Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer Theatergruppe „Dicke Luft“ feiert Premiere mit „Lysistrata“

Lysistrata: klassische Komödie vom der Theatergruppe „Dicke Luft“ neu interpretiert im Alten Stadtsaal.
Lysistrata: klassische Komödie vom der Theatergruppe »Dicke Luft« neu interpretiert im Alten Stadtsaal.

Eine antike Komödie präsentiert die Speyerer Theatergruppe „Dicke Luft“. „Lysistrata“ wird für einen vergnüglichen Abend im Alten Stadtsaal sorgen –ein Probenbesuch.

17 Darsteller, ein Musiker und ein Hund finden auf der Bühne des Alten Stadtsaals ihren Platz. An diesem Abend proben sie unter der entspannten und dennoch intensiven Leitung von Christian Birko-Flemming.

Mensch und Tier scheinen zuversichtlich, am 7. Mai nach weiteren Proben eine fulminante Premiere feiern zu können. Techniker Kai Auffenfeld testet die Wirkung der geplanten Lichteffekte, Frauen schlüpfen in Brautkleider, alle suchen nach der Möglichkeit zur Kriegsdienstverweigerung.

Aktuelle Bezüge

Auch wenn das Stück von Aristophanes bereits im Jahr 411 vor Christus uraufgeführt wurde, sind aktuelle Bezüge nicht zu verleugnen. Mit der Adaption der Komödie ist Autorin Michela Gösken der Spagat zwischen antiker Satire und moderner, bisweilen auch lokaler Transformation gelungen. „Der Krieg muss weg“, lautet der Untertitel, der zugleich den Inhalt des Stückes beschreibt. Die Selbstermächtigung der Frauen soll den lang ersehnten Frieden bringen.

Selbstbewusste Frauen

Birko-Flemming lobt die „bombastische Leistung“ der Mitwirkenden, um dann den zweiten Teil von „Lysistrata“ einzuläuten. Hündin Lupina lässt sich gemütlich zu Füßen von Musiker Martin „Stuff“ Hug nieder, Herrchen Stefan Schmitt gefällt sich im Tarnanzug. „Ohne die griechische Kultur wäret ihr arbeitslos“, erklärt Marion Sefrin, die als Kreterin fungiert. Norbert Franck trägt im lustigen Kostüm die Post in die Akropolisgasse 1 zur neuen Adresse der Frauen. Einer der Bühnenvorhänge gibt den Blick frei auf die neue weibliche Unabhängigkeit. Dennoch vermissen sie ihre Männer, die in den Kulissen auf ihren Fronturlaub warten. „Das Wehklagen ist noch lange nicht aufführungsreif“, meint Schmitt, dessen Rollen-Cholerik mit „Wutknochos“ nur allzu gut beschrieben ist.

Männer, die zunächst entsetzt auf das ungeahnte Selbstbewusstsein ihrer Frauen reagieren, entwickeln sich zu liebevollen Vätern, auch wenn das eine oder andere Baby wie das von Andreas Flörchinger auf dem Kopf steht oder das von Christian Stadler im Eifer des Gefechts auf dem harten Bühnenboden landet. Johannes Jaberg fehlen als Lethargos Schattenplätze und Kaltgetränke, „Stuff“ wird auf dem Weg zum Rockstar jäh unterbrochen. Dafür singt Franck mit seiner Gitarren-Begleitung „Griechischer Wein“ im Wortsinn umwerfend. Der Sturm auf die Akropolis misslingt köstlich, das haben die Frauen schon erledigt. Sie singen dazu „Sex Bomb“ hinreißend in Kostümen, die viel Haut freigeben.

Ende gut, alles gut. Dazwischen liegen zwei Stunden voller Komik, charmanten Chaos und echter Frauenpower. „Lysistrata“ ist ein wahrhaftiges Theatererlebnis, das sich niemand entgehen lassen sollte.

Premiere

Donnerstag, 7. Mai, 20 Uhr, Alter Stadtsaal, Rathaushof, Speyer. Weitere Vorstellungen zur selben Zeit am 9., 10., 11., 14., 15., 16. und 17. Mai. Karten Spei’rer Buchladen, Korngasse 17, Telefon 06232 25675.

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