VG Lingenfeld / Zeiskam
Warum der Preis für Trinkwasser zuletzt deutlich erhöht worden ist
2002 hatte ein Kubikmeter Wasser 1,25 Euro netto gekostet. 2013 und 2014 stieg der Preis um jeweils fünf Cent – auf 1,35 Euro. Grund: der Neubau des Wasserwerks in Weingarten. Sieben Jahre blieb der Preis danach stabil. 2022, 2023, 2025 und 2026 erhöhte der Zweckverband (ZV) für Wasserversorgung „Germersheimer Nordgruppe“, der die sechs Orte der Verbandsgemeinde (VG) Lingenfeld sowie Zeiskam versorgt, den Preis stetig. Seit diesem Jahr kostet ein Kubikmeter Wasser 2,05 Euro, was einer Preissteigerung von 70 Cent innerhalb von fünf Jahren entspricht.
Zum Vergleich: Kunden des ZV „Germersheimer Südgruppe“, der 13 Gemeinden, darunter auch die VG Bellheim (außer Zeiskam) versorgt, zahlen nur 1,36 Euro, also 69 Cent weniger, obwohl die Preise beider Versorger bis 2021 noch nahezu gleichauf lagen. „Wie ist dieser deutliche Preisunterschied zu erklären?“ Das fragt sich Siegfried Deck aus Lingenfeld, der jahrelang in der Buchhaltung des ZV „Germersheimer Nordgruppe“ tätig war. „Seit Jahren müssen die Bürger der VG Lingenfeld und der Gemeinde Zeiskam Preiserhöhungen hinnehmen – zuletzt in einem Ausmaß, das Fragen aufwirft“, so Deck.
Werkleiter: Unterhaltung und Investitionen
Werkleiter Rüdiger Butz erklärt die Diskrepanz: „Die Unterschiede der betrieblichen Infra- und Versorgungsstruktur der Unternehmen und die daraus abzuleitenden Unterhaltungsaufwendungen und Investitionen haben Einfluss auf die Entgelte. Insofern können diese nicht miteinander verglichen werden“, betont er. Um künftige Herausforderungen bewältigen zu können, hätten Wasserversorgungsunternehmen ihre Gebühren entsprechend anpassen müssen: „Diese Gebühr liegt zwischenzeitlich oftmals bei plus/minus zwei Euro.“
Wofür die Mehreinnahmen verwendet wurden? „Unser verantwortungsbewusstes Handeln ist darauf ausgerichtet, den Kunden dauerhaft Trinkwasser zu liefern, das den hygienischen Anforderungen entspricht – in einem Umfeld, das sich auf dem aktuellen Stand der Technik befindet“, sagt Butz. Seinen Angaben zufolge hat der ZV „Germersheimer Nordgruppe“ von 2021 bis 2024 zirka 4,4 Millionen Euro in die Anlagen investiert.
Deck fragt sich auch, weshalb 2024 aus einem prognostizierten Gewinn von 59.000 Euro „ein historischer Verlust“ von 189.000 Euro entstehen konnte. Butz begründet das mit überplanmäßigen Ausgaben im Leitungsnetz und in den Aufbereitungsanlagen: „Es mussten Rohrbrüche repariert und im Wasserwerk Weingarten die Filteranlagen einer Revision unterzogen werden – mit der damit verbundenen Erneuerung des Filtermaterials.“ Die Preiserhöhung für 2026 sei einstimmig erfolgt, berichtet Butz.
Der Nutzen der Wassernotleitung
Die Gründe: „Um die weiterhin hohe Qualität der Trinkwasserversorgung zu gewährleisten und Ausfälle zu vermeiden, müssen die Leitungsnetze und die Aufbereitungsanlagen regelmäßig gewartet und modernisiert werden.“ Der erhebliche Investitionsbedarf mache eine kostendeckende Gebührengestaltung notwendig. Zudem seien für ein aufgenommenes Darlehen Zinsen angefallen, die die bestehende Zinslast erhöhten. Und: Die tariflich erzielten Ergebnisse bei den Personalkosten seien angepasst worden.
Apropos Kosten: Deck interessiert sich ebenso für die bislang angefallenen Kosten für die mittlerweile aufgegebene Enthärtung des Wassers. Laut Butz belaufen sich diese auf 150.000 Euro, die Schlussrechnung stehe aber noch aus. Unklar ist Deck auch der Nutzen der bestehenden Wassernotleitung zwischen Zeiskam und Hochstadt. „Wurde diese im Hinblick auf die Enthärtungsanlagen verlegt?“, fragt er. Butz verneint das. „Die Verbindungsleitung besteht aus Gründen der zielgerichteten Zusammenarbeit der Gruppenwasserwerke Bornheim und dem ZV zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit in Notsituationen, aber auch, um die Herausforderungen mit zunehmenden Trockenphasen und steigenden Spitzenlasten im Sommer besser bewältigen zu können. Der Grund für den Bau war alleinig die Steigerung der Resilienz.“