Speyer Stetes Bekenntnis zu Gott
Die Frage nach Gründen für sein Engagement stellt sich Alwin Gilbert nicht. Leben und Religion als Bekenntnis des Menschen zu Gott bilden für ihn eine Einheit. 36 Jahre lang war er Presbyter, Ende November hat ihn die protestantische Kirchengemeinde Römerberg zum Ehrenpresbyter ernannt. Vor zwei Jahren bereits würdigte das Land Rheinland-Pfalz Gilberts Verdienste, auch um den Schützenverein und die Teestube, mit der Ehrennadel.
Gilbert, geboren 1938, ist ein Ur-Mechtersheimer. Sein Selbstverständnis von Glauben und Kirche hätten seine religiösen Eltern geprägt, erzählt er. Das Heim der Kindheit steht neben seinem Haus in der Philippsburger Straße. Wobei: Der Vater war Katholik, und „Mischehen“ zwischen Katholiken und Protestanten zur damaligen Zeit alles andere als einfach. Auch in den meisten Familien, gleich welcher Konfession diese waren, waren derlei Verbindungen nicht gern gesehen. Der junge Alwin wurde Mitglied der Jungschar, damals der Name für Jugendgruppen und des Kirchenchors. Daneben war er in der evangelischen Jugendarbeit aktiv, von 1969 bis 1981 Kirchenrechner. 1978 wählte ihn die Kirchengemeinde zum Presbyter und bestätigte ihn über 30 Jahre immer wieder in der Funktion. Im Anschluss an die Volksschule erwarb er auf dem zweiten Bildungsweg die Mittlere Reife, lernte in der BASF Maschinenschlosser, wurde Maschinenbautechniker, wechselte in die Ingenieurschule für Verfahrenstechnik Mannheim, arbeitete als Diplom-Ingenieur bei Grünzweig & Hartmann in Ludwigshafen. Gilbert hat zwei Töchter und drei Enkelkinder. Ehefrau Margitta starb vor zwei Jahren. 2008, das Jahr in dem er 70 wurde, wollte er sich aus der ersten Reihe zurückziehen, die Verantwortung abgeben. Pfarrer und Gemeinde ließen ihn nicht gehen, beriefen ihn sechs weitere Jahre zum Presbyter – in Römerberg bis dahin ein Novum. Sein Nachsatz, mit dem Lachen des Gelingens eingeleitet: „Ein wenig habe ich das mit meiner Ankündigung provozieren wollen.“ Gefragt nach den Aufgaben, antwortet er allgemein: Das Presbyterium leitet mit dem Pfarrer beziehungsweise der Pfarrerin die Kirchengemeinde, ist ihr Gesicht, verfasst die Gesamtkonzeption, entscheidet über Ordnung, Zeit und Zahl der Gottesdienste, die Ausstattung der Räume, bestimmt den Gemeindehaushalt, die Kollektenzwecke, redet bei der Besetzung von Pfarrer- und Mitarbeiter-Stellen mit. Die Wahlperiode eines Presbyteriums beträgt sechs Jahre. Gilberts Schwerpunkt im Ehrenamt sind Zahlen und Baupläne. Nach der Zusammenlegung von zehn Kirchengemeinden im Bezirk Speyer zum Verwaltungsamt ist er ab 1981 Mitglied im Ausschuss für das Finanzwesen, in Römerberg – er zögert, lässt es dann anstelle von Mechtersheim gelten – ist er zuständig für sämtliche Baumaßnahmen. Als Beispiele nennt er die Sanierung der Friedenskirche, den Kindergarten-Neubau, das Pfarrhaus. Mit Stolz fügt er beim Blättern im dicken Leitzordner an: „Bei allen Vorhaben konnten wir den Kostenrahmen einhalten.“ Wenn auch manchmal nicht im Einvernehmen mit den Architekten. „Spannend“ seien auch die Personalwechsel gewesen. Gilbert erlebte sieben Pfarrer, alle mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Mentalitäten und Auffassungen. „Kaum war einer da, eingewiesen, lebte sich allmählich ein, war er auch schon wieder weg“, sagt der 78-Jährige. Seit Anfang der Woche ist mit Bettina Beyerle wieder eine neue Pfarrerin in Mechtersheim. Das gegenwärtige Miteinander in der Kirchengemeinde sieht Gilbert mit gemischten Gefühlen. „Bei den zunehmend leeren Plätzen in der Kirche verlieren Gottesdienste mehr und mehr ihre Bedeutung als Gemeinschaftserlebnis“, bedauerte er. Und: „Musste man früher nicht lange suchen und bitten, finden sich heute wenige helfende Hände.“ Bei der Überreichung der Ehrenurkunde dankte ihm Elisabeth Humbert, stellvertretende Vorsitzende des Römerberger Presbyteriums, im Namen der Kirchengemeinde für sein umtriebiges Wirken: „Alwin Gilbert und das Presbyterium waren viele Jahre lang fast eine bedeutungsgleiche Bezeichnung. Von Jugend an war er aus unserer Gemeinde nicht wegzudenken. Unser Dank von ganzem Herzen für das, was Gilbert geleistet hat, treu und unermüdlich, engagiert und vorausschauend. Viele Stellen an den Gebäuden erinnern uns weiter an ihn.“