Speyer Wagenbauer Wenger gestorben: Legende zu Lebzeiten
Pegida-Hexe, Trumpeltier, Ostwind-Putin: Der kreative Kopf, der einst als Chefdekorateur beim Speyerer Kaufhof arbeitete, stellte für den Mainzer Carneval Verein einiges auf die Beine, was selbst die Größ(t)en der Welt auf die Schippe nahm. Mindestens 9000 Stunden Arbeit steckte Dieter Wenger alljährlich in die Verwirklichung seiner Ideen, die beim Rosenmontagszug in Mainz bejubelt wurden.
Seine letzten Glanzstücke lieferte Wenger – der bereits seit Jahrzehnten in Speyer lebte – im Februar 2024 ab: den blinden und ebenso tauben Piratenkapitän Olaf, den „fliegenden Robert“, eine eingesperrte Friedenstaube und den Biontech-Goldesel, dessen Dukaten-Produktion eingeschlafen ist. Die Ausbildung als Bildhauer kam dem Macher mit eigenem Wagenbau-Unternehmen stets zupass.
Tor zum Brezelfest geschaffen
Doch nicht nur in Mainz verneigen sich seine Weggefährten vor einem Mann, der bereits zu Lebzeiten zur Legende geworden war. Auch in Speyer hat Wenger sichtbare Spuren hinterlassen. Für den Verkehrsverein Speyer (VVS), der ihn 2021 zum Ehrenmitglied ernannte, gestaltete der humorvolle Praktiker unter anderem das imposante Eingangstor zum Brezelfest mit dem Speyerer Brezelbu. Festwagen für den Umzug des größten Volksfests am Oberrhein stammen ebenfalls aus seiner Werkstatt.
Im August dieses Jahres wurde Wenger mit der Gutenberg-Plakette ausgezeichnet. Sie ist eine der höchsten Ehrungen in Mainz, die für besondere Verdienste um die Landeshauptstadt verliehen wird. Bei der Ehrung an Wengers Seite: Eine Speyerer Delegation mit dem Verkehrsvereinsvorsitzenden Uwe Wöhlert. „Dieter Wenger war rund 50 Jahre im Ehrenamt für den Verein tätig, immer der kreative Part“, lobt er gegenüber der RHEINPFALZ. Er sei für ihn „ein wahrer Freund“ gewesen, dem Speyer und der Verein viel zu verdanken hätten.
Projekte in Planung
Wengers Spuren würden in Speyer sichtbar bleiben. Er habe am Ende seiner beruflichen Tätigkeit dem Verkehrsverein einen großen Wagenanhänger vermacht, der in den kommenden Jahren den Brezelfestumzug bereichern werde. Wöhlert berichtet: „Viele weitere, in Mainz geschaffene Dinge, konnten nach Speyer transportiert werden und bereichern den Fundus unseres Vereins.“ Wenger habe noch viele Ideen im Kreis des Vereins umsetzen wollen. Zumindest das eine oder andere Projekt, das in der Planung weit fortgeschritten war, werde trotz seines Todes weitergeführt.