Neuhofen / VG Rheinauen RHEINPFALZ Plus Artikel Tiefengeothermie: Bürgerinitiative wächst und stellt Geopfalz-Pläne infrage

Ein Teil der Gründungsmitglieder der BI Neuhofen, die vor rund einem Monat ins Leben gerufen wurde.
Ein Teil der Gründungsmitglieder der BI Neuhofen, die vor rund einem Monat ins Leben gerufen wurde.

Rote Plakate, viele Fragen: Die BI Neuhofen „Nein zur Tiefengeothermie“ wächst und stellt das Geothermie-Vorhaben „Rhein-Pfalz“ infrage. Sie fordert Alternativen.

„Wir gehen damit schlafen, wir wachen damit auf“, sagt Simone Eckrich. Die Neuhofenerin meint das geplante Tiefengeothermie-Vorhaben von Geopfalz. Sie spricht damit aus, was auch ihre Mitstreiter von der vor rund einem Monat gegründeten Bürgerinitiative (BI) Neuhofen „Nein zur Tiefengeothermie“ zurzeit erleben. Die Gruppe, die laut Mitteilung am 7. April mit 31 Gründungsmitgliedern startete, sei mittlerweile auf rund 70 Personen angewachsen, die aktiv mitarbeiteten. Hinzu kämen rund 400 Menschen aus allen Schichten und wahlberechtigten Altersklassen, die sich mit der BI verbunden fühlten, sagt Mario Niedhammer, ebenfalls Mitglied der BI.

Deren Sorgen gelten dem Tiefengeothermie-Projekt „Rhein-Pfalz“. Statt des ursprünglich in Waldsee geplanten Bohrplatzes ist dafür nun eine Fläche auf Neuhofener Gemarkung westlich der Schlicht im Gespräch. Geopfalz konnte sich in Waldsee kein Grundstück sichern; dort protestiert ebenfalls eine Bürgerinitiative. Die kommunale Projektgesellschaft der Stadtwerke Speyer und der Stadt Schifferstadt möchte Wärme aus bis zu 3500 Meter Tiefe fördern. Diese soll in das Fernwärmenetz der Stadt Speyer eingespeist werden. In Neuhofen soll in einem ersten Schritt ebenfalls ein Wärmenetz entstehen, an das öffentliche Gebäude sowie die Hochhäuser angeschlossen werden könnten. Das Wärmereservoir liegt unter Tage östlich der Schlicht auf Waldseer Gemarkung. Die Flächen auf Neuhofener Gemarkung gehören der Ortsgemeinde. Der Ortsgemeinderat soll am Dienstag, 12. Mai, laut Tagesordnung entscheiden, ob er dem Projekt zustimmt und ob sich die Ortsgemeinde als dritter Partner an Geopfalz beteiligt und dafür die benötigten Grundstücke bereitstellt.

BI: Zeitdruck passt nicht zur Dialogbereitschaft

Die Dringlichkeit, mit der die Entscheidung nun fallen soll, sei „für unsere Bürger“ nicht nachvollziehbar, sagt Eckrich. „Das ist ein sehr komplexes Thema. Wie wurden die Gemeinderäte in Kenntnis gesetzt?“, fragt Niedhammer. Viele Menschen in Neuhofen wüssten nichts über das Projekt, über Tiefengeothermie. „Zur Einwohnerversammlung konnte nicht jeder kommen“, bringt Oliver von Kobbe von der BI vor. Die Zeitschiene passe nicht zur Dialogbereitschaft, die vorgegeben werde, sagt Jens Floryszak. Vertreter der BI sind für 18. Mai von Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) zu einem Treffen eingeladen worden.

Dass die Flächen für den Bohrplatz an eine Anstalt öffentlichen Rechts – die „Regenerative Energie Neuhofen AöR“ – übertragen wurden, werfe ebenfalls Fragen auf. Die Flächen befänden sich somit nicht mehr im Entscheidungsbereich des Ortsgemeinderats, für den Verwaltungsrat der Anstalt gebe es keine demokratische Legitimation, sagt Floryszak. „Fehlende Transparenz, Informationsdefizite und der hohe Zeitdruck hätten viele zum Nachdenken gebracht“, fassen die BI-Vertreter zusammen.

An der Waldseer Ortsausfahrt Richtung Neuhofen: Protestplakat der BI Neuhofen „Nein zur Tiefengeothermie“.
An der Waldseer Ortsausfahrt Richtung Neuhofen: Protestplakat der BI Neuhofen »Nein zur Tiefengeothermie«.

Kritik: Projekt zu teuer, Nutzen nicht sicher

Die BI fordert, dass Alternativen zum Projekt von Geopfalz geprüft werden: „Wir sind nicht pauschal gegen Tiefengeothermie. Wir sind gegen den Ansatz von Geopfalz, die Wärme im offenen System aus der Tiefe zu fördern“, sagen die BI-Vertreter und argumentieren mit den Risken und der ihrer Meinung nach nicht aufgehenden Kosten-Nutzen-Rechnung. Das Tiefengeothermie-Vorhaben, für das Kosten von rund 100 Millionen genannt wurden, soll im sogenannten „offenen System“ durch Förderbohrung und entfernte Hochdruck-Injektionsbohrung als Pilotprojekt in doppelter Ausführung (Dublette) verwirklicht werden. Dadurch könnten Erdbewegungen entstehen, was gemäß Vorgaben des Bergbauamts dazu führen müsste, dass die Leistung der Anlage reduziert beziehungsweise die Anlage abgeschaltet werden müsste. Die BI sieht es dadurch nicht als gegeben an, dass die Wärme aus der Tiefe immer zur Verfügung steht. Gleichzeitig bestünden jedoch Risiken für Schäden an Gebäuden und Infrastruktur, die per Versicherung abgesichert werden müssten. „Das Risiko haben wir sofort, aber wann und ob wir überhaupt einen Nutzen von dem Tiefengeothermie-Projekt haben, wissen wir nicht“, sagt Floryszak.

Die BI-Vertreter sind der Meinung, dass eine CO2-neutrale, dauerhafte Wärmeversorgung für Neuhofen anstelle des Geopfalz-Projekts mit deutlich günstigeren Alternativen verwirklicht werden könnte. Sie beziehen sich auf Projekte in verschiedenen Teilen von Deutschland und nennen Tiefengeothermie im geschlossenen System, also in einem geschlossenen Kreislauf ohne „Verpressung von Tiefenwasser und Druckmanipulation im Untergrund“, mitteltiefe Geothermie sowie die Wärmeerzeugung über Biomasse oder aus Abwasser, wofür sich die Kläranlage zwischen Limburgerhof und Neuhofen anbieten würde. „Wir würden uns wünschen, dass der Gemeinderat noch einmal nachdenkt. Das sind riesige Kosten, Steuergelder“, sagen die BI-Vertreter. Sie sammeln bereits Unterschriften für ein Bürgerbegehren und möchten eine „Dorfmoderation“ erreichen, bei der sich alle Bürger informieren können, um dann eine Entscheidung für oder gegen Tiefengeothermie treffen zu können.

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