Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel VG Rheinauen: Wehrleiter spricht von zwei besonders fordernden Einsätzen im vergangenen Jahr

Zeit- und kraftraubend: der Einsatz der Feuerwehr beim Brand einer Lagerhalle im vergangenen Juli in Otterstadt. Die Brandruine
Zeit- und kraftraubend: der Einsatz der Feuerwehr beim Brand einer Lagerhalle im vergangenen Juli in Otterstadt. Die Brandruine wird derzeit abgerissen. Archivfoto: Feuerwehr/frei

Die Freiwillige Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rheinauen musste im vergangenen Jahr zu mehr als 300 Einsätzen ausrücken. Zwei seien für die Kameraden besonders fordernd gewesen, sagt Wehrleiter Michael Jaspers auf RHEINPFALZ-Anfrage.

Die Anzahl der Einsätze der vier Wehren im vergangenen Jahr sei im Vergleich zu 2018 ungefähr gleich, sagt der Feuerwehr-Chef. Auf Neuhofener Gemarkung musste die Feuerwehr am häufigsten ausrücken – 96 Mal. In Altrip und Waldsee gab es jeweils 85 Einsatzorte, in Otterstadt 40. Allerdings werden bei Unwettereinsätzen an einem Tag nicht alle Einsatzstellen einzeln gezählt, sodass es im Endeffekt noch mehr Einsatzorte waren. Da je nach Stichwort mehrere Wehreinheiten der Verbandsgemeinde alarmiert werden, seien die einzelnen Wehren noch wesentlich öfter ausgerückt, weist Jaspers hin. Er spricht pro Wehreinheit von zwischen 130 und 200 tatsächlich gefahrenen Einsätzen im vergangenen Jahr.

Viele Notfall-Türöffnungen

Die meisten Einsätze seien technische Hilfeleistungen gewesen. Der Wehrleiter nennt als Beispiele Verkehrsunfälle und Tragehilfen für den Rettungsdienst. Die Feuerwehr wird dafür angefordert, wenn adipöse Patienten für den Transport ins Krankenhaus meist mithilfe der Drehleiter aus einem Obergeschoss nach draußen transportiert werden müssen. Zu den technischen Hilfeleistungen zählen auch Notfall-Türöffnungen, die den größten Anteil ausgemacht hätten. Das seien zum Beispiel hilflose Personen wie ältere Menschen gewesen, die allein leben und in ihrer Wohnung gefallen seien, sagt Jaspers.

Emotional fordernd nennt er den Verkehrsunfall auf der Kreisstraße zwischen Waldsee und Altrip, bei dem Ende April eine junge Frau ums Leben kam. „Aufgrund ihrer schweren Verletzung mussten wir sie schnellstmöglich und sicher aus dem Fahrzeug befreien. Das setzt die Einsatzkräfte unter hohen Leistungsdruck. Leider ist sie im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen“, sagt der Wehrleiter.

Zeit- und kraftraubend sei der Einsatz beim Brand einer Lagerhalle im Juli in Otterstadt gewesen. „Beim Eintreffen der Feuerwehr stand die Halle bereits im Vollbrand. Es war eine große Herausforderung, das beginnende Übergreifen der Flammen auf mehrere direkt angebaute beziehungsweise benachbarte Gebäude zu verhindern“, sagt Jaspers.

Problem: Tagesalarmsicherheit

Die Feuerwehr in der Verbandsgemeinde Rheinauen sieht der Wehrleiter „in Summe recht gut“ aufgestellt. Insgesamt gibt es in der Verbandsgemeinde 168 Wehrleute. Die Neuhofener Wehr ist mit 48 Mitgliedern die größte in der Verbandsgemeinde. In Altrip hat die Wehr 44 Mitglieder, in Otterstadt 41 und in Waldsee 35. Den drei Jugendfeuerwehren gehören 29 Kinder und Jugendliche an. In diesem Bereich soll weiter Nachwuchs gewonnen werden.

Problematisch sei die Tagesalarmsicherheit, sagt Jaspers. Da tagsüber wenige Feuerwehrmitglieder in den Orten seien, weil sie auswärts arbeiteten, werden je nach Alarmstichwort alle Wehreinheiten alarmiert, um ausreichend Personal am Einsatzort zu haben, erklärt er.

Arbeitserleichterung erhofft

Als Herausforderungen in diesem Jahr nennt Jaspers, dass die Feuerwehr nach umfangreichen Vorarbeiten mit ihrer Verwaltungssoftware in den „Live“-Betrieb starten wird. Von der Datenbank mit allen wichtigen Feuerwehr-Informationen wie Personaldaten, Wartungsterminen und Einsatzberichten erhoffen sich die Wehrleute eine deutliche Arbeitserleichterung. Außerdem stehen in den nächsten Jahren weitere Ersatzbeschaffungen im Fuhrpark an – unter anderem eine neue Drehleiter. Die Planungen seien mit einem hohen Zeitaufwand für Recherche, Herstellergespräche, Messebesuche sowie die Konzept- und Ausschreibungserstellung verbunden. Denn die neuen Fahrzeuge müssten auf dem neusten technischen Stand sein, die aktuellen Normen erfüllen und den Anforderungen für die nächsten 20 bis 25 Jahre genügen, macht der Wehrleiter deutlich.

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