wohnen: in einer Mischung aus privaten und gemeinschaftlichen Räumen. Zusammengefunden haben sich zehn Erwachsene und sieben Kinder. Bei der Finanzierung würde das Mietshäusersyndikat unterstützen. Eine gemeinsame GmbH würde die Immobilie kaufen. Die Wohngruppe würde das Haus pflegen. Niemand dürfte seinen Anteil vermieten oder vererben. Um Gewinn gehe es nicht, vielmehr um dauerhaft bezahlbare Mieten und ökologisches Wohnen, betonten Beteiligte. Fehlt nur das passende Haus.

Das Schererstift: Gut geeignet, für das Wohnprojekt von „Schöner Wohnsinn“.
Das Schererstift: Gut geeignet, für das Wohnprojekt von »Schöner Wohnsinn«.

Angesehen hat sich die Gruppe in den vergangenen drei Jahren mehrere zentrumsnahe Gebäude, darunter das Schererstift der Diakonissen in der Bartholomäus-Weltz-Straße. Laut Inspeyered wird das Gebäude seit 2014 nicht mehr genutzt. Auf das Interesse der Gruppe sei der Eigentümer nicht eingegangen. Auch in der Rheintorstraße habe die Gruppe ein Gebäude besichtigt, doch das Haus sei an jemand anderen verkauft worden. Die Gruppe teilte ihre Erfahrungen beim Spaziergang, um dafür zu sensibilisieren, wie sich der Wohnungsmarkt in Speyer entwickelt.

Altstadt nichts für jeden

„Hier stehen Gebäude teilweise 40 Jahre leer, und andere suchen nach Wohnungen“, sagte eine Spaziergängerin zum Leerstand in der Altstadt. Sie selbst wohnt im Hasenpfuhl und kennt nach eigener Aussage die Besitzer von manchen leerstehenden Häusern. Verständnis hat sie dafür trotzdem nicht: „Es ist so schade.“ Sie würde sich wünschen, dass die Stadt das Recht hätte, den Eigentümern „Druck“ zu machen, damit diese vermieten.

Etwa 30 Teilnehmer kamen zum zweiten Stadtspaziergang der Initiative Inspeyered.
Etwa 30 Teilnehmer kamen zum zweiten Stadtspaziergang der Initiative Inspeyered.

In der Altstadt sei alles „sehr schön und verspielt“ gebaut, erzählte ein Teilnehmer der Aktion. Früher habe man individuell gebaut, heute sei alles rationaler. Der Rentner kann das nach eigenem Bekunden nachvollziehen: „Behindertengerecht ist das hier nicht.“ Schon eine einzige Stufe zur Haustür sei für manche eine Hürde. Hinzu kämen die Preise. „Junge Menschen können sich das nicht leisten“, sagte er und meinte Altbauten im Schatten großer alter Bäume.

Auf der Suche nach Leerstand beim Stadtspaziergang in Speyer.
Auf der Suche nach Leerstand beim Stadtspaziergang in Speyer.

Der Rentner selbst wohnt mit seiner Partnerin in einer Wohnung in Speyer-Süd. Sich mit seinen Mitbewohnern von früher eine Wohnung zu teilen, halte er auch für eine Möglichkeit. Als er in den 1960er-Jahren zum Studieren nach Freiburg gezogen sei, habe er 80 Mark für ein WG-Zimmer gezahlt – weniger als die Hälfte von dem, was er zur Verfügung hatte. Heute geben Studierende in Deutschland laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 53 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Miete aus. „Wohnen ist die soziale Frage der Zeit“, sagte der Mann aus Speyer. Solchen Fragen will sich Inspeyered bei der Veranstaltungsreihe gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern stellen.

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