Interview
Trotz Krieg gegen den Iran: „Die Reiselust ist ungebrochen“
Herr Glas, am Persischen Golf geht es hoch her, seit die USA und Israel am 28. Februar ihre Angriffe auf den Iran gestartet haben. Mussten auch Sie Kunden zurückholen?
Nein, glücklicherweise nicht. Wir hatten zwar Kunden in der Region, aber die waren zum Glück wieder zurück.
Neue sind auch nicht mehr in den Mittleren Osten geflogen, nehme ich an.
Die Nachfrage nach Reisen in den Orient ist derzeit nicht so hoch, das stimmt. Aber das hat auch damit zu tun, dass die Hauptreisezeit dorthin der Winter ist, der angenehmen Temperaturen wegen. Im Sommer wollen nur wenige nach Dubai, weil es zu heiß ist. Aber im Winter ist es als Ziel sehr beliebt.
Gerade die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen mit Dubai und Abu Dhabi über wichtige Luftdrehkreuze. Auch Doha in Katar ist so eines. Wie reagieren die Fluglinien auf die Situation?
Das ist unterschiedlich. Es geht ja vor allem um Reisen zwischen Europa und Asien sowie Afrika. Die Airlines weichen auf andere Standorte aus und fliegen andere Routen und Umwege. Oder sie bieten mehr Direktflüge an. Beides ist tendenziell allerdings teurer. Darin macht sich der Irankrieg schon bemerkbar. Aber drastische Preissprünge nach oben gab es nach meiner Beobachtung nicht.
Denken Sie, dass Urlauber die Golf-Region künftig eher meiden angesichts des Konfliktpotenzials, das dort herrscht?
Das ist schwer zu sagen. Da muss man abwarten. In der Vergangenheit war es immer wieder so, dass es mal Krisen für den Tourismus gab, zum Beispiel durch Terroranschläge oder innenpolitische Auseinandersetzungen in einzelnen orientalischen Ländern. Das war aber oft auch schnell wieder vergessen. Außerdem sind die jeweiligen Regierungen vor Ort auch immer sehr bemüht, die touristischen Ziele sicher zu machen.
Aber die Zeit der Kreuzfahrten im Persischen Golf sind vorbei, oder?
Auch das muss man abwarten. Aida hatte schon dieses Jahr keine Schiffe dorthin geschickt und wird es auch nächstes Jahr nicht tun. Was Anbieter wie Tui oder MSC tun werden, haben sie noch nicht gesagt. Ich persönlich bin zuversichtlich, dass sich der Orient als Urlaubsdestination von der aktuellen Delle wieder erholen wird.
Spüren Sie, dass Kunden ihre Reiseziele verlagern, also weg vom Orient und hin nach Südeuropa?
Nein. Die südeuropäischen Länder Spanien einschließlich der Balearen und Kanaren, Italien, Griechenland sowie die Türkei sind traditionell sehr beliebte Reiseziele, gerade für Pauschalreisende. Wer auf diese Weise unterwegs ist, hat den Vorteil, dass im Krisenfall der jeweilige Veranstalter in der Pflicht steht, sich um seine Kunden zu kümmern und sie eventuell sogar zurückzuholen. So hoch ist der Anteil der Orient-Reisen am Reisegeschehen insgesamt auch nicht. Denn der Nahe und Mittlere Osten kostet meist etwas mehr als eine Fahrt gen Süden. Eine Besonderheit ist Ägypten, das vergleichsweise viel gebucht wird.
Gibt es neue Trends beim Reisen ähnlich wie vor Jahren das Camping? Hausboote? Städtereisen?
Eigentlich nicht. Kreuzfahrten sind nach wie vor sehr beliebt. Was wir als Reisebüro merken: Viele Menschen schauen mehr auf den Geldbeutel und buchen eher online von zu Hause aus. Dabei haben wir im Reisebüro dieselben Preise. Insofern verlagert sich etwas dahingehend, dass bei uns eher höherwertige Urlaube im Ausland gebucht werden und keine Ferienwohnungen in Deutschland.
Die Deutschen lassen sich ihren Urlaub nicht durch Kriege und Krisen vermiesen, oder?
Nein, die Reiselust ist ungebrochen. Es gibt ja trotzdem so viele schöne Ziele, die man ansteuern kann.
Zur Person
Nico Glas (47) betreibt gemeinsam mit Frau und Tochter das Reisebüro „Meerweh“, das seinen Sitz im badischen Altlußheim, sein Ladengeschäft der Laufkundschaft wegen aber seit Sommer 2024 in der Maximilianstraße hat. Glas bereist gern das südliche Afrika.