Speyer Vom feschen Toni und der „Yogurette“

„Wir müssen reden“: Barbara Weinzierl bei ihrem Gastspiel.
»Wir müssen reden«: Barbara Weinzierl bei ihrem Gastspiel.

„Wir müssen reden“, stellt Barbara Weinzierl im Titel ihres aktuellen Programms fest. Das hat die österreichische Kabarettistin am Samstagabend im ausverkauften Speyerer Zimmertheater getan – über „Sex, Geld und Erleuchtung“.

Zwischen Weinzierl und dem Publikum funkte es: Mit Begeisterung sangen die Zuschauer Refrains von Liedern oder spielten gar selbst mit. Da war eine deutsch-chinesische Rede, bei der eine Zuschauerin mit Klatschen den jeweils nahtlosen Übergang von der deutschen zur simuliert chinesischen Sprache bestimmte. Zuschauer Frank wiederum sollte mit einem Quietschetier Fehler signalisieren und trieb alsbald gut gelaunt sein eigenes Spielchen mit dem Gast aus Österreich. Nicht nur Weinzierl selbst redete: In Einkaufstüten auf der Bühne steckten Verkleidungsutensilien für viele Frauen und ein paar Männer, in die sie sich ruckzuck verwandelte. Da gab es etwa den feschen Toni in Karohemd und Lederhosenträgern, der ein Gstanzl über alles sang, was einen echten Bayern aus München umtreibt. Derweil zeigte Hubert aus Wien beim Sitzen eine Spannweite von mindestens zwei Metern zwischen den Knien. Dieses Prachtexemplar gab seine Ansichten über Emanzipation und Ausländer oder gar „Neger – Verzeihung: Politisch korrekt sind Negerinnen und Neger“ preis. Hinzu kamen Frauen wie die schwäbische Youtube-Yogalehrerin „Yogurette“ mit ihrem Kurs „Yoga nach schwäbischer Hausfrauenart“ und Stellungen wie dem „staubwedelnden Hund“ sowie dem „hadernden Lump“. Weinzierl spielte eine blasierte SUV-Fahrerin mit Riesen-Sonnenbrille, deren Kinder Windeln von Prada tragen und die vorm Bioladen parkt, um umweltschonendes Waschmittel zu kaufen. Ebenso verkörperte sie eine verrückte Alte mit flaschenbodendicken Brillengläsern: zunächst im Turnprogramm „Stark in den Sarg“ , später nochmals als in Los Angeles operativ Runderneuerte – die neuen sexy Kurven auf eine Art umgebundene Schürze gemalt. Nicht zuletzt wusste die 58-Jährige von Donald Trumps neuesten Tweets zu berichten. Der wolle nicht mehr amerikanischer Präsident sein, sondern zu seinen Wurzeln in der Pfalz zurückkehren, eine Mauer bauen, um die Oberpfalz von der restlichen Pfalz zu trennen, und John F. Kennedy nacheifern mit „Ick bin ein Pälzer Saumagen“.

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