Speyer Stets die Sirene im Ohr

Schon als kleiner Junge war Johannes Feyrer von der Feuerwehr begeistert. Nachdem er mit knapp sieben Jahren zugeschaut hatte, wie die Feuerwehr einen Dachstuhlbrand in der Nähe seines Elternhauses auf der Hambacher Höhe gelöscht hatte, war seine Leidenschaft endgültig geweckt. Seit März ist der 55-jährige ehemalige Neustadter nun Leiter der Kölner Berufsfeuerwehr und damit Chef von 1900 hauptamtlichen und ehrenamtlichen Feuerwehrleuten sowie von 300 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr.
Bis es soweit war, sind natürlich einige Jahre ins Land gegangen. Nach dem ersten miterlebten Feuerwehreinsatz passte der damals Siebenjährige immer auf, ob in Hambach die Feuerwehrsirenen, die es damals noch gab, losgingen, ob ein Martinshorn zu hören war. Wenn möglich, habe er auch den Feuerwehrfunk abgehört, verrät Feyrer. Und sobald er einen Alarm mitbekam, „bin ich erst mit dem Tretroller und später mit dem Fahrrad der Feuerwehr hinterher gefahren“. Bald war er bei den Wehrleuten bekannt und durfte manchmal Hilfsdienste übernehmen – Schläuche einrollen nach einem Einsatz zum Beispiel. Eine Jugendfeuerwehr gab es damals in Neustadt nicht, deshalb musste Johannes Feyrer bis zu seinem 18. Lebensjahr warten, um in die Feuerwehr aufgenommen zu werden. Den Tag weiß er noch ganz genau: Am 16. März 1977 war es soweit, knapp drei Wochen vor seiner Volljährigkeit. „Der Löschzug eins, das war mein Löschzug.“ Nach dem Abitur am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium studierte Feyrer Maschinenbau in Karlsruhe. Ein Studium war die Voraussetzung für die höhere Laufbahn bei der Berufsfeuerwehr. Obwohl er damals in Karlsruhe wohnte, verpasste er den größten Einsatz der Neustadter Feuerwehr, den Brand des Saalbaus, nicht. „Ich hatte morgens erfahren, dass der Saalbau brennt, bin sofort in den nächsten Zug nach Neustadt gestiegen und vom Bahnhof aus zum Saalbau gelaufen“, erzählt Feyrer. Er war damit zwar nicht der Erste an der Brandstelle, blieb aber zwei Tage fast ununterbrochen dort. „Und ich war dann der letzte Feuerwehrmann, der den Saalbau verließ.“ Nach Abschluss des Studiums absolvierte der Pfälzer ein Praktikum bei der BASF-Werksfeuerwehr und begann die Ausbildung für den höheren feuerwehrtechnischen Dienst bei der Berliner Berufsfeuerwehr. Während der zweieinhalbjährigen Ausbildung lernte er Berufsfeuerwehren in ganz Deutschland und in der Schweiz kennen. Doch übernahm ihn die Berliner Feuerwehr letztlich nicht – weil er eine Brille tragen muss. Deshalb habe er sich bei anderen Wehren beworben, auch mehrere Zusagen bekommen und sich für Köln entschieden, erzählt der 55-Jährige im Rückblick. „Ich habe von Köln eigentlich nichts gewusst, außer dass es dort einen Dom gibt“ – und dass er in Köln ein Stück näher an der Neustadter Heimat war als bislang. Im Dezember 1986 trat er so seine erste Stelle als Brandwart an. Mit nur einem Koffer sei er in Köln angekommen und habe zunächst in der Feuerwache gewohnt. „Ich wollte weder Chef der Feuerwehr Köln werden, noch war ich der Meinung, ich würde immer hier bleiben“, erinnert sich Feyrer. Doch mit der Zeit wurde er sesshaft, heiratete. Eine Tochter, inzwischen 21 Jahre alt, und ein Sohn, heute 18, wurden geboren. Feyrer durchlief die Stufen des höheren Dienstes, wurde Leitender Branddirektor und vor 13 Jahren stellvertretender Chef der Kölner Berufsfeuerwehr. „Das war eine prima Sache: Es geht nicht ohne dich, aber du bist nicht für alles verantwortlich.“ Als die Pensionierung des Wehrleiters anstand, habe er bis zuletzt überlegt, ob er sich um die Nachfolge bewerben soll. Weil er so lange dessen Stellvertreter gewesen sei, habe das fast jeder erwartet. Doch nicht nur deshalb habe er schließlich seinen Hut in den Ring geworfen, sondern vor allem, „weil es bei der Kölner Feuerwehr sehr schön ist“. Während Johannes Feyrer all das am Telefon erzählt, läuft im Hintergrund eine Sirene an. Die hört der Feuerwehrchef nicht nur, wenn er im Dienst ist. Denn mit seiner Familie lebt er in einem Haus direkt neben einer der Kölner Feuerwehrwachen.