Pro & Contra Speyers Shuttle-Streit: Das sind die Argumente

Bis 2013 in der Maximilianstraße: City-Shuttles.
Bis 2013 in der Maximilianstraße: City-Shuttles.
Axel Wilke
Axel Wilke
Johannes Gottwald
Johannes Gottwald

Soll über die Maximilianstraße eine eigene Shuttle-Linie mit kleineren Bussen fahren oder soll die Strecke Teil der längeren Nord-Süd-Linie mit Standardbussen bleiben? Der Ausschuss war knapp für das Shuttle, am Donnerstag stimmt der Stadtrat endgültig ab. Die politischen Wortführer der zwei Varianten begründen als Gastautoren ihre Positionen.

Pro – von Axel Wilke, CDU

Die Zeichen der Zeit stehen auf mehr Öffentlichen Nahverkehr, weil wir damit einen spürbaren Beitrag zur Verminderung von CO2 und damit für den Klimaschutz leisten können. Wir unterstützen daher voll und ganz das Ziel, die Fahrgastzahlen in unseren Bussen über die nächsten Jahre um mindestens 50 Prozent zu steigern. Dies erreichen wir nur mit attraktiven Angeboten. Die von der Stadt durchgeführte Bürgerbeteiligung hat zwei eindeutige Erkenntnisse gebracht:

1. Die Menschen stören sich daran, wenn große Busse über die Maximilianstraße fahren.

2. Sie wünschen sich die frühere City-Shuttle-Linie zurück.

Die Verwaltung möchte als Hauptlinie des Busnetzes eine Verbindung von Speyer-Nord über die Maximilianstraße zum Bademaxx und ins Pleiad-Gebiet beziehungsweise zum Platz der Stadt Ravenna. Auf dieser Linie sollen große Busse fahren. Das Hauptargument ist, dass gestiegene Fahrgastzahlen auf den Linien, die derzeit von Speyer-Nord über die Maximilianstraße zu PFW fahren, mit der Umsteigefreiheit der Verbindung von der Siedlung in die Maximilianstraße zusammenhängen. Gäbe man diese auf, gingen die Fahrgastzahlen zurück. Wir halten eine andere Erklärung für mindestens ebenso plausibel: Es war die Verdichtung der Verbindung in einen 15-Minuten-Takt, die den erfreulichen Zuwachs verursacht hat.

Wären andere Stadtteile schon ebenso gut versorgt wie Nord, so wären auch dort die Fahrgastzahlen bereits in der Vergangenheit gestiegen. Leider haben wir da heute aber große Defizite. So geht es zum Beispiel aus dem Vogelgesang derzeit nur im Halbstundentakt in die Innenstadt. Und wer zum Hauptbahnhof will, muss umsteigen oder eine halbe Stadtrundfahrt zurücklegen.

Wir präferieren daher folgendes Szenario: große Busse fahren – mindestens – im 15-Minuten-Takt vom Birkenweg direkt nach Speyer-Süd. Der Vogelgesang und weitere Stadtteile werden ebenfalls 15-minütig erschlossen. Vom Vogelgesang erreicht man so schnell und umsteigefrei den Hauptbahnhof. Ein erneuerter City-Shuttle vom Busbahnhof erschließt (mindestens) die Maximilianstraße und das Bademaxx. Gut ist das übrigens auch für die vielen Tagesgäste, weil jede/r gleich weiß, in welchen Bus er/sie einsteigen muss, um „in die Stadt“ zu kommen. Wir möchten – auch unter Einbeziehung sogenannter On-Demand-Angeboten für die Randbezirke – am Ende eine ausgewogene Liniengestaltung für das ganze Stadtgebiet. Dies ist auch kostenmäßig verkraftbar.

Zur Person

Axel Wilke, 57, seit 1994 Stadtrat, seit 2017 Fraktionsvorsitzender der CDU.

Contra – von Johannes Gottwald, SPD

Wir wollen einen öffentlichen Nahverkehr, der eine echte Alternative zum motorisierten Individualverkehr darstellt. Es geht uns dabei nicht nur um unsere Umwelt und die Lebensqualität in unserer Stadt, sondern auch um soziale Aspekte, die in vielen Diskussionen bisher leider zu kurz gekommen sind.

Die bisherige Buslinie 565, mit der man aus Speyer-Nord kommend ohne umzusteigen bis auf die Maximilianstraße und weiter fahren kann, birgt aus unserer Sicht enormes Potenzial, die Anzah l der Bürgerinnen und Bürger zu steigern, die auf das Auto verzichten und lieber mit dem Bus fahren wollen.

In der Innenstadt und vor allem im südöstlichen Teil liegen große Arbeitgeber wie Behörden, die Kirchen, der Einzelhandel und weitere Gewerbe- und Industriebetriebe. Weiterhin wird niemand bestreiten können, dass mit dem Dom, dem Kulturhof, den großen Museen, dem Bademaxx und weiteren Attraktionen das kulturelle Herz unserer Stadt im Zentrum und etwas südlich davon schlägt. Mit einer engeren Taktung und einem günstigeren Preis kann gerade diese Buslinie 565 allen Bürgerinnen und Bürgern aus Speyer-Nord eine bequeme Möglichkeit bieten, zum Arbeitsplatz zu gelangen oder beispielsweise mit den eigenen Kindern zum Bademaxx zu fahren. Auch Speyer-West erfährt in diesem von einem Planungsbüro erstellten Entwurf deutliche Verbesserungen.

Wenn man diese Linie aus Speyer-Nord nun unterbräche und die Bürgerinnen und Bürger, die am weitesten von der Innenstadt entfernt leben, zum Umsteigen zwingen würde, stellt der Busverkehr keine attraktive Alternative zum Auto dar.

Für eine bessere Lebensqualität unabhängig vom Einkommen muss in das Busliniensystem mehr investiert werden. Mit einem noch deutlich größeren Investitionsvolumen könnte eine neue direkte Shuttle-Linie vom Vogelgesang zum Hauptbahnhof eingerichtet werden. Wir wissen aber alle noch nicht, wie sich weitere Konzepte auf den Verkehr auswirken. Das sehr viel versprechende Projekt „Mobility-on-Demand“ könnte etwa für Speyer-Süd pilotiert und eine echte und noch bequemere Alternative werden.

Bei gleichzeitiger ständiger Evaluation der Fahrgastzahlen und Ausbau weiterer Alternativen zum motorisierten Individualverkehr wird man so bereits in wenigen Jahren feststellen können, ob und an welchen Stellen nachgebessert werden muss, um die Lebensqualität für alle Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt effektiv zu erhöhen.

Zur Person

Johannes Gottwald, 39, seit 2014 Stadtrat und „Vize“ der SPD-Fraktion.

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