Speyer
Waldsee: Studenten stellen Konzept für Campinggebiet vor
Studenten aus Kaiserslautern haben ihr Konzept für das Campinggebiet „Auf der Au“ bei Waldsee vorgestellt. Nicht alle politisch Verantwortlichen, die auf Einladung einer Gruppe von Grundstückseigentümern um den Waldseer Philibert Zimmermann ins Rathaus gekommen waren, halten eine Umsetzung für realistisch.
Ein „Schwarz-Weiß-Bild“ hat sich den Studenten des Fachbereichs Raum- und Umweltplanung geboten, als sie das von der Schließung bedrohte Waldseer Campinggebiet besucht haben. Von „liebevoll gepflegten Parzellen“ und „vielen Chancen“ durch die See- und Rhein-Nähe berichtete Sebastian Reichert, der das Konzept der Studenten präsentierte, einerseits. „Müllberge“ und „Dutzende verlassene Campingwagen“ sind der Gruppe andererseits aber auch ins Auge gestochen. Wie berichtet, sind nur noch rund 1000 Camper auf dem Platz, ein großer Teil steht bereits leer. Ende 2020 laufen die Pachtverträge der Betreiber-GmbH Naherholung in den Rheinauen mit den knapp 150 Grundstückseigentümern aus. Nur rund 70 Prozent hatten die vorgelegten neuen Verträge mit deutlich reduzierten Pachtzahlungen unterschrieben.
Schnell war auch den Studenten klar: Das ganze Areal wird sich nicht als Campinggebiet erhalten lassen. Das Konzept, dass sie als Teil ihrer Bachelorarbeit ausgearbeitet haben, setzt daher auf verschiedene Module. Die Dauercamper könnten demnach im Mittelteil bleiben. Am Nordostende schlagen die Studenten einen Parkplatz und Angebote für Kurzzeitcamping vor. Dieses sei derzeit wieder sehr beliebt, die Lage am Rhein-Radweg sei günstig. Freilich müsste dann einiges passieren, um das Campinggebiet und sein Umfeld attraktiver zu gestalten: feste Holzunterkünfte, eine verbesserte Wegeführung, Fahrradstationen, Stromanschluss, eine Strandbar oder einen kleinen Einkaufsmarkt nannte Reichert als Stichworte. Durch das Kurzzeitcamping könnte laut den Studenten Geld in die Kassen gespült werden und so helfen, das Dauercampinggebiet zu sichern – derzeit ist der Campingplatz hoch defizitär.
Camping im 21. Jahrhundert
Auf dem bereits heute verwaisten Gelände in Richtung Westen könnte eine Solaranlage entstehen. Ein anwesender Vertreter der Stadtwerke Speyer signalisierte vorsichtiges Interesse. Ebenfalls unter den Zuhörern waren Vertreter des Vereins Naturspur. Diesem könnte, so die Idee, ebenfalls ein Teilbereich überlassen werden, den er dann in seiner pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entwickeln kann. Weitere Teile des Campinggebiets könnten renaturiert werden und so als Ausgleichsflächen dienen. Hier wäre laut den Studenten eine Beweidung durch Schafe eine Option. Christel Hamleser-Kunz als Vertreterin der Grundstückseigentümer, die den Kontakt zur Uni hergestellt hatten, brachte auch die Anlage von Schrebergärten ins Spiel. Insgesamt geht es laut Reichert darum, das Campinggebiet „in das 21. Jahrhundert zu befördern“.
Kai Tobias, Professor für Landschafts- und Freiraumentwicklung, der die Studenten bei ihrer Bachelorarbeit betreut, stellte klar, dass es sich nur um ein Rahmenkonzept handelt. Die Universität wolle nicht mit Planungsbüros in Konkurrenz treten. „Jetzt muss man schauen: Was ist realisierbar?“, sagte er.
Camper mit eigenen Ideen
Die anwesenden Vertreter der Camper, die sich in einem Verein zusammengeschlossen haben, fanden die Ideen der Studenten grundsätzlich gut, hatten aber einige Änderungswünsche – zum Beispiel was die Lage des Solarparks oder des Parkplatzes angeht. Für die Übernahme des Dauercamper-Bereichs als Generalpächter haben die Camper ein Konzept und einen Finanzierungsplan ausgearbeitet. Darin versprechen sie Investitionen, beispielsweise in Schranken und die Sanitäranlagen. Das Ziel: „Nach spätestens fünf Jahren werden wir einer der attraktivsten Campingplätze sein.“ Nötige Investitionen seien in der Vergangenheit von der Betreiber-GmbH Naherholung in den Rheinauen nicht getätigt worden.
Skepsis äußerte das Waldseer Ortsgemeinderatsmitglied Wolfgang Berl (CDU): „Irgendjemand muss es finanzieren“, sagte er zu den Plänen. Bis zu drei Millionen Euro müssten für die Umsetzung in die Hand genommen werden, glaubt er. Die GmbH habe bereits ausgerechnet, welche Pacht an die Grundstückseigentümer bezahlt werden könne, wolle man das Gebiet wirtschaftlich betreiben. „Da ist sehr wenig Pacht rausgekommen.“ Zudem müsse jemand „den Hut aufhaben“ und die Umsetzung des Konzepts koordinieren. Ins gleiche Horn stieß Kreisbeigeordneter Volker Knörr (CDU): Das Grundproblem seien „die schwierigen Besitzverhältnisse“ und „wer das alles bezahlt“. Die GmbH, die es erst seit wenigen Jahren gibt, sei zu Unrecht der Buhmann.
Finanzierung zentrales Thema
Waldsees neue Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) sah zwar am Montag nicht den richtigen Moment, über Details zu sprechen, fand es aber „ganz wichtig, dass wir es bald tun“. Sie spüre eine große Anspruchshaltung an die Ortsgemeinde, die ebenfalls eine große Teilfläche im Campinggebiet besitzt und Gesellschafter der Betreiber-GmbH ist. Klein erinnerte daran, dass möglichst keine Steuergelder für das Campinggebiet fließen sollen. „Der Wille, eine gute Lösung zu finden, ist da. Jetzt müssen wir schauen, was geht“, sagte sie.
Der neu gewählte Verbandsbürgermeister Patrick Fassott (SPD), der im September offiziell sein Amt antritt, plädierte dafür, „die Emotionen rauszunehmen“. Es gelte nun Zuständigkeiten festzulegen. Fest steht für ihn: „Die Finanzierungsfrage wird ein zentrales Thema sein.“
Kommentar: Zeit drängt
Das Konzept, das die Kaiserslauterer Studenten ausgearbeitet haben, klingt schlüssig und durchdacht. Dass es bereits Kontakte mit möglichen künftigen Mitspielern wie den Stadtwerken Speyer und Naturspur gab, spricht dafür, dass es sich um mehr als eine akademische Fingerübung handelt. Trotzdem gibt es auf die beiden wichtigsten Fragen noch keine überzeugenden Antworten: Wie bekommt man fast 150 Grundstückseigentümer ins Boot? Und wer ist bereit und in der Lage, das Geld für die nötigen Investitionen in die Hand zu nehmen? Es wäre allen Seiten zu wünschen, dass sich eine Lösung findet. Doch die Zeit arbeitet gegen jene, die das Campinggebiet „Auf der Au“ erhalten wollen, denn Ende 2020 laufen die Pachtverträge mit den Grundstücksbesitzern aus.