Speyer
Waldsee: Organisator des Mittelaltermarkts wünscht „Zeitreise nur mit Rückfahrkarte“
Interview: Zehn Jahre Mittelaltermarkt in Waldsee – das ist eine Leistung, die maßgeblich auf Klaus Feindel zurückzuführen ist. Von Jahr zu Jahr zieht der Markt mehr Besucher an. Der Initiator spricht mit Ellen Korelus-Bruder über die Entwicklung des Volks vom Affolterloch und die Zukunft des Markts. Und darüber, ob er sich ein Leben ohne Markt überhaupt vorstellen kann.
Herr Feindel, wie fühlt es sich an, zum zehnten Mal in den Startlöchern mit dem Waldseer Mittelalterfest zu stehen?
Es ist immer wieder spannend. Wie entwickelt sich das Wetter an den Markttagen, ist die Truppe fit oder gibt es Ausfälle, kommen die Standleute wie angekündigt? Die gesamte Organisation bündelt sich in den letzten zehn Tagen vor dem Fest.
Haben Sie zu Beginn mit diesem Erfolg gerechnet?
Ich habe ihn nie ausgeschlossen, allerdings war auch schon mal alles in Frage gestellt. Aber mit ausdauerndem Engagement aller Beteiligten war das bald überstanden. Nun beflügeln der steigende Erlös und die damit verbundenen Spenden für soziale Zwecke.
Wie viele Helfer haben Sie?
Wie bewegen uns heuer bei 22 Personen. Mit ihrem großartigen Einsatz schaffen wir es, komplett ohne Einweggeschirr auszukommen und einen beträchtlichen Batzen Goldtaler für gute Zwecke zu verschenken.
Hat sich seit 2009 etwas an Konzept und Verlauf geändert?
Oh, ja gewiss! Die anfängliche Holprigkeit ging durch immer neue Ideen, neue Mitwirkende, andere Abläufe in ein Konzept über, das sich seit einigen Jahren bewährt. Wir treffen uns (fast) vollzählig etwa drei Wochen vor Festbeginn, um uns mal wieder zu sehen. Unsere Struktur ermöglicht eine kurze „Befehlsausgabe“ (lacht). Und schon wird das Ding zum Selbstläufer!
Gibt es zum runden Geburtstag besondere Programmpunkte?
Es haben sich erstaunlich viele interessante Händler und Darsteller gemeldet. Mit ihnen kann man den bisher nicht genutzten Platz bestücken. Des Weiteren haben wir die tänzerische Darbietung aus Teilen von „Carmina Burana“ nach Carl Orff in Verbindung mit den Spielleuten Hallitus Exprementes sowie der Feuershow von Svarogs Schergen am Samstagabend im Programm.
Haben Sie mehr Angst vor Regen oder vor 40 Grad im Schatten?
Wir sind schon des Öfteren sang- und klanglos abgesoffen oder haben in großer Hitze geschmachtet. Beide Extreme will man nicht. Die Ortsgemeinde und die katholische Kirchengemeinde stehen zum großen Glück bei jedem Wetter mit Rat und Tat hinter uns.
Was ziehen Sie an?
Das weiß ich jetzt noch nicht. Meine Holzkiste beherbergt Gewänder für alle Wetter, also auch für Regen und 40 Grad im Schatten. (lacht)
Ist das Volk vom Affolterloch im Lauf der Zeit größer geworden?
Ja. Wir sind eine größere Familie geworden, auch aufgrund der vielfältigen Angebote. Es kommt allerdings auch mal vor, dass einzelne wegen Krankheit oder altersbedingt aufhören. Das ist dann immer eine Gratwanderung.
Hätten Sie gerne im Mittelalter in Waldsee gelebt?
Wer wollte das nicht mal erlebt haben! Mittelalterfeste boomen, also muss ja was dran sein! Als Vogel über dem Ganzen schwebend könnte ich mir das für ein paar Tage vorstellen. Eine Zeitreise ist eine faszinierende Sache, allerdings nur mit Rückfahrkarte (lacht). Das Hier und Jetzt ist mir dann doch lieber.
Wie gelingt Ihnen die Gratwanderung zwischen Historie und Handy?
Die ganze Organisation wäre ohne Smartphone viel komplizierter. Während des Treibens habe ich das Teil aber nicht am Mann.
Ist ein Ende der Kult-Veranstaltung abzusehen?
Zur Zeit nicht. Da müsste schon viel passieren ... Wir haben einen außergewöhnlich schönen barrierefreien Platz, verständnisvolle Anwohner, verfügen über die Kirchen-Küche, behindertengerechte Toiletten, Wasser und Stromanschluss und erfüllen immer strengere Auflagen des Gesundheitsamts. Wir kämpfen einfach weiter, weiter, weiter ...!
Ist Affolterloch-Nachwuchs in Sicht?
„Darf’s ä bissel mehr sei“ fragt der Metzger an der Fleischwaage. So sage ich zu Nachwuchs: Ja, gerne etwas mehr!
Können Sie sich ein Leben ohne Mittelaltermarkt überhaupt vorstellen?
Irgendwann werde ich’s mir ja vorstellen müssen. Aber ungern. |kya
Das Programm
Die Eröffnung ist am Samstag, 17. August um 16 Uhr in der Altriper Straße 16. Handwerker zeigen ihre Kunst, mittelalterliche medizinische Geräte werden vorgeführt. Kleine Besucher können auf Pferden reiten, spielen wie im Mittelalter und Puppentheater anschauen. Händler bieten Waren wie Kleidung, Öle, Kräuter, Felle, Seifen oder Korbflechtereien an, Lagerleben wird gezeigt, Geschmeide gebastelt. Es gibt orientalische Köstlichkeiten und gegen eine Spende Speis und Trank wie zur Zeit des Volks vom Affolterloch. Ab 17 Uhr treten Spielleute Hallitus Exprementes und die Trommelgruppe Afabato auf, ab 20 Uhr Carmina Burana und eine Feuershow der Gruppe Svarogs Schergen. Am Sonntag, 18. August, geht der Markt von 11 bis 18 Uhr. Musik kommt von Tabatan und der Wormser Kindertrommlergruppe.