Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyererin schreibt Kinderbuch über Corona-Zeit

Hat ein Kinderbuch über die Corona-Zeit geschrieben: Gianna Pazicky, hier mit Tochter Pina.
Hat ein Kinderbuch über die Corona-Zeit geschrieben: Gianna Pazicky, hier mit Tochter Pina.
Eine Seite aus dem Buch: „Als der Fuchs den Frühling stahl.“
Eine Seite aus dem Buch: »Als der Fuchs den Frühling stahl.«

Sieben Wochen Homeoffice, sieben Wochen Kinder rund um die Uhr. Entspannung bleibt ein Sehnsuchtsgedanke. Gianna Pazicky hat sich an den Ostertagen eine literarische Insel geschaffen. Und für Kinder ein bezauberndes Buch gegen Angst und Isolation in Corona-Zeiten geschrieben.

Sie habe ihren Kindern Pina (4) und Enric (2) die Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Infektionszahlen mit Covid-19 kaum vermitteln können, sagt Pazicky. „Alles hat sich verändert“, schildert sie die Panik mancher Erwachsener vor Kindern und berichtet von auch für ihre Tochter unbegreiflich leeren Supermarktregalen. „Sie vermissen Kita und Krippe, ihre Freunde, die Großeltern“, beschreibt die Mutter die Verunsicherung der Kinder.

Bei allem Kummer habe ihre Familie es weitaus besser als manche andere, ist die 36-Jährige sicher. „Wir sind zu zweit, haben Haus und Garten, viel Raum fürs Zusammensein und für Rückzug“, betont sie in der Gewissheit, dass ihre Lage beispielsweise mit der vieler Alleinerziehender nicht vergleichbar ist.

Lieblingsautorin Lindgren

Der Gedanke, eine kindgerechte Geschichte über Gefühle in Corona-Zeiten für ihre Tochter zu schreiben, sei in ihr gereift, erzählt Pazicky. Sie liebt Literatur, hat Germanistik studiert und ihren Kindern schon oft von ihr selbst erfundene Geschichten aufgeschrieben. „Den letzten Anstoß, meine Corona-Geschichte zu veröffentlichen, hat meine Schwester Teresa gegeben“, sagt sie.

Die Schwester wisse um Pazickys Faszination für Kinderbuchautorin Astrid Lindgren schon seit Kindertagen. „Mach es wie sie“, habe Teresa empfohlen. Die schwedische Schriftstellerin hat ihre weltberühmte „Pippi Langstrumpf“ für ihre Tochter Karin geschrieben. „Kein Schriftsteller hat mich so geprägt wie Lindgren“, sagt Pazicky. Ihretwegen habe sie nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr in Schweden absolviert, vor dem Elternhaus Lindgrens in Vimmerby gestanden und sei auf den Spuren von Kurt Tucholsky nach „Schloss Gripsholm“ gefahren.

In die Fußstapfen ihrer Kinderbuchheldin ist Pazicky dennoch nicht getreten. Auch den lange favorisierten Journalisten-Beruf hat sie – wenn auch schweren Herzens – ausgeschlagen. „Aus Sicherheits- und Familiengründen“ arbeite sie im Marketing, sagt sie. Allabendliches Homeoffice sei für sie schon vor Ausbruch der Pandemie Alltag gewesen.

E-Book ins Ausland geschickt

„Um Kindern Mut zu machen, unbeschadet durch die Krise zu kommen, habe ich mich entschlossen, Pinas Geschichte auch anderen Kindern zugänglich zu machen“, erklärt die Mutter, deren Vierjährige restlos begeistert ist von „Als der Fuchs den Frühling stahl“ – ebenso von den Protagonisten Joni Eichhörnchen, Karnickel Ludde, Nena, dem Eichhörnchen-Mädchen und der Brieftaube Fräulein Wachtel. Als sie ihr Manuskript an die „Villa Kunterbunt“, die Kita ihrer Kinder, weitergegeben habe, habe eine Erzieherin die Geschichte spontan illustriert. „Jetzt ist es ein Buch zum Vorlesen und Ausmalen geworden“, freut sich Pazicky.

Bestärkt von so viel Zuspruch von allen Seiten, habe sie ihr E-Book an die Stadt, Speyers Partnerstädte und deutsche Schulen in Europa geschickt, berichtet Pazicky von lokaler und internationaler Verbreitung. „Ich glaube, Kinder brauchen jetzt überall solche positiven Geschichten“, sagt sie.

„Auch bei uns zu Hause ist nicht jeden Tag Bullerbü“, räumt Pazicky in Anlehnung an ein weiteres Lindgren-Kinderbuch ein. Kinder und Partner rund um die Uhr – das sei „einfach gewöhnungsbedürftig“. Situationen, in denen Chef und Nachwuchs sie gleichzeitig forderten, verlangten ihr viel ab. Andererseits genieße sie jeden Morgen ohne den Stress, die Kinder pünktlich in der Kita abzugeben. Pazicky ist froh, noch keine Schulkinder zu Hause unterrichten zu müssen. „Vorlesen und Geschichten schreiben ist entschieden entspannter als Mathe zu erklären.“ Davon ist die literarisch motivierte Speyererin mit Wurzeln in der Nähe von Karlsruhe fest überzeugt.

Wer „Als der Fuchs den Frühling stahl“ lesen und ausdrucken möchte, kann das „Corona-Buch“ kostenlos unter gianna.hermann@gmx.de bestellen.