Schwetzingen
Strauss-Feuerwerk bei „Schloss in Flammen“
Am Ende gehört der Abend Johann Strauss (Sohn, 1825-1899). Das Finale beginnt mit der Ouvertüre zur „Fledermaus“, dem federnden Vorspiel zur Operette; es folgt „Unter Donner und Blitz“, die schnelle Polka, in der Pauken und Becken ein Sommergewitter nachzeichnen; und es schließt mit dem Radetzky-Marsch, bei dem das Publikum traditionell im Takt mitklatscht. Zu diesem Strauss wird im Schwetzinger Schlossgarten das Synchronfeuerwerk gezündet, am Boden und in der Höhe.
Zwei der drei Stücke stammen vom jüngeren Johann Strauss; der Radetzky-Marsch ist das Werk seines Vaters. Dorthin, ins Wienerische, war das Programm nicht von Beginn an unterwegs. Was gespielt wird, verhandelt das Nationaltheater jedes Jahr neu – Operndirektor Thomas Hermann muss disponieren, welche Sänger frei sind, der Spielbetrieb läuft ja weiter, und zweimal dasselbe will niemand hören. Der Abend beginnt italienisch, mit dem leichten Belcanto Bellinis, führt über Bizet und Offenbach ins Französische und kippt erst spät zur Operette.
Händel hätte nicht gepasst
Ursprünglich war für das Finale Händels Feuerwerksmusik vorgesehen, doch je weiter das Programm Richtung Strauss zog, desto seltsamer wäre Händel am Schluss gewesen, plaudert Veranstalter Erwin Clausen aus dem Nähkästchen. „Wenn wir schon bei der Operette gelandet sind“, sagt Hermann, „machen wir auch Strauss.“ Walzer und Polkas lassen den Feuerwerkern ohnehin mehr Spielraum als ein fester Schlussakkord.
All das geschieht im Schwetzinger Schlossgarten, den Kurfürst Carl Theodor anlegen ließ, als er die Stadt zur Sommerresidenz machte – einer der schönsten Gärten Europas. „Carl Theodor liebte rauschende Feste“, sagt die heutige „Hausherrin“, Patricia Alberth von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, „das spürt man hier noch.“ Der Intendant der Oper Albrecht Puhlmann nennt schon das Betreten dieses Gartens, der Biotop und Denkmal zugleich ist, ein Erlebnis. Zum 17. Mal gibt es die Operngala, zum zehnten Mal das Feuer im Garten. Dass sie einmal so groß werden würde, habe am Anfang niemand geahnt, erzählt Clausen.
Das Feuer zu dieser Musik zu zünden, ist Handwerk, und kaum jemand sieht es. Gezündet wird nicht nach einem Computertakt, sondern nach einem lebendigen Dirigat. Vorn schlägt Jānis Liepiņš, der stellvertretende Generalmusikdirektor, den Takt, das Feuer hat ihm zu folgen, Tempo für Tempo – wie beim Radetzky-Marsch das mitklatschende Publikum. Die Pyrokünstler Renzo Cargnelutti und Thomas Fischer von „Art & Fire“ führen die Regie über das Feuer. „Es gibt wenig Feuerwerker, die eine Partitur lesen können“, sagt Clausen, und man merkt, dass ihn gerade das jedes Mal von Neuem freut.
Nur eine Chance
Die Illumination lässt sich nur ein einziges Mal abbrennen, an genau diesem Abend, kein zweiter Versuch. Dahinter liegen Monate Vorbereitung: jeder Zündweg berechnet, jeder Handgriff geprobt, alles für ein paar Minuten Wirkung. Und das Wetter? Clausen, gefragt, was bei Regen geschehe, bleibt knapp: „Dann regnet's.“
Durch den Abend führt erneut der kurpfälzische Mundart-Kabarettist Chako Habekost. Nach dem Strauss-Finale folgt die feste Zugabe: Elgars „Pomp and Circumstance“. Würde sie ausgelassen, gäbe es im Publikum fast so etwas wie Aufruhr. Ein wenig von der Begeisterung der Londoner Proms ist offenbar über den Ärmelkanal bis in die Kurpfalz gekommen.
Info
Operngala „Schloss in Flammen“ am Samstag, 27. Juni, 20 Uhr im Schlosspark Schwetzingen. Tickets bei Eventim oder an der Theaterkasse des NTM.