Speyer Viele Bürger haben schon einen Plan B parat

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Ludwigshafen. Überfüllte Züge und Busse, ewige Wartezeiten an der Fähre in Altrip, vollgestellte Park & Ride-Plätze überall im Kreis und Stau, Stau, Stau – der Horrorszenarien gibt es viele. Kommt die Sprache auf den Abriss der Hochstraße, steht etlichen Pendlern, die in Ludwigshafen oder Mannheim arbeiten, schon heute der Angstschweiß auf der Stirn. In der Stadt bemühen sich die Verantwortlichen seit 2014, die Bürger mit Informationsveranstaltungen auf dem Laufenden zu halten. Die konnten auch von Landkreis-Bewohnern besucht werden, auf konkrete Erklärungen zur Situation in ihren Heimatgemeinden und zu den besten Ausweichrouten im Ernstfall warten die allerdings noch – was nicht zuletzt daran liegt, dass es bislang kein fertiges Konzept gibt. Ein Stimmungsbild kann dennoch bereits geliefert werden. Wir haben dafür bei den Bürgermeistern nachgehakt. Böhl-Iggelheim Die Böhl-Iggelheimer machen sich laut Bürgermeister Peter Christ (CDU) durchaus schon Gedanken zum Thema Hochstraßenabriss. Viele hätten sich für den Weg in die Stadt oder über den Rhein bereits einen Plan B zurechtgelegt. Die Gemeinde genießt insofern eine bevorzugte Lage, als sie per S-Bahn an Ludwigshafen angebunden ist. Wenn auf den Straßen nichts mehr geht, können die Böhl-Iggelheimer also auf die Schienen ausweichen. Christ weiß jedoch, dass die Züge zu den Stoßzeiten jetzt schon gut belegt sind. Sollten viele Pendler umsteigen, wären die von den Planern angedachten „verlängerten Züge“ daher mehr als wünschenswert. Auch für Pendler, die mit ihren Autos von Rödersheim-Gronau oder Dannstadt-Schauernheim nach Böhl-Iggelheim kommen, um in die S-Bahn zu steigen, ist die Gemeinde laut Christ gewappnet: „Wir haben zwei große Park & Ride-Plätze.“ Und für alle, die partout nicht aufs Auto verzichten wollen, gebe es den Umweg über das Hockenheimer Kreuz, der bei Speyer über den Rhein und dann von Süden nach Mannheim rein führt. Limburgerhof Dass die Bürger bisher noch keine Bedenken an ihn herangetragen haben, führt Bürgermeister Peter Kern (SPD) auf die „sehr gute Anbindung“ zurück. „Die meisten fahren zur BASF und nutzen jetzt schon die S-Bahn“, sagt er. Für ihn hat das Baustellenwirrwarr sogar eine positive Seite: Nach aktuellen Planungen soll die S-Bahn-Strecke künftig bis auf das Betriebsgelände der BASF führen. „Das ist eine Rückkehr zum früheren Zustand, als es noch Werkszüge gab“, meint er. Laut Kern ist Limburgerhof gut für einen Ansturm von Autofahrern aus Neuhofen oder Mutterstadt gerüstet, die mit der S-Bahn pendeln wollen, in ihren Gemeinden aber keinen Anschluss haben: Es gebe einen Park & Ride-Platz am Bahnhof und die Gemeinde wolle Land kaufen, um den zu erweitern – ganz unabhängig vom Hochstraßenabriss. Damit sollten die Kapazitäten seiner Ansicht nach ausreichen. Alle, die weiter Auto fahren wollen, könnten ihr Glück über die Sternstraße in Ludwigshafen-Friesenheim versuchen. Wie stark die Belastung dort sein werde, lasse sich zwar noch nicht sagen, aber es sei eine Alternative zur Hochstraße. Mutterstadt Hans-Dieter Schneider (SPD) zieht sein Wissen aus Infoveranstaltungen in Ludwigshafen und jahrelanger Erfahrung. Er weiß etwa, dass es heute bereits oft zu baustellenbedingten Verkehrsproblemen auf der Autobahn kommt – ohne das Megaprojekt Hochstraße. Das werde die Situation auf jeden Fall weiter verschärfen. Für Mutterstadter, die die Autobahn scheuten, biete sich künftig der Weg über Land- und Kreisstraßen sowie über die Sternstraße an. Die K 6 sei vor allem deshalb interessant, weil sie eine Vorfahrtsstraße ist. Der Verkehr, der über die Abfahrt Oggersheim Süd von der Autobahn fließe, müsse warten – was sich allerdings nicht heilsam auf Staus dort auswirken werde. Unzufrieden ist Schneider damit, dass es zwar eine Buslinie zur S-Bahn in Limburgerhof gebe, aber keine zur Rhein-Haardtbahn in Ruchheim. Es sei eine Überlegung wert, das Shuttle von Limburgerhof nach Ruchheim künftig über Mutterstadt fahren zu lassen. Einige Bürger werden darauf gar nicht angewiesen sein: Schneider weiß von Mutterstadtern, die Rad fahren wollen oder sich auf der linken Rheinseite bewerben, um wenigstens nicht mehr nach Mannheim fahren zu müssen. Schifferstadt Schifferstadt profitiert nach Angaben von Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne) ebenfalls von einer guten Anbindung an die Stadt Ludwigshafen. „Bis jetzt haben die Bürger mir keine Sorgen zugetragen“, meint sie. Allerdings sei die S-Bahn zu den Stoßzeiten heute schon oft komplett ausgelastet – mit Berufstätigen, Schülern, Studenten und etlichen anderen Fahrgästen. Dem Zustrom einer größeren Menge neuer Pendler würden die Züge mit den aktuellen Kapazitäten ihrer Meinung nach kaum standhalten. „Aber daran denken die Planer ja bereits“, sagt Volk. Aus den bisherigen Informationsveranstaltungen in Ludwigshafen sei hervorgegangen, dass die S-Bahnen, die aus Speyer und Neustadt kommen, mit Beginn der Bauarbeiten jeweils verlängert werden sollen. Laut Volk verfügt Schifferstadt zudem wie viele andere Gemeinden über einen Park & Ride-Platz, der in den kommenden Jahren wohl vor allem für Pendler aus Otterstadt und Waldsee interessant werden dürfte. Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim Spannend wird die Situation wohl besonders in der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim, die keine Anbindung über das Schienennetz hat. Da Busfahrten bei Stau keine hilfreiche Alternative sind, müssen die Pendler sich nach Norden und Süden orientieren – oder mit dem Rad, Roller oder E-Bike fahren. Wie Verbandsbürgermeister Stefan Veth (CDU) mitteilt, ist Letzteres durchaus eine Überlegung, die Bewohner der Verbandsgemeinde anstellen. „45 Minuten braucht ein geübter Radfahrer für die Strecke nach Ludwigshafen“, meint er. Da das aber nicht für alle eine Option ist, plant Veth Gespräche mit den Nachbargemeinden Böhl-Iggelheim, Fußgönheim und Schifferstadt, um vorbereitend über die Parksituation dort zu sprechen. Die werde sich aller Voraussicht nach verschärfen, weil viele Dannstadt-Schauernheimer mit dem Auto dorthin fahren würden, um aufs Gleis umzusteigen. Über die Frequenz des Busverkehrs sollte ebenfalls nachgedacht werden, so Veth. Verbandsgemeinde Maxdorf In der Verbandsgemeinde Maxdorf sei der Hochstraßenabriss bereits ein Thema, sagt Bürgermeisterin Marie-Luise Klein (SPD) – nicht zuletzt, weil es auf der A 650 heute schon zu bestimmten Zeiten regelmäßig Staus gebe. Die Situation würde sich weiter verschärfen und so zu einer spürbaren Belastung werden. Hinzu komme, dass sich auch an dem werdenden Kreisel in Richtung „Am Römig“ Probleme abzeichneten, es also voraussichtlich mehrere Engstellen gleichzeitig geben werde. Immerhin gebe es in Maxdorf mit der Rhein-Haardtbahn eine zuverlässige Alternative zum Autofahren, bei der jetzt auch die Voraussetzungen geschaffen seien, um künftig pro Stunde einen Schnellzug mehr fahren zu lassen. Das sei gut so, denn zu Stoßzeiten seien die Züge heute bereits ausgelastet. Die Park & Ride-Plätze in Fußgönheim und Maxdorf könnten zudem Pendler aus umliegenden Gemeinden aufnehmen. Verbandsgemeinde Rheinauen „Eine zweite Rheinbrücke bei Altrip wäre in der Situation jetzt natürlich schön“, sagt Verbandsbürgermeister Otto Reiland (CDU). „Aber die Idee ist ja leider schon vor einiger Zeit gestorben.“ Das Gleiche gelte für eine zweite Fähre, die laut Schifffahrtsamt nicht möglich sei. Wie sich das bisherige Altriper Modell bewährt, wenn die Nachfrage ab 2018 sprunghaft ansteigen sollte, wird sich früher oder später zeigen. Mit einer entspannten Sache rechnet Reiland aber nicht: „Zu den Stoßzeiten wird es eng werden.“ Die Befürchtung hätten auch zahlreiche Bürger, weshalb das Bauprojekt jetzt schon ein großes Thema sei. Da die Ortsgemeinden nicht über Gleise mit Ludwigshafen verbunden sind, würden viele Menschen aus der Verbandsgemeinde wohl mit dem Auto nach Schifferstadt oder Limburgerhof fahren, um dort umzusteigen. Für alle, die auf die andere Rheinseite wollen – vor allem die aus Waldsee und Otterstadt – gebe es zudem ja noch die Möglichkeit, die Rheinbrücke bei Speyer zu nehmen und sich Mannheim von Süden zu nähern.

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