Speyer
VG Rheinauen: Interview mit Bürgermeister Fassott über Bürgerbus-Projekt
In der Verbandsgemeinde Rheinauen soll es einen Bürgerbus geben. Das haben die zusammenarbeitenden Fraktionen im Verbandsgemeinderat – SPD, Grüne und FWG Rheinauen – sowie die FWG Altrip mehrheitlich beschlossen. Bürgermeister Patrick Fassott (SPD) erklärt im Interview mit RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Christine Kraus, wie das Projekt umgesetzt werden soll – auch im Hinblick darauf, dass eine solche Idee bereits in zwei Ortsgemeinden angegangen wird.
Herr Fassott, in der Vergangenheit war das ein bisschen verwirrend: Erst wollten einige Ortsgemeinden einen Bürgerbus beantragen, da hieß es, das solle die Verbandsgemeinde organisieren. Die wiederum hat das Thema vor Ihrer Zeit als Bürgermeister an die Ortgemeinden zurückdelegiert. Jetzt, nach der Wahl, ist es wieder Thema der Verbandsgemeinde. Wo tut sich denn nun was?
In Waldsee wird das schon sehr professionell organisiert, da wird der Bürgerbus im neuen Jahr kommen. In Neuhofen entwickelt sich da auch gerade schon etwas. In Altrip liegt noch nichts spruchreif auf dem Tisch, in Otterstadt auch nicht.
Der Verbandsgemeinderat hat kurz vor Weihnachten die Einführung eines Bürgerbusses beschlossen. Wie passt das jetzt mit Bürgerbussen in den Ortsgemeinden zusammen?
Entscheidend wird jetzt sein, auf der dann schon bestehenden Bürgerbus-Struktur aufzusetzen, um intelligent die Linien zu verzahnen und optimale Umstiegsmöglichkeiten zu schaffen. Ich habe mich da schon mit meinem Amtskollegen Bürgermeister Stefan Veth besprochen, wo es schon einen Bürgerbus auf VG-Ebene gibt. (Veth ist Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim, Anmerkung der Redaktion). Allerdings wird dort ein anderes Konzept verfolgt, wir können da keine Blaupause machen. Auch in der VG Maxdorf verbindet ein Bürgerbus die Ortsgemeinden. Es gilt, weiter zu recherchieren.
Otterstadt, Waldsee und Neuhofen sind doch schon mit einer gut getakteten Buslinie verbunden. Warum brauchen die Ortsgemeinden einen Bürgerbus, der die Ortschaften verbindet? Da drängt sich ein bisschen der Gedanke auf, es gehe hauptsächlich darum, Altrip besser anzuschließen.
Nein, es geht nicht nur um Altrip. Ich habe zum Beispiel auch bei Jubilarbesuchen bei Senioren in Waldsee gehört, dass sie die Strecke bis zur nächsten Bushaltestelle nicht mehr laufen können oder sich eine Busfahrt nicht mehr zutrauen, den ÖPNV also gar nicht nutzen können. Auch diese Menschen profitieren von einem Bürgerbus. Generell geht es mir um Teilhabe mobilitätseingeschränkter Menschen aus allen Ortschaften unserer Verbandsgemeinde.
Haben Sie geprüft, ob es überhaupt Bedarf gibt?
Wie sollte man das machen? Das ist ein Projekt, das man einfach einmal starten muss. Die Erfahrungen aus den vielen anderen Kommunen in Rheinland-Pfalz sind eindeutig positiv. Die Kosten sind überschaubar, die Leasingrate für so einen Kleinbus ist gering. Wir fahren sicher keine Steuergelder an die Wand, viele Busse werden auch über Spenden teilfinanziert.
Welche Ziele soll der Bus denn verbinden?
Es geht nicht in erster Linie darum, die Menschen zu Behörden zu fahren, sondern dorthin, wo das Leben ist. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass Senioren aus den anderen Ortschaften gerne mal zu einer Seniorenveranstaltung des „Sonnigen Herbstes“ nach Neuhofen möchten oder an die Fährklause nach Altrip, um am Rhein zu sitzen, oder zum Italiener nach Otterstadt oder an die Frischetheke vom Wasgau in Waldsee. Es wird wohl auch immer Sonderfahrten geben, warum nicht mal in ein Restaurant im Campinggebiet oder auf die Kollerinsel? Das sind meine Visionen. Es geht um einen Lückenschluss von vernünftigen Zielen, der Menschen Teilhabe am Leben ermöglicht. Wir holen ältere Menschen, die in unserer Gesellschaft vergessen werden, wieder raus.
Aus anderen Gemeinden hört man, dass der Bürgerbus auch eine soziale Komponente hat, die Menschen einfach mitfahren, um unter Leute zu kommen.
Ja genau. Das hat mich bei den Vorträgen der Bürgerbus-Macher aus Limburgerhof immer am meisten beeindruckt. Ich habe die Dankesbriefe von Senioren aus Limburgerhof einsehen können. Da geht einem das Herz auf.
Wer soll den Bus denn fahren?
Da mache ich mir die wenigsten Sorgen. Mich sprechen jetzt schon Leute an. Wir brauchen die Best Ager so ab 60 plus. Ich glaube, dass viele an dieser Art Ehrenamt großen Spaß haben. Da wird sich wie beim Bürgerbus in Limburgerhof eine Eigendynamik entwickeln.