Speyer
Wahlkreis Speyer künftig mit zwei Männern in Mainz vertreten
Als der letzte der 61 Wahlbezirke ausgezählt ist, brandet bei der Speyerer CDU Jubel auf. „Michael, Michael“, rufen die Unterstützer von Wahlkreissieger Michael Wagner im Café Maximilian. Wagner nimmt reihenweise Glückwünsche entgegen. Mit 30,2 Prozent hat der CDU-Kandidat die meisten Erststimmen im Wahlkreis Speyer auf sich vereint und sein Direktmandat verteidigt. Zum zweiten Mal den auch Schifferstadt und die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen umfassenden Wahlkreis zu holen, ehre ihn, sagte Wagner. „Das ist mir aber auch Verpflichtung zugleich. Wenn die Menschen mir das Vertrauen schenken, dann will ich dieses Vertrauen auch rechtfertigen.“
Der 65-jährige CDU-Politiker ist seit 2019 im Landtag und hat sich am Sonntag mit 3,6 Prozentpunkten Vorsprung vor Marlene Gottwald (SPD) durchgesetzt. Diese lag zwar allein auf die Stadt Speyer gesehen leicht vorn, geriet aber in den Umlandgemeinden ins Hintertreffen. Sie wird den Einzug ins Parlament wohl auch über die Landesliste knapp verfehlen. Einen Platz im Landtag sicher hat nach einem Resultat nahe dem Landesergebnis seiner Partei jedoch AfD-Kandidat Benjamin Haupt (44), der Dritte im Wahlkreis: Er war über die AfD-Landesliste „abgesichert“.
„Ich gratuliere Michael Wagner ganz herzlich“, kommentierte SPD-Frau Marlene Gottwald den Wahlausgang. Sie hätte sich selbst wie auch ihr Team „natürlich etwas mehr erhofft“ und auf das Direktmandat gesetzt. Der Landestrend sei letztlich auch für sie vor Ort eine Hypothek gewesen. Gottwald ist derzeit als Referentin in einem FDP-geführten Ministerium in Mainz tätig, wird also beruflich auf jeden Fall Veränderungen spüren. „Es werden sich andere Wege ergeben, um etwas für die Demokratie tun zu können“, sagt die 41-Jährige über ihre politische Zukunft.
AfD will Mehrheiten
Benjamin Haupt (AfD) zeigte sich zwar grundsätzlich zufrieden, sagte aber: „Man wünscht sich immer mehr Stimmen angesichts der Lage in unserem Land.“ Er sei gespannt, was nun die CDU verändert. „Ich hoffe, dass sie ihr Rückgrat wiederfindet“, so der Landtagsneuling. Er wünsche sich „mehr Miteinander der Parteien“ und sei für Gespräche offen. „Bald sind auch für uns Mehrheiten drin“, sagte er über die Rolle der AfD, mit der keine der weiteren Parteien über eine Koalition verhandeln wollen.
Grünen-Direktkandidat Ansgar Parzich zeigte sich mit seinem Ergebnis von 9,9 Prozent sehr zufrieden. „Es war das erste Mal, dass ich das gemacht habe“, sagte er über seine Kandidatenrolle. Bei der vergangenen Landtagswahl hatte die damalige Familien- und Umweltministerin Anne Spiegel im Wahlkreis Speyer 18,5 Prozent der Erststimmen geholt. Diese Marke sei schwer zu erreichen gewesen, denn Spiegel habe als Ministerin in Doppelrolle damals „eine ganz andere Popularität“ gehabt. Er selbst habe im gut gelaufenen Wahlkampf „richtig Lust bekommen, sich für Klimaschutz und neue Formen der Mobilität einzusetzen“.
Kunz verliert Mandat
Patrick Kunz (49), Freier Wähler aus Schifferstadt, wird mit deren Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde sein Landtagsmandat verlieren. Er selbst kam im Wahlkreis auf 6,2 Prozent und will nun „intern besprechen, wie es weitergeht“. Ob er in Schifferstadt als Bürgermeister kandidiere, sei offen. Dass die Wahlbeteiligung höher gewesen sei als 2021, habe auf Landesebene den Ausschlag gegen den Einzug der Freien Wähler ins Parlament gegeben, ist er überzeugt.
Linke-Kandidat Christian Richter zeigte sich mit seinen 4,2 Prozent „ganz zufrieden“, aber enttäuscht über das Verpassen der Fünf-Prozent-Hürde seiner Partei und über das starke Abschneiden der AfD. Für die Linke gelte nun: „Außerparlamentarische Opposition ist auch eine Möglichkeit in der Demokratie.“ Er selbst wolle sich „weiter einbringen gegen Rassismus und gegen Hetze der AfD“, betonte der Speyerer.
„Eine bittere Niederlage, die weh tut – politisch, aber auch ganz persönlich“, so Justus Rabe von der FDP, der nur auf 3,1 Prozent im Wahlkreis kam. „Der Wahlkampf war stark von den großen Parteien geprägt, und es ist uns nicht gelungen, unsere Themen ausreichend sichtbar zu machen.“ Er sei aber überzeugt: „Die liberale Idee verschwindet nicht. Sie wird gebraucht – gerade jetzt.“
