Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Waldsee: Kandidatenfindung für Pfarrgremien wird schwieriger

Es darf gewählt werden: Katholiken im Bistum Speyer entscheiden am Wochenende über die Zusammensetzung der Pfarrgremien.
Es darf gewählt werden: Katholiken im Bistum Speyer entscheiden am Wochenende über die Zusammensetzung der Pfarrgremien. Foto: dpa

Menschen zur Mitarbeit in Gremien zu bewegen, ist ein mühsames Geschäft – das gilt für die Politik ebenso wie für die Kirchen. Über die am Wochenende anstehende Pfarrgremienwahl hat Christine Kraus mit Dekan Frank Aschenberger gesprochen, der als leitender Pfarrer für die Pfarrei Heiliger Christophorus Waldsee mit 11 000 Gläubigen zuständig ist.

Herr Aschenberger, haben Sie genug Kandidaten für die bevorstehenden Pfarrgremienwahlen?
Die Kandidatenfindung war dieses Jahr schwieriger als vor vier Jahren. Aber wir haben nur ein einziges Gremium, in dem wir weniger Kandidaten als Sitze haben: Das ist im Gemeindeausschuss Neuhofen. Es gibt aber auch ein Gremium mit fast doppelt so vielen Kandidaten, wie gebraucht werden. In einigen anderen Gremien haben wir genauso viele Kandidaten wie Sitze. Aber um eine echte Wahl zu haben, braucht man auch in diesem Fall ergänzende Urwahlen.

Was ist eine ergänzende Urwahl?
Da kann man auf den Stimmzettel den Namen und die Adresse jedes wählbaren Gemeindemitgliedes schreiben. Für Gemeindeausschuss und Pfarreirat ist das Mindestalter 16 Jahre, für den Verwaltungsausschuss sind es 18 Jahre. Und derjenige muss seit mindestens drei Monaten in der Pfarrei wohnen. Nach der Wahl müssen wir dann den Kandidaten, der dabei die meisten Stimmen bekommen hat, fragen, ob er die Wahl auch annimmt.

Warum war die Kandidatensuche so schwer?
Zum einen ist das ein demografisches Problem. Es hören mehr Alte auf als junge Engagierte in den Gemeinden nachwachsen. Dieser Prozess dauert schon relativ lange an, und wir haben insgesamt deutlich weniger Engagierte als vor 15 bis 20 Jahren. Deswegen freut es mich umso mehr, dass sich einige junge, oft aktuelle oder ehemalige Messdiener, zur Kandidatur entschlossen haben. 14 Kandidaten sind 40 Jahre oder jünger.

Vielleicht sehen Sie das zu selbstkritisch. All das erleben weltliche Verein ja auch.
Stimmt, zumal Kirche in der Öffentlichkeit immer öfter wie ein Verein wahrgenommen wird. „Das ist dem Pfarrer sein Verein“, habe ich letzens mal gehört. Es hat aber noch einen anderen Grund, dass immer wenige Junge nachkommen: Die junge Generation ist nicht mehr so kirchennah. Da gehört Kirche nicht mehr so selbstverständlich dazu und erst recht nicht das Engagement für diese Kirche, wie sie im Moment wahrgenommen wird.

Das ist natürlich eine Steilvorlage: Warum soll sich jemand für eine Kirche engagieren, die immer wieder negative Schlagzeilen macht?
Die Wahlen spiegeln ganz gut die aktuelle Situation der Kirche bei uns wider. Wir haben Mühe, die konkreten Strukturen aufrecht zu erhalten. Aber dort, wo es vor Ort auf menschlicher Ebene gut funktioniert und Glaube als gemeinschaftsstiftend erfahren wird, sind die Leute bereit, sich einzubringen. Das sind erwachsen gewordene Messdiener, Eltern von Messdienern, die erfahren haben, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Eltern, die in der Kommunionvorbereitung positive Erfahrung gemacht haben. Menschen, die in unseren kirchlichen Verbänden engagiert sind.

Als Dekan haben Sie ja auch Einblick in andere Pfarreien. Ist das ein allgemeiner Trend?
Ja, es läuft überall sehr ähnlich. Es gibt in fast allen unserer Pfarreien auch ergänzende Urwahlen. Die Kandidatensuche war mühsamer, aber insgesamt ist es diesmal noch gut gelaufen. Das haben auch die anderen Dekane so rückgemeldet. Ein ähnlicher Trend ist, dass es leichter ist, für das Konkrete vor Ort, also für den Gemeindeausschuss, Leute zu finden. Im Verwaltungsrat empfinden die Leute die Verantwortung oft als groß, und die Verwaltung in diesen großen Einheiten ist komplex. Es ist schon bezeichnend, dass nur 40 Prozent unserer Verwaltungsräte zur Wiederwahl bereit waren. Im gemeindeübergreifenden Pfarreirat ist es sehr unterschiedlich, je nachdem wie gut das Miteinander in der großen Pfarrei gelingt und sich kirchliches Leben auch auf dieser Ebene abspielt.

Wie viel Mitspracherecht haben die Gremien?
Am klarsten ist das im Verwaltungsrat. Da habe ich als Pfarrer eine Stimme von elf. Kampfabstimmungen gibt es bei uns allerdings nicht, weil wir fast immer alles einstimmig beschließen. Ganz selten gibt es mal eine Enthaltung und noch seltener eine Gegenstimme. Der nächste Pfarreirat wird bei uns einen sehr großen Einfluss haben. Da wird das pastorale Konzept beschlossen, das entscheidet, was in der Pfarrei gemacht wird und was nicht, und das damit auch direkt auf die Arbeit des Pastoralteams Einfluss nimmt. Im Gemeindeausschuss geht es nicht um abstrakte Beschlüsse, sondern um das ganz konkrete Kirche-Sein am Ort. Gemeindeausschussmitglieder halten das kirchliche Leben am Laufen. Da ist viel Konkretes zu organisieren. In Waldsee kümmern sie sich auch ums Pfarrzentrum.

Nehmen die Gremien Ihnen Arbeit ab oder machen sie Ihnen Arbeit?
Nach meinem persönlichen Empfinden nehmen sie mir Verantwortung ab und das ist viel entscheidender als Arbeit. Ich hab das Gefühl, dass die Verantwortung und Leitung der Pfarrei nicht nur auf meinen Schultern liegt. Gerade im Bereich von Verwaltung nehmen sie mir auch ganz konkrete Aufgaben ab und kümmern sich um Probleme. Manchmal sehen sie auch die Belastungssituation, der ich alleine nicht zu entkommen zu vermag und versuchen Entlastungsmöglichkeiten zu schaffen. Da wird es für mich als Mensch spürbar, da trägt jemand die Verantwortung mit.

Zur Sache: Pfarrgremienwahlen im Bistum Speyer

In den katholischen Pfarreien im Bistum Speyer finden am Samstag und Sonntag, 16. und 17. November, Pfarrgremienwahlen statt. Eine katholische Pfarrei besteht aus mehreren Gemeinden, im Falle der Pfarrei St. Christophorus Waldsee sind das fünf: Altrip, Limburgerhof, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee. Es gibt drei Gremien: Jede Gemeinde wählt einen Gemeindeausschuss. Der gestaltet das kirchliche Leben vor Ort, organisiert vielfältige Aktivitäten und Feste. Jede Gemeinde entscheidet selbst, wie viele Mitglieder der Gemeindeausschuss haben soll. In Otterstadt sind es sechs, in Waldsee acht. In den Pfarreirat werden aus jeder Gemeinde zwei Mitglieder gewählt, dazu kommen Vertreter aus Verbänden, Gruppierungen und das Seelsorgeteam. Hier geht es um das Zusammenwachsen der Pfarrei und die Ausrichtung für die Zukunft. Auch in den Verwaltungsrat werden pro Gemeinde zwei Vertreter gewählt. Er trägt die Verantwortung über die Finanzen der Kirchengemeinde und der Kirchenstiftungen.

Frank Aschenberger
Frank Aschenberger archivFoto: Lenz
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