Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Verfallserscheinungen im Campinggebiet „Auf der Au“: Schutthalden und englischer Rasen

Wo einst Camper ihre Freizeit verbrachten, herrscht heute vielerorts Leere: Blumen wachsen inmitten zurückgelassener Bodenplatte
Wo einst Camper ihre Freizeit verbrachten, herrscht heute vielerorts Leere: Blumen wachsen inmitten zurückgelassener Bodenplatten. Foto: zin

Zwischen Hoffen und Bangen bewegt sich der Gemütszustand vieler Camper „Auf der Au“ bei Waldsee. Immer noch ist ungeklärt, ob es eine Zukunft für das Campinggebiet gibt. Bei einem Spaziergang über das Gelände ist zu spüren, wie der Verfall scheinbar unaufhaltsam voranschreitet – und wie sich die alteingesessenen Camper dagegenstemmen.

Das Leben auf dem Campinggebiet „Auf der Au“ bei Waldsee erwacht an diesem Vormittag. Die meisten Camper dürften gerade gemütlich gefrühstückt haben und gehen jetzt mit dem Hund spazieren oder lassen einfach im Liegestuhl vor ihren Campingwagen die Seele baumeln. Michael Adler, 63, und Manfred Wagner, 74, sind gerade weniger entspannt, denn sie zeigen dem Besuch von der RHEINPFALZ, was ihrer Meinung nach auf dem Platz alles schiefläuft und worüber sie sich jeden Tag ärgern. Manches lasten sie den Platzwarten an, manches der Betreiber-GmbH Naherholung in den Rheinauen, manches ihren Mitcampern. Alles in allem gewinnt der Besucher den Eindruck, das Campinggebiet neben dem Marxweiher befindet sich in einer Abwärtsspirale, die nicht erst gestern eingesetzt hat, und ein Stoppen scheint fast unmöglich.

Nach ein paar Metern den Hauptweg entlang erspähen Adler und Wagner direkt das erste Ärgernis: ein Müllsack am Wegesrand. Ein Mitcamper war wohl zu bequem, zur Müll-Sammelstelle zu laufen und hat ihn einfach hier abgestellt. „Das ist noch harmlos“, berichtet Adler. Nach den Wochenenden sehe es häufig noch schlimmer aus. Tiere hätten dann die Säcke aufgerissen, deren Inhalt sich dann über die Wege verteilt. Wenige Meter weiter ist einer der unbefestigten Wege an einer Stelle abgesackt. Dort sammle sich bei Regen Wasser, beschreiben die beiden Männer ein weiteres Problem. Direkt nebendran: eine Reihe von Wasserhähnen, an denen sich die Camper mit Trinkwasser versorgen können. Um sie zu öffnen braucht man einen speziellen Schlüssel, den man für einen geringen Betrag bei der Platzverwaltung erwerben könne, erklären Adler und Wagner. Doch manche Hähne funktionieren nicht mehr. Der Grund: Einige Camper wollten sich das Geld sparen und machten sich mit Zangen daran zu schaffen. Repariert werde immer weniger: „Die Platzwarte machen fast nichts mehr“, beklagt Michael Adler, der in Mannheim wohnt. Und wenn, dann erst nach Wochen.

Camper erheben Vorwürfe

Weiter geht es, einen der zahllosen Seitenwege entlang, wo sich eine Campingparzelle an die nächste reiht. Dabei immer wieder Kontraste: liebevoll gestaltete Gärtchen mit sauber gemähtem Rasen und gepflegten Campingwagen neben aufgegebenen Plätzen, auf denen die früheren Pächter allerlei Schutt zurückgelassen haben. Im hinteren Bereich gleicht das Gelände streckenweise einer Geisterstadt, neben komplett geräumten Plätzen finden sich dort immer wieder verlassene Wohnwagen. Linkerhand ist ein Auto auf einem der Plätze abgestellt – ohne Nummernschild, es steht dort laut Wagner und Adler schon lange. „Ganz früher hatten wir strenge Platzwarte“, erinnert sich Adler, der seit 30 Jahren seinen Platz „Auf der Au“ hat. Die hätten schon eingegriffen, wenn die Hecken auf einer Parzelle etwas zu hoch gewachsen seien oder wenn mal Baumaterial länger für alle sichtbar herumgestanden habe, berichtet Wagner und hebt eine Plastikschale auf, die es von einem Vogelhäuschen auf den Weg geweht hat. Die Camper – zumindest jene, denen das Gebiet am Herzen liegt – sorgen jetzt verstärkt selbst für Ordnung. Doch sie fühlen sich dabei von der Platzverwaltung im Stich gelassen. Bei einer regelmäßigen Aufräumaktion seien die Platzwarte nach zwei Terminen nicht mehr aufgetaucht, sagen sie.

Ein immer wiederkehrender Vorwurf: Die Betreiber-GmbH beziehungsweise ihre Vorgängerorganisation habe so gut wie nichts in den Platz investiert und das eingenommene Geld in andere Plätze gesteckt. „Das größte Problem ist, dass wir uns 30 Jahre lang nicht gefragt haben, was mit unserem Geld passiert“, findet Adler. Je schlechter der Zustand, in den der Platz geriet, desto zwielichtiger ist laut den alteingesessenen Campern zum Teil auch das neue Publikum, das sich ansiedelte. „Wer soll sich hier noch einen Platz suchen?“, fragt Adler. Auch gestohlen werde mittlerweile viel auf dem Campingplatz. Er könne aber nicht sagen, ob Profis, „unsere eigenen Jugendlichen“ oder wer auch immer dahinterstecke, berichtet Adler. Ein Problem „Auf der Au“: Es gibt weder einen Zaun um den Platz noch Schranken an der Einfahrt.

Wieder taucht ein Platz voller Schutt auf einer Seite des Weges auf. Vereinzelt blühen ein paar Sonnenblumen darauf. Der schlechte Zustand ziehe auch die Umgebung herunter, finden die Camper. „Wenn sich jemand einen Platz gegenüber mietet, dann schaut er auf einen Sauhaufen“, sagt Wagner. Ob der vermüllte Platz noch einen Pächter hat, der nur seinen Campingwagen verkauft hat, oder ob er schon ganz aufgegeben wurde, ist für den Außenstehenden meist nicht ersichtlich.

Sicher, dass es weitergeht

Die Diskussionen um die Zukunft des Campingplatzes verfolgen die Camper interessiert. Sie sind guter Dinge, dass es weitergeht mit Camping „Auf der Au“. „Ich bin zu 90 Prozent sicher“, sagt Adler. Und Wagner meint: „Was sollen die Bauern auch sonst mit dem Gelände machen?“

Mittlerweile ist Michael Adlers Tochter Christin dazugekommen. Die 30-Jährige ist „Auf der Au“ aufgewachsen. Seit sie 16 Jahre alt ist, hat sie ihren eigenen Campingplatz neben dem ihrer Eltern. „Das hier ist für mich mein zweites Zuhause“, sagt sie. Auch sie hat den Abstieg des Campingplatzes, auf dem heute von einst mehr als 3000 Parzellen noch rund 1000 belegt sind, miterlebt. Früher habe man alles bekommen auf dem Campingplatz: Brötchen vom Bäcker, Eier vom Eiermann, Gemüse von der Gemüsefrau und so weiter, erinnert sich Christin Adler. Die Camper, sie werden weiter darum kämpfen, dass die guten Zeiten wiederkehren.

Ist den verbliebenen Campern ein Dorn im Auge: der Müll, den mancher ehemalige Bewohner zurückgelassen hat.
Ist den verbliebenen Campern ein Dorn im Auge: der Müll, den mancher ehemalige Bewohner zurückgelassen hat. Foto: zin
Legen Wert darauf, dass ihre Plätze gepflegt sind: die Camper Michael Adler (links) und Werner Keitel.
Legen Wert darauf, dass ihre Plätze gepflegt sind: die Camper Michael Adler (links) und Werner Keitel. Foto: zin
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