Speyer
TE Connectivity: Bangen mit den Kollegen von Mann + Hummel
Am Speyerer Standort des Elektronikherstellers TE Connectivity werden die schlechten Nachrichten von Mann + Hummel sehr genau zur Kenntnis genommen. „Die Leute machen sich Gedanken“, sagt Altan Kilic, der schon viele Jahre im Betriebsrat tätig ist und im April dessen Vorsitz übernommen hat. „Man sieht, dass es von heute auf morgen passieren kann.“ Knapp 800 Festangestellte plus 70 bis 80 Leiharbeitskräfte zähle der TE-Standort. Er liegt im Industriegebiet West in der Siemensstraße – nach dem Vorgängerunternehmen an diesem Standort benannt – nur wenige hundert Meter von Mann + Hummel entfernt, wo nun 600 Jobs auf der Kippe stehen.
Auch über den Standort von TE Connectivity gibt es schon länger Spekulationen. In der Vergangenheit arbeiteten dort mehr als 1000 Menschen. Das Werk war 2022 zunächst gewachsen, 2023 wieder kleiner geworden und 2025 dann im Firmenprogramm „Future Proof“ gelandet, mit dem der Konzern zukunftsfähig gemacht werden soll. TE – ein Unternehmen mit Wurzeln in den USA, das seinen Standort 2024 aus der Schweiz nach Irland verlegt hat – betreibt 15 Werke in neun Ländern, darunter vier in Deutschland. Eine Ankündigung wie bei Mann + Hummel, Aufträge aus Speyer in andere Werke zu verlagern, kennt man bei TE auch, wenn auch bisher in kleinerem Maßstab.
Verlagerung versus Joberhalt
Mit „Future Proof“ gehen Betriebsänderungen einher, die den Speyerer Standort betreffen. Im ersten Jahr hätten in der Folge rund 90 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, so Kilic. Bei der nun anstehenden zweiten Runde werde wie damals zum Interessenausgleich gegriffen. Dabei handelt es sich um ein Instrument, bei dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite versuchen, die gegensätzlichen Interessen – Verlagerung versus Joberhalt – auszugleichen. Mit dem ersten Ausgleich sei es gelungen, ein Freiwilligenprogramm mit Sozialplan und Vorruhestandsregelungen zu relativ guten Konditionen auszuhandeln. Es bleibe abzuwarten, welche Ziele für das im Oktober beginnende neue Geschäftsjahr aufgerufen werden, sagt Kilic.
Von der Geschäftsführung gebe es ein Bekenntnis zu Speyer, sagt der Betriebsrat-Chef. Eine Schließung des auf Sensoren und Steckverbindungen spezialisierten Werks sei derzeit kein Thema. Trotzdem beunruhigten jüngere Weichenstellungen, denn der pfälzische Standort habe die Herstellung bestimmter Stanzprodukte an andere TE-Werke abgeben müssen, mit denen wegen hoher Stückzahlen über Jahre gute Geschäfte verbunden gewesen seien. Umgekehrt werde verstärkt auf Spezialaufträge mit geringen Stückzahlen und häufigen Maschinen-Umrüstungen gesetzt, bei denen Kosten und Ertrag in einem schlechteren Verhältnis stünden. Eine Befürchtung ist, dass das irgendwann negative Auswirkungen haben könnte, wenn nur auf den Gewinn geschaut würde.
Weniger Azubis
Auch die schon länger angekündigte Schließung der Galvanik in Speyer wird bedauert. In diesem Bereich, in dem die Produkte mit einem dünnen Metallüberzug versehen werden, waren früheren Angaben zufolge 46 Mitarbeiter tätig. Inzwischen werde jedoch auf eine modernere Galvanik-Anlage im bayerischen TE-Werk Wört/Dinkelsbühl gesetzt. Verringerte Ausbildungszahlen in Speyer haben laut Kilic auch damit zu tun, dass an der Speyerer Berufsschule 2025 keine Werkzeugmacher-Klasse mehr zustande gekommen ist. Der in den 1990er-Jahren übernommene frühere Siemens-Standort sei dennoch sehr leistungsfähig, ist Kilic überzeugt. Er hoffe, dass sich eine weitere Parallele zu Mann + Hummel – Automobil-Zulieferer in der Umstrukturierung – nicht auf die Sicherheit der Jobs ausstrahle.
Die Speyerer Werksleitung – vor wenigen Monaten mit Thorsten Hirsch in Nachfolge von Maik Niewöhner neu besetzt – hat auf Anfrage mitgeteilt, auf ein Gespräch mit der RHEINPFALZ verzichten zu wollen.