Speyer
Struktur, Gemeinschaft, Aufgabe: Das Rezept für hohes Alter im Orden Sankt Dominikus
Schwester Renata heißt mit bürgerlichem Namen Anna Johann. Sie wird ihren besonderen, runden Geburtstag am Samstag im Haus des Speyerer Ordens in der Vincentiusstraße feiern. Mit bürgerlichem Namen heißt sie Anna Johann. Sie glaubt, dass sie dank ihrer sehr positiven Lebenseinstellung ein so hohes Alter erreicht hat. Beim Gespräch mit der RHEINPFALZ war auch Johanns jüngere Mitschwester, mit bürgerlichem Namen Gertrud Dahl, dabei. Sie erläuterte, warum Ordensfrauen häufig sehr alt werden können. Es gebe dafür vier Voraussetzungen, nämlich die Gemeinschaft, ein strukturierter Tagesablauf, ein einfacher Lebensstil und für lange Zeit eine Aufgabe. Inzwischen sei Schwester Renata die fünfte Ordensfrau innerhalb des Instituts Sankt Dominikus, die 100 Jahre wird, sagt Dahl.
Anna Johann wurde am 16. Mai 1926 in Dahn geboren. Ihre Eltern waren als Hausmeister an einer Schule in Dahn tätig. Sie hatte fünf Geschwister. „Mein Vater, der noch als Kirchendiener tätig gewesen ist, wurde im Dritten Reich noch mit 56 Jahren zum Militär eingezogen. Auch meine drei Brüder mussten zum Militär. Weil Dahn geräumt worden ist, sind wir nach Unterfranken in die Nähe von Bad Kissingen gezogen, dann nach Philippsburg. Dort bin ich bis 1940 zur Schule gegangen“, berichtet die Jubilarin. Im September 1940 zog die Familie wieder nach Dahn zurück. Johann arbeitete mit 17 Jahren im Krankenhaus Sankt Josef in Dahn in der Küche und in der Wäscherei. Sie entschied sich, ins Kloster zu gehen und kam nach Speyer ins Institut Sankt Dominikus.
Sie absolvierte eine Ausbildung zur Krankenpflegerin für zwei Jahre im Sankt Marienkrankenhaus in Ludwigshafen. In der Krankenpflege arbeitete sie bis zu ihrem 67. Lebensjahr, zwei Jahre in Ludwigshafen während der Ausbildung, dann ab 1952 bis 1993 in Reipoltskirchen bis zu ihrer Pensionierung. Danach half sie noch bei der Krankenpflege bis 1998 aus, auch bei Nachtwachen. Ihren geliebten Handarbeiten habe sie sich nun häufiger widmen können, denn eigentlich wollte sie lieber in diesem Beruf eine Lehre machen, doch ihre Vorgesetzte habe ihr erklärt, dass im Pflegebereich ein viel höherer Bedarf vorliege. „Das stimmt auch noch heute, von uns arbeiten nur noch zwei Ordensschwestern in der Krankenpflege in Speyer“, bedauert Schwester Renata. Generell sei die Zahl an Ordensschwestern deutlich zurückgegangen.
An ihrem Ehrentag will Anna Johann eine Rikschafahrt unternehmen. Das habe sie sich schon lange gewünscht.