Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Waldsee: Grundstückseigentümer glauben an Zukunft für Campinggebiet „Auf der Au“

Sie haben konkrete Vorstellungen, wie das Campinggebiet „Auf der Au“ künftig aussehen könnte: (von links) Philibert Zimmermann,
Sie haben konkrete Vorstellungen, wie das Campinggebiet »Auf der Au« künftig aussehen könnte: (von links) Philibert Zimmermann, Christel Hamleser-Kunz, Eleonore Hamleser und Reiner Regenauer mit dem Plan, der zu dem von Studenten ausgearbeiteten Konzept gehört.

Zwischen Abgesang und Hoffnungsschimmer, dass es doch irgendwie weitergeht, hat sich zuletzt die Nachrichtenlage bezüglich der Zukunft des Campinggebiets „Auf der Au“ bei Waldsee bewegt. Jetzt haben Studenten Pläne erarbeitet, wie der Platz auf Vordermann gebracht werden könnte. Und auch eine Gruppe Grundstückseigentümer war nicht untätig.

Eine Gruppe von Waldseern rund um den ehemaligen Beigeordneten Philibert Zimmermann hat im vergangenen Jahr mit der Universität Kaiserslautern Kontakt aufgenommen. Die Mitglieder der Gruppe besitzen verpachtete Grundstücke „Auf der Au“. Sie wollen, dass es mit Camping dort weitergeht, allerdings nicht zu den von der GmbH Naherholung in den Rheinauen vorgesehenen Konditionen mit deutlich reduzierter Pacht. Gesellschafter der GmbH sind der Rhein-Pfalz-Kreis (90 Prozent Anteile) und die Ortsgemeinde Waldsee (10 Prozent). Die alten Pachtverträge laufen 2020 aus. Da von den rund 150 Grundstückseigentümern nur rund 70 Prozent die vorgelegten neuen Verträge unterschrieben haben, steht das Campinggebiet, wie berichtet, vor dem Aus.

Die Studenten des Fachbereichs Landschaftsplanung hatten nun die Aufgabe, ein Konzept zu entwickeln, wie ein Campinggebiet „Auf der Au“ künftig aussehen könnte. „Es war eine gemeinsame Bachelor-Arbeit von acht Studenten“, berichtet Christel Hamleser-Kunz, die zur Gruppe um Philibert Zimmermann gehört. In Kürze wollen die Studenten ihre Pläne vor geladenen Gästen in Waldsee vorstellen.

Naturspur hat Interesse

Auch die Grundstückseigentümer waren in den vergangenen Monaten nicht untätig: Im Frühjahr habe es ein Gespräch gegeben, an dem unter anderem Vertreter der Camper, des Natur- und Erlebnispädagogikvereins Naturspur und der Stadtwerke Speyer teilgenommen hätten, berichten sie beim Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der Hintergrund: Naturspur könnte sich vorstellen, einen Teil des heutigen Campinggeländes für seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu nutzen. Und die Stadtwerke sollen ins Boot geholt werden, um auf einem weiteren Teil der Fläche einen Solarpark zu bauen. Aber auch Camping soll es natürlich weiterhin geben: Am nördlichen Ende könnten – so die Vorschläge der Studenten, die der Eigentümer-Gruppe bereits vorliegen – Tagescampingplätze entstehen, zum Beispiel für Wohnmobile. „Der Markt boomt“, ist Zimmermann überzeugt, dass dies funktionieren würde. Für die verbliebenen Dauercamper – aktuell noch rund 1000 – wäre südlich davon Platz. Das Campinggelände soll dann auch mit Strom versorgt werden, eventuell über den Solarpark. Ein Teil des bisherigen Geländes würde nach den Plänen renaturiert werden. Weitere Ideen: ein Einkaufsmarkt, eine Strandbar, eine Radstation und eine Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr.

„Das ganze könnte ein Leuchtturmprojekt werden“, ist Zimmermann überzeugt. Er legt Wert darauf festzuhalten, dass es nicht um einen Luxus-Campingplatz geht, den sich die Dauercamper dann nicht mehr leisten könnten. „Der ursprüngliche Gedanke eines Naherholungsgebiets für sozial Schwächere soll beibehalten werden“, sagt er. Aber es soll auch eine ökologische Komponenten hinzukommen. Und wirtschaftlich soll der Betrieb ebenfalls sein.

Letzteres war das Campinggebiet zuletzt nicht mehr, weshalb die Betreiber-GmbH auch die Pachtzahlungen an die Grundstücksbesitzer deutlich senken wollte. Nachdem die GmbH Naherholung in den Rheinauen keine Zukunft mehr für das Campinggebiet sieht, stellt sich die Frage, wer den Platz künftig betreiben soll. „Vermutlich werden es verschiedene Betreiber sein“, sagt Zimmermann. Die Camper hätten Interesse, für den Teilbereich, auf dem Dauercamping vorgesehen ist, als Generalpächter einzusteigen und hätten auch schon Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestellt. Laut Zimmermann seien sie bereit, eine deutlich höhere Pacht als von der GmbH Naherholung in den Rheinauen angeboten an die Grundstückseigentümer zu zahlen. Zerschlagen hat sich offenbar der Betrieb über einen privaten Investor, der im vergangenen Jahr Interesse angemeldet hatte.

Positive Signale aus der Politik

Klar ist für Zimmermann, dass auch die Ortsgemeinde Waldsee mit ins Boot geholt werden muss, der ein größerer Teil des Geländes gehört. Die komplizierten Eigentumsverhältnisse vor Ort mit rund 150 Besitzern dürften eines der größten Hindernisse bei der Umsetzung des Plans sein. Zimmermann und seine Mitstreiter plädieren daher für eine Flächenumlegung.

Mit der Ortsgemeinde Waldsee sei man in guten Gesprächen. Es seien bereits positive Signale aus der Kommunalpolitik gekommen. Auch Landrat Clemens Körner (CDU) als Chef der GmbH Naherholung in den Rheinauen solle mit ins Boot genommen werden, sagt Zimmermann. Der Waldseer ist sich sicher, dass es mit dem Campinggebiet weitergehen wird: „Da bin ich sicher. Es ist nur die Frage, ob es ein Leuchtturm wird oder eine kleinere Lösung.“ Klar sei aber auch: Es müsse sich wirtschaftlich rechnen. Und Hamleser-Kunz sagt: „Wenn alle an einem Strang ziehen, ist es kein Problem, das Campinggebiet zu einem Kleinod zu machen.“

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