Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Was der Deichausbau für Otterstadts Campingplätze bedeutet: Camper verlieren Freizeitort

Die Flächen des Wassersport- und Campingclubs Otterstadt liegen rechts und links der L535. Im Hintergrund ist der Ortseingang vo
Die Flächen des Wassersport- und Campingclubs Otterstadt liegen rechts und links der L535. Im Hintergrund ist der Ortseingang von Otterstadt, wo sich auch der Deich befindet.

Der Deichneubau und -Ausbau bei Otterstadt soll im Herbst starten. Ein Campingclub muss Parzellen aufgeben. Der Chef spricht von „massiven Beeinträchtigungen“.

„Auch wir mussten uns im Widerspruchsverfahren erläutern lassen, dass der Schutz einer Trockenwiese vor den Bedürfnissen von Campern in der dritten Generation oder anderer schützenswerter Pflanzen steht“, sagt Peter Rebholz. Er ist Vorsitzender des Wassersport- und Campingclubs Otterstadt, der sein Gelände rechts und links der Landesstraße 535 zwischen Otterstadt und Kollerinsel hat und deswegen von den Arbeiten rund um den Deichneubau und -Ausbau betroffen ist. Den Club tangiert die Ertüchtigung des kurzen Deichabschnitts zwischen Kollerstraße und Wiesenweg, der ausgebaut werden darf, weil es dort keine Alternative wie den Deichneubau gibt.

Der Deichneubau in der Nähe, entlang des Wiesenwegs zwischen Reffenthal und Kollerstraße, ist umstritten und wird von einigen als Schildbürgerstreich angesehen, weil dieser Abschnitt des Rheinhauptdeichs wegen dort wachsender schützenswerter Pflanzen nicht auf alter Linie ausgebaut werden darf, sondern neugebaut werden muss. Das schreiben Bundesnaturschutzgesetze und EU-Recht vor.

Die Arbeiten sollen im kommenden Herbst starten. Dem Ausbau voran gingen ein jahrelanges Planungsverfahren und ein erfolgloser Rechtsstreit, den die Ortsgemeinde Otterstadt und eine Gruppe von ebenfalls betroffenen Landwirten gegen das Land führten. Für den Deich ist die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd und deren Deichmeisterei/Neubaugruppe zuständig. Die Baumaßnahme dient dem Hochwasserschutz, der aus Sicht von Vereinschef Rebholz unstrittig ist. Er macht gegenüber der RHEINPFALZ deutlich, dass seine Äußerungen „keine Kritik an den Mitarbeitenden der SGD oder den Vertretern der Gemeinde“ darstellen. Diese bemühten sich „mit uns gemeinsam, den Schaden recht gering zu halten“. Die Gemeinde hat die Flächen dem Campingclub verpachtet, mittlerweile gehören sie dem Land.

Dieser Deichabschnitt zwischen Kollerstraße und Wiesenweg (rechts im Bild) wird ausgebaut, weil es dort keine Alternative für ei
Dieser Deichabschnitt zwischen Kollerstraße und Wiesenweg (rechts im Bild) wird ausgebaut, weil es dort keine Alternative für einen Neubau gibt.

Rund ein Viertel der Parzellen fällt weg

Nichtsdestotrotz stehe der Wassersport- und Campingclub vor großen Herausforderungen. Rebholz schildert, dass nach ersten Schätzungen fünf bis sieben Parzellen wegfallen, wenn der Deichabschnitt nahe der Kollerstraße/L535 ausgebaut und damit auch breiter wird. Die SGD spricht auf RHEINPFALZ-Anfrage von rund 2000 Quadratmetern Fläche, die die Camper abgeben müssen. Für den Verein sei das eine große Hausnummer, weil er lediglich 29 Parzellen habe – 14 auf der Straßenseite am Otterstädter Altrhein und 15 auf der rechten, betroffenen Seite, sagt Rebholz. Die Parzellen seien Stück für Stück entstanden. „Die Vereinsmitglieder haben die Infrastruktur aufgebaut.“

Der Club wurde seinen Angaben zufolge im Jahr 1963 als Interessengemeinschaft gegründet und sieben Jahre später zum Verein umgewandelt. Der Opa seiner Frau sei eins der ersten Vereinsmitglieder gewesen, erzählt Rebholz. Seine Kinder wären die vierte Generation, die auf dem Campingplatz ihre Freizeit verbringen würde. Er sei nicht direkt vom Wegfall der Parzellen betroffen, sein Platz liege „auf der Wasserseite“, also auf der Straßenseite am Otterstädter Altrhein. Doch andere Vereinsmitglieder müssten ihren Freizeitort aufgeben. Eine Parzelle gehöre zum Beispiel einer Familie, die bereits seit Jahrzehnten Mitglied im Verein ist, berichtet Rebholz.

Hier muss erst mal gerodet werden, bevor dieser Deichabschnitt ausgebaut werden kann. Die Parzellen des Campingclubs fallen weg.
Hier muss erst mal gerodet werden, bevor dieser Deichabschnitt ausgebaut werden kann. Die Parzellen des Campingclubs fallen weg.

Clubchef: Keinem soll gekündigt werden

Dem Vereinschef ist wichtig: Keinem soll gekündigt werden. Deshalb ist angedacht, die beiden Campingbereiche neu zu strukturieren, „zusammenzurutschen“ und damit Platz für neue Parzellen zu schaffen, damit Vereinsmitglieder, die ihre Fläche verlieren, an anderer Stelle eine Möglichkeit zum Campen bekommen. Wie die Umstrukturierung erfolgen soll, müsse noch besprochen werden. Die Arbeiten des Vereins könnten erst starten, wenn der Deichabschnitt ausgebaut sei. Wie hoch die Kosten für den Club werden, kann Rebholz noch nicht abschätzen. „Ich kann das alles noch nicht ganz überblicken, auch nicht, wo wir Unterstützung zum Beispiel für die Elektroarbeiten bekommen“, sagt er.

Parzellen müssen bis Oktober geräumt sein

Was jedoch bereits sicher ist: Der Verein muss die betroffenen Parzellen bis 1. Oktober 2026 räumen. Anschließend werden die Flächen laut SGD gerodet. Rebholz spricht auch hier von einem Schildbürgerstreich: Auf der einen Seite müsse per Gesetz Wiese auf dem Deich geschützt werden, auf der anderen Seite müssen jahrzehntealte Bäume, darunter auch alte Eichen, auf den Campingflächen radikal entfernt werden. Außerdem macht er sich Gedanken, wie die Zufahrt zu seinem Campinggebiet und zu den beiden anderen Vereinen – die Camping- und Wasserfreunde Otterstadt sowie der Segelclub Otterstadt – während der Bauarbeiten erfolgen kann und was mit der Abzweigung zu den beiden anderen Clubs passiert, wenn die Straße im Zuge der Deichertüchtigung angehoben wird.

Wird im Zuge der Deichertüchtigung angepasst: die Zufahrt zum Segelclub und zu den Wasserfreunden (links von der Straße abgehend
Wird im Zuge der Deichertüchtigung angepasst: die Zufahrt zum Segelclub und zu den Wasserfreunden (links von der Straße abgehend).

Eine Sprecherin der SGD sagt auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass die Anhebung der Straße auch eine Anpassung der Zufahrt zum Segelclub und zu den Wasserfreunden erforderlich mache. Die Zufahrt zu allen drei Clubs ist ihren Angaben zufolge während der Bauzeit durchgängig möglich – „lediglich während der Bauarbeiten im Straßenraum (Deichüberfahrt mit Rampen) sowie bei den Asphaltarbeiten wird es zu unvermeidlichen Einschränkungen kommen“. Ihren Informationen nach können die Vereinsmitglieder, je nach Bauphase, wie gewohnt zu ihrem Clubgelände fahren oder es von Osten, also aus Richtung Kollerinsel über die L535, ansteuern. Die Anlieger würden frühzeitig informiert, verspricht die SGD-Sprecherin.

Die Kollerstraße/L535 wird in diesem Bereich, wo sie den Deich nahe dem Restaurant Christians quert, angehoben.
Die Kollerstraße/L535 wird in diesem Bereich, wo sie den Deich nahe dem Restaurant Christians quert, angehoben.
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