Speyer Streit zwischen Sommer und Winter: Brauchtum mit großer Resonanz

Der Schneemann brennt: führt beim Sommertagszug auch mal zu Tränen.
Der Schneemann brennt: führt beim Sommertagszug auch mal zu Tränen.

„Ri ra ro, der Sommertag ist do“ – das singen Kinder in Speyer seit 80 Jahren beim Sommertagszug – organisiert vom Verkehrsverein. Auch 2026 wieder.

Am Sonntag, 15. März, 14.30 Uhr, setzt sich der Sommertagszug im Domgarten am Ölberg in Bewegung. Die im vergangenen Jahr gewählte Zugstrecke hat sich aufgrund der gestiegenen Sicherheitsanforderungen bewährt und wird beibehalten, so die Ansicht des Vereins, der eine Alternative zur längeren Traditionsstrecke ab dem Altpörtel finden musste.

Die Tradition an sich wird nicht unterbrochen: Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg lebte 1946 der Sommertagszug in Speyer wieder auf. Wie dies gelang, darüber ist wenig bekannt. Überliefert ist, dass zum Auftakt noch nicht im März, sondern erst am 5. Mai marschiert wurde. „Der Sommertag sollte ein richtiger Sonnentag sein“, so ein Text von Hermann Langlotz aus dem Jahr.

Start nach dem Krieg

Seit 1946 veranstaltet der Verkehrsverein Speyer den Sommertagsumzug. Am Sonntag „Laetare“ (Mitte der Fastenzeit) – es finden sich geschichtliche Nachweise bis ins 16. Jahrhundert – werden die wesentlichen Elemente des Sommertagbrauchs gepflegt: Sommer und Winter sind personifizierte Maskengestalten. Der Streit der beiden endet mit dem obligatorischen Sieg des Sommers. Beim öffentlichen Umzug werden Sommertagsstecken und Brezeln mitgeführt. Die Wurzeln des Brauchs gehen auf das uralte germanische Sommertagsfest zurück.

In der gut gefüllten Speyerer Veranstaltungslandschaft gehört der Sommertagsumzug zu den ersten Festen, die im Freien durchgeführt werden. Der Umzug hat bis heute bei Jung und Alt großen Zuspruch. Im Vorfeld bereitet ein Freundeskreis um Familie Brack mit viel Arbeit die buntgeschmückten Sommertagsstecken vor und verkauft Hunderte davon auf den Wochenmärkten für einen sozialen Zweck.

Vorab wird gebastelt

Kindertagesstätten und Schulen basteln bunte Verkleidungen. Sie stellen symbolisch den Frühling und Sommer dar. Die Domsingschule übt Sommertagslieder. Die Kinder-Tanzgruppe des TSV Speyer studiert einen Tanz ein. Das Sicherheitskonzept wird in Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung, Feuerwehr und Polizei erstellt. Das Pferdefuhrwerk und musikalische Zugbegleitung durch den Fanfarenzug sowie die Blaskapelle Schwegenheim werden organisiert. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) ist für die Sicherheit der Teilnehmer eingebunden. Und der Baubetriebshof der Stadt baut den mächtigen Schneemann, um den es ja im Wesentlichen geht. Mit seinen über sechs Metern, auf dem Pferdefuhrwerk dann noch größer wirkend, ist er nicht nur für Kinder beeindruckend.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Um die Organisation kümmern sich Claus Rehberger, Geschäftsführer beim Verkehrsverein, Esther Wedekind-Razvi und ein Team von engagierten Helferinnen und Helfern. Esther Wedekind-Razvi übernahm die Leitung des Sommertagsumzug vor 15 Jahren von ihrem inzwischen verstorbenen Vater Günter Wedekind, der zweiter Vorsitzender und Ehrenmitglied des Vereins war. Sein Vorgänger war der als „Sommertagsvater“ bezeichnete Speyerer Beigeordnete Stefan Scherpf.

Immer wieder in den vergangenen 80 Jahren gab es kleine Änderungen an der Zugstrecke oder am Ablauf. Aber im Kern blieb es dabei: Eine große Anzahl von Kindern (und Eltern und Großeltern) sind begeistert dabei und freuen sich, dass der Sommer sich durchsetzt und der Frühling dann in den Sommer übergehen kann. Beim durch die Feuerwehr übernommenen Entzünden des Schneemanns kommt es vereinzelt zu Tränen bei Kindern. Esther Wedekind-Razvi tröstet dann mit den Worten: „Liebe Kinder, es tut dem Schneemann wirklich nicht weh, er ist aus Stoff und Holzwolle.“

Tipps für die Teilnehmer

Die Stadt Speyer kündigt im Vorfeld des Umzugs Einschränkungen für den Verkehr von etwa 14.30 bis 16 Uhr auf dem Weg durch den Domgarten, über die Klipfelsau, den Schillerweg und die Rheinallee bis zur Domwiese an. Sie empfiehlt die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: „Aufgrund des erfahrungsgemäß hohen Besucheraufkommens kann es insbesondere in der Innenstadt zu Verkehrsbehinderungen kommen.“ Die Parkplätze unter anderem am Festplatz, Naturfreundehaus, Technik-Museum und Dom seien geöffnet.

Termin

Selbstgebastelte Sommertagsstecken werden bei den Wochenmärkten an den Freitagen vor dem Umzug, 6. und 13. März, auf dem Berliner Platz und an den Samstagen 7. und 14. März auf dem Königsplatz verkauft, jeweils von 9 bis 13 Uhr.

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