Speyer Vielfalt nicht nur mit elf Amtssprachen

Bis Ende Juli 2014 lebt Anna Kapp noch in Südafrika. Die 22-Jährige aus Speyer absolviert zurzeit ein Freiwilliges Jahr in der Camphill Farm Community Hermanus, einer anthroposophischen Lebensgemeinschaft mit integrierten Werkstätten. Dort leben und arbeiten 53 erwachsene Menschen mit verschiedenen Behinderungen.

„Das Camphill liegt wie ein eigenes kleines Dorf im Hemel und Aarde Tal bei Hermanus und besteht aus mehreren Wohnhäusern, in denen die Behinderten gemeinsam mit Hauseltern und Freiwilligen familienähnlich zusammenleben“, erzählt die junge Speyererin im Gespräch mit der RHEINPFALZ. In internen Werkstätten finden die Bewohner – je nach ihren Fähigkeiten und Interessen – Arbeit und Beschäftigung. Es gibt eine Farm mit Kühen und Schweinen, eine Käserei, den biodynamischen Garten mit Hühnerhaus, eine Bäckerei, einen Kräutergarten und eine Handarbeitswerkstatt. Einige Behinderte helfen auch bei der Pflege des Grundstücks und Reparaturarbeiten. Vor vier Jahren hat Anna Kapp am Gymnasium am Kaiserdom Abitur gemacht, danach ein Bachelor-Studium „Soziale Arbeit“ in Aachen angeschlossen. Der Kontakt nach Südafrika kam über die Organisation „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ zustande. Dort ist sie seit vergangenem Jahr im Einsatz. „Als Freiwillige wohne ich in einem der Wohnhäuser und begleite und unterstütze die sieben Bewohner in ihrem Alltag. Nicht alle haben Kontakt zu Familie und Freunden außerhalb, so dass das Zusammenleben sehr familiär ist“, beschreibt Anna Kapp ihren Alltag. Darüber hinaus arbeitet sie in zwei Werkstätten der Bäckerei und dem biodynamischen Garten und versorgt somit das ganze Camphill und einige Kunden von außerhalb mit Lebensmitteln und Brot. „Das Besondere an Südafrika ist für mich seine faszinierende Vielfalt – landschaftlich und besonders die Einwohner unterschiedlichster Herkunft“, so die junge Freiwillige. Manche Städte seien den westeuropäischen sehr ähnlich und viele Gegenden touristisch erschlossen. „Daneben gibt es aber auch noch die kleinen afrikanischen Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, beinahe unberührte Wüstenlandschaften und wilde Tiere.“ Südafrika kennt elf anerkannte Amtssprachen. Schwarze Südafrikaner unterschiedlicher Kultur- und Sprachkreise, weiße Afrikaaner (Nachfahren der holländischen, deutschen, französischen und britischen Einwanderer) und die „Coloureds“ (Südafrikaner mit gemischter Abstammung) leben nach jahrzehntelanger strikter Trennung seit dem Ende der Apartheid mehr oder weniger friedlich nebeneinander – „jedoch immer noch selten miteinander“, hat sie beobachtet. „Speyer fehlt mir als überschaubare Kleinstadt, in der alles schnell und einfach erreichbar ist. Hier lebe ich sehr ländlich, ohne Auto kommt man nicht weg. Und natürlich vermisse ich die Menschen, meine Familie und Freunde“, sagt die ehemalige Messdienerin der Dompfarrei. Schon in der Heimat hat sie sich stark sozial engagiert, Gruppenstunden geleitet, Freizeiten organisiert und war Mitglied im Leitungsteam und Jugendausschuss. Nach ihrer Rückkehr plant Kapp ein Masterstudium in Richtung Heilpädagogik. Sie möchte weiterhin mit behinderten Menschen arbeiten. Schwer fällt der Freiwilligen aus Deutschland, dass sich Leben und Arbeiten nicht klar trennen lassen. „Da ist es manchmal schwierig, Auszeiten zu finden.“ Aber sie ist von Afrika und den Menschen fasziniert: „ Arbeit und das Leben hier machen mir viel Spaß. Außerdem habe ich während des Jahres die Gelegenheit, das Land, seine Leute und Kulturen kennenzulernen“, beschreibt die Speyererin noch ganz erfüllt von einer gerade beendeten Reise durchs Land an der Südspitze des afrikanischen Kontinents.

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