Speyer Tagung beschäftigt sich mit dem Dom
Unter der Überschrift „Der Dom zu Speyer im Laufe des vergangenen Jahrtausends“ beschäftigten sich verschiedene Fachvorträge mit der romanischen Kathedrale.
Zu Beginn standen hier astro-archäologische Überlegungen des österreichischen Bauingenieurs Erwin Reidingers zum Gründungsdatum des Domes. Martin Armgart sprach über „den spätmittelalterlichen Dom anhand von Quellenzeugnissen“. Anschließend beleuchtete Hans Ammerich die Zerstörung des Doms im Jahr 1689 und den Wiederaufbau unter Bischof Limburg-Stirum. Hannelore Putz, Leiterin des Passauer Bistumsarchivs, widmete sich dem Verhältnis von König Ludwig I. von Bayern zum Speyerer Dom und stellte dieses im Spannungsfeld zwischen Modernisierung und Traditionsbildung dar.
Restaurierungen seit 1930
Der Direktor des Speyerer Bistumsarchivs, Thomas Fandel, thematisierte die Feier der Speyerer Domjubiläen im 20. Jahrhundert im Kontext politischer und kirchlicher Entwicklungen. Dem folgte ein Vortrag von Dombaumeisterin Hedwig Drabik, die die Restaurierungsarbeiten am Dom zu Speyer von 1930 bis in die Gegenwart mit Blick auf die technischen Entwicklungen erläuterte.
Den Schlusspunkt der Vortragsreihe setzte der öffentliche Festvortrag von Bernd Schneidmüller. Der Historiker, der lange an der Heidelberger Universität gelehrt hatte, sprach über den „Dom zu Speyer und seine Wege in die mittelalterliche Geschichte“. Er machte sich auf die Suche nach Schriftquellen, durch welche der Speyerer Dom „in die Geschichte kam“, und wertete deren Aussagen zu markanten Ereignissen in der Historie der Kathedrale. Sein Vortrag, der einmal mehr bewies, dass die Beschäftigung mit Geschichte spannender als jeder Krimi sein kann, machte deutlich, dass der Dom zu Speyer erst Ende des 13. Jahrhunderts in vorliegenden schriftlichen Quellen thematisiert wurde und dann wieder Ende des 15. Jahrhunderts.
Erst Ende des 13. Jahrhunderts kamen Grundsteinlegungen bei bedeutenden Bauwerken „in Mode“. Im 11. Jahrhundert kannte man dergleichen noch nicht, weshalb die Mär von den drei Grundsteinlegungen des Domgründers Konrad II. an einem Tag, am 12. Juli 1030, so nicht stimmen kann. Zumal der Monarch an diesem Tag gar nicht in der Gegend war. Schneidmüller verwies auf verschiedene Zeugnisse, aus denen wohl dieses Datum „zusammengesetzt“ wurde. Doch dies war nur ein Aspekt der erhellenden Ausführungen eines Kenners der Domgeschichte sonders gleichen.
Auch wenn 1030 also nicht zweifelsfrei das Gründungsjahr des Doms ist, in vier Jahren das Tausendjährige des Baus zu feiern, erscheint Bernd Schneidmüller als durchaus möglich und berechtigt, wie er sagte.
Das Tagungsprogramm umfasste auch mehrere Führungen. Einen geistlichen Akzent setzte ein Gottesdienst in der Afrakapelle des Doms, den Weihbischof em. Otto Georgens, Vizepräsident der Gesellschaft, zelebrierte.
Ehrung von Paul Warmbrunn
Ein besonderer Programmpunkt war die Ehrung von Paul Warmbrunn, ehemaliger stellvertretender Leiter des Pfälzischen Landesarchivs. Er wurde für seine Verdienste um die Erforschung der pfälzischen Kirchen- und Landesgeschichte mit der Ehrengabe der Gesellschaft ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der Präsident der Gesellschaft Thomas Brockmann. Er erklärte, Paul Warmbrunn gehöre zu den „profiliertesten Kennern der frühneuzeitlichen Kirchengeschichte“ und habe insbesondere mit seiner Dissertation zur konfessionellen Koexistenz „eine weithin bekannte Grundlagenarbeit“ vorgelegt. Er hob hervor, Warmbrunn sei seinem Forschungsschwerpunkt treu geblieben und habe zugleich ein außergewöhnlich breites Werk geschaffen, das von der Kirchen- über die Justiz- bis zur Wirtschaftsgeschichte reiche. Warmbrunn selbst bezeichnete es als Glücksfall, dass er die Archivlaufbahn eingeschlagen und in der gemischt-konfessionell Pfalz gelandet sei.
Die 1948 gegründete Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte vereint Forschende und kirchenhistorisch Interessierte aus den Bistümern Erfurt, Fulda, Limburg, Mainz, Speyer und Trier. Sie organisiert regelmäßig wissenschaftliche Tagungen, initiiert Forschungs- und Editionsprojekte und fördert den Austausch zwischen Theologie, Kultur- und Geisteswissenschaften. Die Jahrestagungen sind turnusmäßig in den beteiligten Bistümern.